Der Brexit-Bus ist mit neuer Botschaft auf Tour

Die Finanztechnologie-Firma Monese tourt mit dem einstigen Wahlkampfbus des britischen Außenministers Boris Johnson durch Europa und wirbt für grenzüberschreitende Geldüberweisungen – ohne Gebühren.


Innen ist der Bus noch im Originalzustand: schwarze Ledersitze, ein Tisch im hinteren Bereich, an dem sechs Leute zusammensitzen können. Damit Getränke nicht umfallen können, hat der Tisch einige Vertiefungen. Hier hat vor mehr als einem Jahr Boris Johnson gesessen, der einstige Bürgermeister Londons und inzwischen britischer Außenminister. Mit diesem Bus fuhr er durch Großbritannien und warb für den Austritt Großbritanniens aus der EU. Eines seiner Hauptargumente prangte auf der Außenseiten des Busses: 350 Millionen Pfund überweise das Land wöchentlich an die EU. Eine glatte Falschbehauptung.

Johnsons Botschaft – das Symbol für die Verlogenheit der Kampagne der Brexit-Befürworter – ist inzwischen überklebt: „Send € 350 million with zero fees“ (Überweise 350 Millionen Euro zu Nullkosten) steht jetzt auf dem Bus. Das britische Fintech Monese wirbt damit für seine Produkte. Dazu gehören vor allem Girokonten, aber auch grenzüberschreitende Geldüberweisungen, die Monese zu günstigeren Konditionen als etablierte Banken anbieten – normalerweise.

Derzeit nämlich zahlen Kunden gar nichts. Für Geldtransfers mit einem Volumen von insgesamt 350 Millionen Euro stellt Monese seinen Nutzern aktuell gar keine Gebühren in Rechnung und leitet mit dieser Aktion die Expansion auf dem Kontinent ein.

So sah der Bus 2016 aus:


„Wir wollen den Brexit nicht, wir sind für ein offenes Europa und ohnehin für finanzielle Inklusion, weil sich unsere Girokonten an all die richten, die sonst Probleme haben, ein solches Konto zu eröffnen – etwa Migranten“, sagt Monese-Chef und Gründer Norris Koppel. „Die ursprüngliche Botschaft des Brexit-Busses komplett umzudrehen, erschien uns eine ganz gute Idee, um das zu unterstreichen.“ Anfang dieser Woche sind Koppel und sein Team in London gestartet, nach Zwischenstationen in Paris und Brüssel machten sie am Donnerstag in Frankfurt halt.

Koppel hat Monese vor vier Jahren gegründet, vor zwei Jahren hat das Unternehmen sein erstes Produkt auf den Markt gebracht. Die eigenen Erfahrungen, die er als Bürger aus Estland in London machte, waren einer der Gründe: „Ich weiß, wie kompliziert es ist für Ausländer, in Großbritannien ein Girokonto zu eröffnen – wenn man überhaupt keine Kreditgeschichte in diesem Land hat“, erzählt Koppel.


Inzwischen hat das Fintech mehr als 170.000 Nutzer auf der Insel. Zu den Geldgebern des Unternehmens gehört unter anderem Shakil Khan, ein ehemaliger Spotify-Manager.

Obwohl die ursprüngliche Botschaft des Brexit-Bus' inzwischen verschwunden ist und schon lange als Lüge entlarvt wurde: Boris Johnson wiederholt sie weiterhin. So hat er vor wenigen Wochen in einem Zeitungsartikel erneut versprochen, dass das Land die 350 Millionen Pfund, die es an die EU überweise, künftig in den staatlichen Gesundheitsdienst NHS stecken könne.

Der Leiter der britischen Statistikbehörde, David Norgrove, rügte Johnson daraufhin in einem öffentlichen Brief. Er sei „überrascht und enttäuscht“, dass der Außenminister die Zahl von 350 Millionen Pfund wieder verwende. Es handle sich um einen Bruttobetrag, bei dem nicht in Betracht gezogen werde, dass Großbritannien auch Geld von der EU zurückerhalte. „Das ist ein klarer Missbrauch öffentlicher Statistiken“, so Norgrove.