Brennbare Baumaterialien offenbar mit schuld an Brandkatastrophe in Südkorea

Das ausgebrannte Hochhaus in Jecheon

Der tödliche Brand in einem Gebäude mit Fitnesszentrum in Südkorea ist womöglich durch eine leicht entflammbare Außenverkleidung begünstigt worden. Experten sagten am Freitag, das Gebäude sei für die Opfer zur Falle geworden: unzureichende Notausgänge, leicht brennbare Baumaterialien und verbotswidrig auf Rettungswegen geparkte Fahrzeuge hätten zu der Katastrophe mit 29 Toten und zahlreichen weiteren Verletzten geführt. Damit weckt das Unglück Erinnerungen an den Brand im Londoner Grenfell Tower mit 71 Toten Mitte Juni.

Das achtstöckige Hochhaus in Jecheon sei mit Schicht-Platten aus Zement und Schaum verkleidet gewesen, sagte der Wissenschaftler Chung Sang Man von der Universität Kongju. Diese Dämmung sei zwar weitverbreitet, aber unter Brandschutzaspekten höchst bedenklich.

"Entflammbare Oberflächenmaterialen sind eine Hauptquelle für Probleme bei Großbränden", sagte Chung. Auch beim Brand im Grenfell-Tower, einem 24-stöckigen Hochhaus mit Sozialwohnungen im Londoner Stadtviertel North Kensington, hatten eine leicht entflammbare Fassadenverkleidung und weitere Sicherheitsmängel die Katastrophe mitverursacht.

Bei dem Brand in Jecheon starben am Donnerstag mindestens 29 Menschen, 26 weitere wurden verletzt. Allein 20 Leichen wurden nach Angaben der Feuerwehr in einer öffentlichen Sauna entdeckt. Viele Menschen bekamen offenbar zunächst nichts von dem Brand mit - als sie es bemerkten, war es schon zu spät.

In dem Gebäude in der Stadt Jecheon befanden sich ein Fitnessstudio, ein öffentliches Schwimmbad mit Sauna und Restaurants. Das Feuer brach vermutlich auf einem Parkplatz im ersten Stock aus und breitete sich rasch auf das gesamte Gebäude aus. Fernsehbilder zeigten lodernde Flammen und dichte schwarze Rauchwolken.

Ein Ehemann eines der Opfer schilderte der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap den Anruf seiner Frau aus dem brennenden Gebäude: "Meine Frau schrie am Telefon, rief um Hilfe, aber sie hustete schwer wegen des Rauchs." Nachdem er den Notruf gewählt habe, sei seine Frau kurz darauf beim Rückruf nicht mehr erreichbar gewesen.

Es ist der folgenschwerste Brand in Südkorea seit einem Feuer in einer Lagerhalle in der Stadt Icheon, bei dem im Jahr 2008 40 Arbeiter ums Leben kamen. Südkoreas Präsident Moon Jae In besuchte am Freitag den Unglücksort, um sich ein Bild von der Lage zu machen.