Braunkohlegegner blockieren RWE-Werksbahn im rheinischen Tagebaurevier

Klimaschützer haben im rheinischen Braunkohlerevier vorübergehend eine RWE-Werksbahn blockiert. Mit der Protestaktion nahe dem Kraftwerk Neurath sollte die Infrastruktur des benachbarten Tagebaus Garzweiler punktuell lahmgelegt werden

Klimaschützer haben am Freitag im rheinischen Braunkohlerevier vorübergehend eine RWE-Werksbahn blockiert. Mit der Protestaktion nahe dem Kraftwerk Neurath sollte die Infrastruktur des benachbarten Tagebaus Garzweiler punktuell lahmgelegt werden, wie das Aktionsbündnis Ende Gelände mitteilte. Polizisten beendeten die Blockade nach knapp drei Stunden und trugen bis zu 50 Demonstranten von den Gleisen. Dabei leisteten laut Polizei nur einzelne Protestierende Gegenwehr.

Klimaaktivisten und Umweltschützer hatten am Donnerstag im Tagebaugebiet zwischen Aachen, Mönchengladbach und Köln mit sogenannten Aktionstagen für einen sofortigen Ausstieg aus der Braunkohleförderung begonnen. Im rheinischen Tagebaurevier versammelten sich bis zum Freitag nach Veranstalterangaben rund 2000 Kohlegegner, um am sogenannten Klimacamp 2017 teilzunehmen.

RWE betreibt im rheinischen Braunkohlerevier die Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden. Die im Tagebauverfahren abgebaute Braunkohle wird in vier benachbarten Kraftwerken zur Stromerzeugung verfeuert. Klimaschützer kritisieren den hohen Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid durch diese Kraftwerke.

Für die bis Dienstag geplanten Proteste hatten Umweltaktivisten auch "Aktionen zivilen Ungehorsams" angekündigt. Die Polizei stellte klar, dass sie bei Blockaden und Sabotagaktionen konsequent eingreifen werde. Bereits am Freitagmorgen waren 13 Aktivisten vorübergehend in den Tagebau Inden eingedrungen und hatten dort zeitweise einen Bagger besetzt.

Das Bündnis Ende Gelände hatte im Vorfeld dem Tagebaubetreiber RWE ein Ultimatum für die Schließung der Fördergruben gestellt, das in der Nacht zum Donnerstag ablief. Verstreiche die Frist ungenutzt, "werden wir das übernehmen", hatte das Bündnis angekündigt.

Im Zuge der Anti-Kohle-Proteste ist am Samstag am Tagebau Hambach eine Menschenkette unter dem Motto "Rote Linie gegen Kohle" geplant. Zu der Protestaktion rufen mehrere Umweltverbände auf, darunter die Naturschutzorganisationen Nabu, BUND und Greenpeace.

Die Organisatoren fordern, sich schützend vor den von Abholzung bedrohten Hambacher Wald und die von Umsiedlung betroffenen Dörfer im Tagebaugebiet zu stellen. "Unsere Linie ist ein Symbol für die Grenze der gefährlichen Erderwärmung, die nicht überschritten werden darf, und zugleich für die Grenze des Abbaus der Kohle", erklärte der BUND im Vorfeld der Aktion.

Beim Klimacamp 2015 im Rheinland waren Aktivisten in den Tagebau Garzweiler eingedrungen, die Polizei ging damals massiv gegen die Blockierer vor. 2016 hatte es Blockadeaktionen von Kohlegegnern im Braunkohlerevier in der Lausitz gegeben.