Wir brauchen dringend eine Kaufprämie für E-Mopeds

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Elektrische Motorroller sollten eine Verkaufsförderung bekommen.
Elektrische Motorroller sollten eine Verkaufsförderung bekommen.


Elektrische Motorroller sind auf deutschen Straßen noch Mangelware. Zwar bieten Startups wie Emmy oder Tier Mobility die Fahrzeuge auf Mietbasis an, dies jedoch nur in einigen wenigen Städten. Dabei sind die sogenannten E-Mopeds auch außerhalb der Stadt praktisch und zudem ökologisch sinnvoll. Sie sind vielseitig einsetzbar, sparen Platz und transportieren Menschen genauso schnell von A nach B wie ein Auto.

E-Mopeds werden künstlich schlecht gemacht

Zu den Vorteilen des E-Mopeds gehört außerdem, dass sie von allen Führerscheininhabern gefahren werden können, solange die Fahrzeuge die Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde nicht überschreiten. Womit das erste Problem schon genannt wäre: 45 Stundenkilometer. Damit schwimmt man im Stadtverkehr knapp unterhalb der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Die Realität ist, dass die meisten Autofahrer eher im Bereich von 55 bis 60 Stundenkilometern unterwegs sind. E-Moped-Fahrer setzen sich damit überflüssigen Gefahren aus, wenn sie mit wenig Seitenabstand überholt werden.

Bis 2002 durften E-Mopeds noch 50 Stundenkilometer fahren. Die Drosselung erfolgte im Zuge einer Harmonisierung von Gesetzen in der EU. Es kursiert aber auch die Verschwörungstheorie, wonach die Autoindustrie in Brüssel Druck gemacht habe, um junge Menschen vom Kauf eines Mopeds abzuhalten und zum Erwerb eines günstigen Gebrauchtwagens zu bewegen. Belegt ist das natürlich nicht. Merkwürdig ist die bewusste Verschlechterung des Verkehrsmittels dennoch. Zumal eine Änderung laut Verkehrsministerium bisher auch nicht geplant ist.

E-Mopeds haben dennoch neuen Schwung in die Mobilitätsbranche gebracht. Sie sind leise, bewegen Menschen schnell und bequem durch die Stadt und benötigen deutlich weniger Platz als Autos. Auch gibt es mittlerweile etliche Startups wie Unu oder Niu, die zuverlässige E-Mopeds mit einer guten Reichweite anbieten. Der niederländische Anbieter Felyx bereitet gerade ein weiteres Sharing-Angebot in Deutschland vor. Allerdings sind die Fahrzeuge immer noch recht teuer. Unter 2.500 Euro bekommt man kein vernünftiges Moped, das für den Alltag eine vernünftige Reichweite von mehr als 50 Kilometern und ein wenig Stauraum für den Helm oder Einkäufe bietet.

Warum gibt es keine staatliche Förderung?

Eine staatliche Förderung wäre also sinnvoll. Aber die existiert nicht. Zwar gibt es einige wenige lokale Stromanbieter, die den Kauf eines E-Mopeds mit Summen von 75 bis 400 Euro bezuschussen, aber bundesweit existiert eine solche Unterstützung bislang nicht. Dabei wären E-Mopeds im Zusammenspiel mit einem Ausbau von ÖPNV, Carsharing und Ridesharing eine ideale Ergänzung. Sie könnten viele Stadtbewohner davon überzeugen, das eigene Auto gänzlich abzuschaffen.

Eine deutschlandweite Förderung könnte den bisher wenigen Anbietern von E-Mopeds zudem weiteren Aufwind geben. Damit würde man auch die Chance nutzen, eine europäische Industrie für diese Fahrzeuge aufzubauen. Bisher werden fast alle E-Mopeds in China hergestellt und verschifft. Dort sind Mopeds mit Verbrennungsmotoren schon seit vielen Jahren nicht mehr erlaubt, sodass eine florierende Industrie entstehen konnte. Etwas Ähnliches sollte in der EU auch möglich sein. Die Politik müsste sich nur entschließen, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Die Autoindustrie hat Interesse

Dass E-Mopeds als Verkehrsmittel interessant sind, haben inzwischen sogar Autohersteller erkannt. Seat etwa bietet seit einiger Zeit ein E-Moped an, wenn auch nur in einer Version für Menschen mit Fahrerlaubnis für ein herkömmliches Motorrad. Die Motorrad-Sparte von BMW bastelt Gerüchten zufolge schon seit einiger Zeit an einem Modell für den reinen Stadtverkehr. Eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 55 oder 60 Stundenkilometer – kombiniert mit einer staatlichen Förderung – könnte die Fahrzeuge in Städten schnell zum Verkaufsschlager machen.

Es wäre ein Gewinn für alle Beteiligten. Die EU könnte eine eigene E-Motorroller-Industrie aufbauen, Städte könnten den Autoverkehr spürbar reduzieren und die Bewohner müssten nicht länger auf eine individuelle, schnelle und bequeme Transportmöglichkeit verzichten. Es gibt also wenig Gründe, den elektrisierten Motorroller zu verschmähen.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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