Brasiliens Ex-Präsident Lula will zwölfjährige Gefängnisstrafe antreten

Lula vor Anhängern

Nach anfänglicher Weigerung will sich der wegen Korruption verurteilte brasilianische Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nun doch den Behörden stellen. Er werde dem gegen ihn erlassenen Haftbefehl folgen, obwohl er unschuldig sei, sagte Lula am Samstag vor tausenden Anhängern in São Bernardo do Campo. Zuvor hatte er eine Frist verstreichen lassen, sich freiwillig zum Antritt seiner zwölfjährigen Haftstrafe zu stellen.

Seit Freitag hatte sich der 72-Jährige mit Anhängern in einem Gewerkschaftshaus in seinem Heimatort São Bernardo do Campo verschanzt. Seine Anwälte hatten vor dem Obersten Gericht des Landes nochmals Rechtsmittel gegen die Haftstrafe eingelegt, waren damit aber am Samstag gescheitert. Gleichzeitig hatten sie nach Angaben von Lulas Parteifreunden mit der Polizei über die Bedingungen einer Festnahme verhandelt.

Lula, der Brasilien von 2003 bis 2010 regierte, bezichtigte in seiner einstündigen Rede Brasiliens leitenden Anti-Korruptions-Richter der Lüge. Justiz und Medien hätten ihn davon abhalten wollen, bei der diesjährigen Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Der linke Politiker galt bislang als aussichtsreichster Kandidat für den Urnengang im Oktober. Anhänger forderten den Ex-Präsidenten in Sprechchören auf, sich nicht den Behörden zu stellen.

Nach eigenen Angaben hatte Lula mehrere Angebote zur Flucht oder für ein Asyl im Ausland. Diese habe er aber ausgeschlagen, sagte der 72-Jährige. Er kündigte an, seine Unschuld zu beweisen und "größer, stärker" aus der Haft zurückzukehren.

Vor seiner Rede hatte Lula an einer Gedenkmesse für seine verstorbene Frau teilgenommen und dafür erstmals nach zwei Tagen das Gewerkschaftshaus verlassen. Er war in T-Shirt und Jeans auf der Ladefläche eines Lastwagens zu sehen. In seiner Nähe stand der Priester, der die Messe für seine verstorbene Frau Marisa Leticia zelebrieren sollte; sie wäre am Samstag 68 Jahre alt geworden.

Lula war im vergangenen Jahr wegen Verwicklung in einen weitverzweigten Korruptionsskandal und Geldwäsche verurteilt worden. Dem Urteil zufolge ließ sich er sich während seiner Präsidentschaft von der größten brasilianischen Baufirma OAS eine Luxuswohnung in der Küstenstadt Guarujá im Bundesstaat São Paulo sowie eine große Geldsumme in bar schenken. Der Baukonzern soll im Gegenzug bei Verträgen mit dem staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras begünstigt worden sein.