Brasiliens Armee verstärkt Polizei in Favela in Rio im Kampf gegen Gangster

Sicherheitskräfte in Brasiliens größter Favela Rocinha

Die brasilianische Armee ist in die größte Favela des Landes in Rio eingerückt, um die Polizei im Kampf gegen schwer bewaffnete Drogenschmuggler zu unterstützen. Rund 950 Soldaten rückten am Freitag mit gepanzerten Fahrzeugen, Lastwagen und Hubschraubern im Armenviertel Rocinha ein, nachdem die Behörden Verteidigungsminister Raul Jungmann um Hilfe gebeten hatten.

In der Favela lieferten sich Polizisten und Gangster seit dem frühen Morgen heftige Schussgefechte und versetzten die Einwohner in Angst und Schrecken. In Rocinha im Westen der Metropole Rio de Janeiro leben rund 70.000 Menschen.

Der Fernsehsender Globo TV zeigte Amateurvideos, auf denen Männer mit verschiedenen Gewehren und Pistolen zu sehen waren. In der Nähe eines Tunnels unter der Favela wurde ein Bus in Brand gesteckt, eine wichtige Schnellstraße wurde vorübergehend von der Polizei gesperrt. Über der Favela stand schwarzer Rauch, es waren Schüsse zu hören.

Die Armee werde helfen, die Gegend zu sichern, sagte General Mauro Sinott vor Journalisten. Gewalt in Favelas ist keine Seltenheit, doch war die Lage in Rocinha am Sonntag dramatisch eskaliert, als Mitglieder einer Drogenbande Rivalen vertreiben wollten.

Bilder von den Banditen, wie sie in militärähnlicher Kleidung mit Gewehren ungehindert durch die Straßen von Rocinha liefen, schockierten die Bewohner von Rio. Die Empörung wurde noch größer, als sich herausstellte, dass sich die Polizei in ihrer Wache versteckt hatte.

Zudem erklärte Gouverneur Luiz Fernando Pezao, er habe den Sicherheitskräften befohlen, nicht einzugreifen. Er bat dann die Bundesregierung, die Armee nach Rocinha und in andere Gegenden in Rio zu entsenden.

Seit den Olympischen Sommerspielen 2016 hat sich die Sicherheitslage in der Metropole deutlich verschlechtert. Im Juli wurden daher bereits 8500 Soldaten nach Rio entsandt.