Brasilien nun Land mit weltweit dritthöchster Zahl von Corona-Infektionen

Beerdigung in Manaus in Brasilien

Brasilien entwickelt sich immer mehr zu einem Hotspot der Corona-Pandemie. Mit 254.220 nachgewiesenen Ansteckungsfällen ist es mittlerweile das Land mit der weltweit dritthöchsten Infektionszahl, wie am Montag veröffentlichte Statistiken der brasilianischen Behörden zeigen. Nur in den USA und Russland hat sich das neuartige Coronavirus noch stärker ausgebreitet. Das brasilianische Gesundheitsministerium gab wegen der Notlage 150 kubanischen Ärzten im Land ihre Arbeitserlaubnis zurück.

In Brasilien wurden innerhalb von 24 Stunden weitere 13.140 Ansteckungsfälle verzeichnet. Dadurch löste das südamerikanische Land Großbritannien auf Rang drei der weltweit am stärksten betroffenen Länder ab. An der Spitze stehen die USA mit 1,5 Millionen Infektionsfällen, gefolgt von Russland mit rund 300.000 Fällen.

Nach Schätzungen von Experten könnte die Infektionszahl in Brasilien jedoch um das 15-fache höher sein. In dem bevölkerungsreichsten lateinamerikanischen Land wird eine gewaltige Dunkelziffer vermutet, da es dort nur in relativ geringem Umfang Corona-Tests gibt.

In den vergangenen Tagen hatte Brasilien bei der Infektionszahl bereits Frankreich, Italien und Spanien überholt. Bei den registrierten Corona-Toten rangierte Brasilien am Dienstag mit rund 16.800 Fällen weiter auf dem sechsten Platz.

Dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro wird vorgeworfen, die Corona-Krise in seinem Land herunterzuspielen. Die von dem Virus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 bezeichnete der ultrarechte Staatschef in der Vergangenheit als "kleine Grippe".

Die von den Bundesstaaten verhängten Corona-Restriktionen kritisiert Bolsonaro immer wieder massiv wegen ihrer negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit Bolsonaro über den Umgang mit der Pandemie schieden in den vergangenen Wochen bereits zwei Gesundheitsminister aus dem Kabinett aus.

Am Montag ordnete das brasilianische Gesundheitsministerium an, wegen der Corona-Krise 150 kubanische Ärzte im Land zu reaktivieren. Die Mediziner aus dem kommunistischen Karibikstaat erhielten ihre Arbeitserlaubnis zurück, teilte das Ministerium mit. Sie waren in Brasilien geblieben, nachdem die Regierung in Havanna vor anderthalb Jahren das Programm "Mehr Ärzte" zur Unterstützung unterversorgter Regionen in Brasilien im Streit mit Bolsonaro beendet hatte.

Bolsonaro hatte im Präsidentschaftswahlkampf 2018 von "Sklaverei" gesprochen und gesagt, er wolle nicht die "kubanische Diktatur" finanzieren. Hunderte kubanische Ärzte blieben dennoch im Land und mussten sich mit anderen Jobs über Wasser halten. Nun sollen die kubanischen Ärzte, die international einen guten Ruf genießen, zur Verstärkung in überlasteten Krankenhäusern eingesetzt werden.

Besorgniserregend ist auch die Lage in Chiles Hauptstadt Santiago. Wie am Montag mitgeteilt wurde, begaben sich dort vier Minister sowie rund die Hälfte der Senatoren in Quarantäne, nachdem sie direkten Kontakt mit drei Corona-infizierten Parlamentariern gehabt hatten. In die häusliche Isolation begeben mussten sich die Minister für Finanzen, Inneres, Soziales sowie der Stabschef im Präsidialamt und mehr als 20 der 50 Senatoren.

In dem südamerikanischen Land war Mitte der vergangenen Woche die Zahl der verzeichneten Neuinfektionen sprunghaft um 60 Prozent gestiegen. Für die sieben Millionen Einwohner von Santiago wurde daraufhin eine rigorose Ausgangssperre verhängt. Die offizielle Zahl der Coronavirus-Infektionen in Chile stieg bis Montag auf rund 46.000, 478 Todesopfer wurden verzeichnet