Brasilien: Heftige Vorwürfe in letzter TV-Debatte vor Präsidentschaftswahl

Brasilien: Heftige Vorwürfe in letzter TV-Debatte vor Präsidentschaftswahl

In Brasilien ist die letzte Fernsehdebatte vor der Stichwahl um das Präsidentenamt ausgestrahlt worden. Amtsinhaber Bolsonaro warf seinem Kontrahenten Lula erneut vor, ungeeignet für das Amt zu sein und bezog sich dabei auch auf die Phase, in der Lula im Gefängnis gesessen hatte. Das entsprechende Gerichtsurteil ist inzwischen aus formalen Gründen aufgehoben worden.

"Sie können sich hier nicht als Vater der Armen ausspielen. Als 2020 wegen der Corona-Pandemie alle zu Hause bleiben mussten, auch die Armen, haben wir eine Nothilfe von umgerechnet über 100 Dollar ausbezahlt", sagte Jair Bolsonaro. "Was für einen Eindruck macht das alles hier auf die Jugend in Brasilien? Wenn Sie hier antreten und auch noch gute Zahlen in schlechten Umfragen vorlegen? Dass Verbrechen vergessen werden?"

Lula warf seinerseits politisches Versagen vor. Bolsonaro habe beispielsweise während der Corona-Pandemie aus ideologischen Gründen zuwenig für die Menschen getan.

"Das Einzige, was Sie getan haben, war, den Menschen die Covid-Impung im richtigen Moment zu verweigern. So sind mehr als 300.000 Menschen in diesem Land sinnlos gestorben. Eines Tages werden Sie dafür bezahlen", sagte Luiz Inácio Lula da Silva. "Wir haben tausende Waffen unter meiner Regierung eingesammelt und öffentlich verbrannt. Unter meiner Führung verteilen wir wieder Bücher.."

Der gesamte Wahlkampf war schmutzig und wurde mit äußerste Härte geführt. Das Team Bolsonaros verglich Lula mit dem Teufel und rückte ihn in die Nähe eines Verbrechersyndikats. Lulas Wahlkämpfer stellten den Staatschef im Internet als Kannibalen und Pädophilen dar.

Lula hatte die erste Runde der Präsidentenwahl in dem größten Land in Lateinamerika am 2. Oktober überraschend knapp vor Bolsonaro gewonnen. Vor der Stichwahl am Sonntag ist das Rennen völlig offen.