Brasilien empfiehlt auch bei leichten Corona-Symptomen Malaria-Mittel

Chloroquin und Hydroxychloroquin

Trotz ihrer umstrittenen Wirksamkeit im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen empfiehlt Brasiliens Regierung die Wirkstoffe Hydroxychloroquin und Chloroquin nun offiziell zur Behandlung selbst leichter und mittelschwerer Fälle der Lungenkrankheit Covid-19. Wie aus am Mittwoch veröffentlichten Richtlinien des Gesundheitsministeriums hervorgeht, sollen brasilianische Ärzte die Malaria-Medikamente künftig ab dem Auftreten von Corona-Symptomen verschreiben.

Die Patienten müssten eine Verzichtserklärung unterschreiben, in der sie bestätigen, dass sie über mögliche Nebenwirkungen einschließlich Herz- und Leberproblemen sowie Schäden an der Netzhaut informiert wurden, hieß es weiter.

Dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro wird vorgeworfen, die Corona-Krise in seinem Land herunterzuspielen. Die durch das neuartige Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 bezeichnete der ultrarechte Staatschef in der Vergangenheit als "kleine Grippe". Bolsonaro pries die Wirkstoffe Chloroquin und Hydroxychloroquin immer wieder als mögliche Wundermittel an - die Wirkung der beiden Mittel gegen Covid-19 ist aber umstritten.

Hydroxychloroquin und der verwandte Wirkstoff Chloroquin werden seit Langem als Mittel gegen Malaria-Infektionen eingesetzt. Mitte Februar berichteten chinesische Forscher über positive Ergebnisse bei klinischen Studien mit etwa hundert Covid-19-Patienten in verschiedenen Krankenhäusern.

Insbesondere Chloroquin hat zahlreiche Nebenwirkungen wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Hautausschläge, aber auch neurologische, kardiologische und Sehstörungen. Hydroxychloroquin ist besser verträglich und wird auch als Mittel gegen rheumatische Erkrankungen, Hauttuberkulose und die Autoimmunerkrankung Lupus eingesetzt.

Wegen Meinungsverschiedenheiten mit Bolsonaro über den Umgang mit der Pandemie schieden in den vergangenen Wochen bereits zwei Gesundheitsminister aus dem Kabinett aus. Der Arzt Nelson Teich hatte am Freitag nach weniger als einem Monat seinen Rücktritt eingereicht - er soll nicht mit dem Einsatz von Chloroquin bei Corona-Patienten einverstanden gewesen sein.

In Brasilien wurden bislang mehr als 271.000 Corona-Infektionen bestätigt, fast 18.000 Menschen starben dort an Covid-19. Nach Schätzungen von Experten könnten die Infektionszahlen jedoch um das 15-fache höher sein als offiziell erfasst, da vergleichsweise wenig getestet wird.