Brasilianische Ex-Abgeordnete wegen Mordes an ihrem Mann zu 50 Jahren Haft verurteilt

Eine frühere brasilianische Abgeordnete und evangelikale Pastorin in Brasilien ist am Sonntag wegen des Mordes an ihrem Ehemann zu mehr als 50 Jahren Haft verurteilt worden. Laut Staatsanwaltschaft in Rio de Janeiro soll Flordelis Dos Santos mehrere ihrer Kinder zu dem Mord angestiftet und versucht zu haben, "ihn als bewaffneten Raubüberfall" zu tarnen. Als mutmaßliches Motiv gab die Staatsanwaltschaft die Kontrolle der Finanzen des Paares an.

Der Mordfall beschäftigt Brasilien bereits seit Juni 2019. Damals war die Leiche des 42-Jährigen Anderson do Carmo in der Garage des Paares in der Stadt Niterói, einem Vorort von Rio, entdeckt worden. Einer der leiblichen Söhne des Paares soll den Vater mit rund 30 Kugeln erschossen, ein Adoptivsohn die Tatwaffe gekauft haben. Beide Männer sitzen seit einem Jahr im Gefängnis.

Die Staatsanwaltschaft sah es nun als erwiesen an, dass die Ex-Abgeordnete es so aussehen lassen wollte, als sei ihr Mann einem misslungenen Einbruch zum Opfer gefallen. Laut Anklageschrift wurde die 61-Jährige zudem mindestens sechs früherer Mordversuche an ihrem Mann für schuldig befunden, ebenso wie der Urkundenfälschung und Bildung einer bewaffneten kriminellen Vereinigung.

Das Ehepaar Dos Santos ist bekannt dafür, Dutzende von Straßenkindern adoptiert zu haben. Außer Flordelis Dos Santos waren auch fünf weitere Kinder des Paares sowie eine Enkelin angeklagt - verurteilt wurde an diesem Sonntag nur Simone dos Santos Rodrigues, Dos Santos' leibliche Tochter. Sie muss nun für 31 Jahre hinter Gitter. Vier Adoptivkinder und die Enkelin hingegen sprach das Gericht frei.

Dos Santos war 2018 für die konservative Sozialdemokratischen Partei (PSD) in den Kongress gewählt worden. Zunächst war sie durch die parlamentarische Immunität vor einer Festnahme geschützt. Die Abgeordneten hoben diese jedoch im August 2021 fast einstimmig auf.

Dos Santos wurde selbst in einer Favela Rios geboren und traf Do Carmo im Jahr 1994. Gemeinsam gründeten sie die evangelikale christliche Gemeinschaft Flordelis. Beide waren zentrale Figuren in Brasiliens mächtiger evangelikaler Bewegung. Neben ihren vier leiblichen Kindern adoptierten sie 50 Straßenkinder aus den Favelas - den Armenvierteln - von Rio.

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