Brandenburg: Vom Sozialismus ist in Wandlitz nicht mehr viel zu spüren

Nur die schlichte Fassade erinnert noch an die kleinbürgerliche Spießigkeit, in der die Funktionäre in Wandlitz lebten. Hausrat und Möbel der SED-Elite sind längst verloren gegangen.

"Im Kampf um den Frieden." Die Reden und Schriften von Wilhelm Pieck zwischen 1918 und 1959 hat offenbar seit Jahren niemand mehr aus dem Regal gezogen. Walter Ulbricht hatte den Wälzer einst für seine 50 Quadratmeter große Privatbibliothek angeschafft. Staub angesetzt hat auch die deutsche Ausgabe des Buches über Agrarpolitik, verfasst vom einstigen sowjetischen Staatschef Leonid Breschnew. Einige Dutzend solcher sozialistischer Schinken lassen sich noch entdecken im Haus Nummer 7 der Waldsiedlung in Wandlitz. Vornehmlich finden sich in den deckenhohen dunklen Holzregalen aber DVDs mit Disney-Filmen. Denn in dem Gebäude, das DDR-Staatslenker Ulbricht und Gattin Lotte 1960 bezogen, werden heute krebs- und herzkranke Kinder betreut. Seit Anfang der 1990er-Jahre schon ist die ehemalige SED-Funktionärssiedlung Standort der Brandenburgklinik. Seit Juni steht die Siedlung nun unter Denkmalschutz.

Die Bücher der Bibliothek lagern in Kisten

Um seiner Leselust zu frönen, hatte Ulbricht 1966 eigens den Anbau einer Bibliothek im Erdgeschoss angeordnet. "Die Mehrzahl seiner Bücher ist seit der Wende in Kisten verstaut", erzählt Kurt-Josef Michels. Die meisten habe er selbst eingepackt, erinnert sich der Klinikbetreiber, der 1990 zum ersten Mal seinen Fuß in die Siedlung setzte. Mit Unterstützung von Brandenburgs damaligem Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Sozialministerin Regine Hildebrandt sollte der gebürtige Münsteraner das Areal zu einem medizinischen Reha-Zentrum entwickeln. Zur...

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