Brandanschläge und Anarchie: In dieser ZDF-Serie bilden Rechtspopulisten die Regierung

Julian Weinberger
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Brandanschläge und Anarchie: In dieser ZDF-Serie bilden Rechtspopulisten die Regierung

Das ZDFneo-Original "Deutscher" skizziert die möglichen Konsequenzen einer rechtspopulistischen Regierung in Deutschland. Zwar zeigt die Mini-Serie gute Ansätze, kommt insgesamt aber zu klischeehaft daher.

"Jetzt mal keine Panik. Politiker ändern das Leben nicht von heute auf morgen", wiegelt Christoph Schneider (Felix Knopp) ab. Doch auch er ist sichtlich überrascht vom Wahlausgang. Wie radikal sich die Umwelt seiner Familie, also seiner Ehefrau Eva (Meike Droste) und Sohn David (Paul Sundheim), verändern würde, kann der Lehrer zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Denn mit dem Regierungsantritt einer rechtspopulistischen Partei sind im ZDFneo-Original "Deutscher" (verfügbar in der ZDFmediathek) plötzlich anarchische Zustände an der Tagesordnung. Die Serie, die später auch ins ZDF-Hauptprogramm wandern wird, lässt mit ihren offenkundigen Bezügen auf die realen Gegebenheiten von heute aufhorchen.

Hier eine Prügelattacke auf offener Straße, da ein Brandanschlag auf einen türkischen Imbiss und dort ausländischstämmige Schüler, die im Pausenhof Drogen verticken oder ihre Mitschüler auf der Toilette mit einem Messer bedrohen: Das Drehbuch aus der Feder von Stefan Rogall geht in die Vollen und schießt dabei leider ein wenig über das Ziel hinaus.

An zu vielen Stellen bedient "Deutscher" Klischees, und die Häufung der Zwischenfälle wirkt unglaubwürdig. Die subtile Unterwanderung der Gesellschaft mit rechtem Gedankengut erhält hingegen zu wenig Raum. Die vierteilige Produktion unterteilt stattdessen oft nur in Schwarz und Weiß. Dabei ist die Ausgangssituation von "Deutscher" durchaus vielversprechend. Nicht blasierte, wenn auch redegewandte Politiker des rechten Lagers werden als Protagonisten auserkoren, sondern zwei ganz normale Familien - zumindest auf den ersten Blick.

Zwischen brennenden Imbissen und Famlilienproblemen

Denn bei den benachbarten Familien treffen zwei Lebensentwürfe aufeinander. Einerseits sind das die eingangs erwähnten Schneiders. Die Akademikerfamilie wohnt in einem Einfamilienhaus mit Garten. Vater Christoph verdient sein Geld als Lehrer, Ehefrau Eva arbeitet in einer Apotheke. Man achtet auf Bio-Lebensmittel und ist politisch liberal bis links orientiert. Und wären da nicht die Kommunikationsprobleme mit dem pubertierenden Sohn David, der lieber Zeit mit seiner Freundin Cansu (Lara Aylin Winkler) verbringt, man könnte von einer perfekten Familie sprechen.

Andererseits wohnen mit nur einer Zaunlänge Abstand die Pielckes. Während Handwerker Frank (Thorsten Merten) nach der Pleite seines Betriebes von der heimischen Garage aus arbeitet, schmeißt seine Gattin Ulrike (Milena Dreißig) den Haushalt und kümmert sich um die Finanzen. Den politischen Umschwung begrüßt vor allem Frank, der hofft, dass nun "die ganzen Probleme endlich mal angepackt" werden. Umso stärker trifft die Pielckes, dass ihr schwächlicher Sohn Marvin (Johannes Geller) in der Schule gemobbt und tätlich angegriffen wird - ausgerechnet von der Araberclique um Emrah (Rojan Barani).

Die alltagsnahen Konflikte zwischen den Familien, etwa dass Christoph trotz offensichtlicher Antipathie gegenüber Frank nicht auf dessen handwerkliche Hilfe verzichten will, hätten einen stärkeren Fokus verdient. Ebenso die missliche Lage Davids, der sich bald zwischen Freundin Cansu und seinem besten Kumpel Marvin entscheiden muss. In "Deutscher" schwingt das Pendel aber eher in Richtung der großen Bilder aus, die der brennenden Imbisse und pöbelnden Fremdenhasser. Doch wenn man ehrlich ist: Wie nah die drohende Anarchie und die Radikalisierung der Bevölkerung der Realität tatsächlich wäre, will man am liebsten auch nicht herausfinden.

Nach der Erstausstrahlung von "Deutscher" Ende April bei ZDFneo gibt es die Serie am 19. und 26. Juni, jeweils freitags, ab 22.30 Uhr, auch im ZDF zu sehen. Außerdem ist die Miniserie in der ZDFmediathek abrufbar.