Branchenverband VDA dringt vor Autogipfel auf baldige Kaufprämien

BERLIN (dpa-AFX) - Vor dem Autogipfel an diesem Dienstag fordert der Branchenverband VDA eine rasche Entscheidung über neue Kaufanreize. "Es muss zeitnah politisch entschieden werden, damit es eine Klarheit im Markt gibt", sagte VDA-Chefin Hildegard Müller der "Welt am Sonntag". Sie betonte, es gebe derzeit eine "doppelte Zurückhaltung". Potenzielle Käufer seien nicht nur durch die Corona-Krise verunsichert. "Sobald eine Debatte stattfindet, ob der Staat mit einer Kaufprämie hilft, warten die Verbraucher natürlich ab, bis die Prämie tatsächlich kommt", sagte Müller.

Die Bundesregierung und Vertreter der Autoindustrie wollen am Dienstag über die angespannte Lage der Branche beraten. Die Nachfrage ist wegen der Corona-Krise eingebrochen. Die Hersteller hoffen auf Hilfe vom Staat in Form neuer Kaufprämien, um die Nachfrage anzukurbeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte aber deutlich gemacht, bei dem Treffen sei mit keiner Entscheidung über spezielle Anreize für die Branche zu rechnen.

Mit Blick auf Forderungen, Finanzhilfen an Bedingungen etwa zum Klimaschutz zu knüpfen, sagte Müller, die Branche wünsche sich eine "breite Förderung" nicht nur von Elektro- und Hybrid-Autos, sondern auch von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. "Wir könnten uns aber ein Stufenmodell vorstellen, bei dem bestimmte Antriebe noch zusätzliche Prämien bekommen", sagte die Chefin des Verbands der Automobilindustrie.

Konsumgutscheine, wie sie etwa Verdi-Chef Frank Werneke fordert, lehnte Müller ab. "Die Industrien sind unterschiedlich stark von der Krise betroffen, manche mehr als die Autobranche, aber manche eben auch weniger. Deshalb halte ich wenig von pauschalen Lösungen wie Konsumgutscheinen", sagte sie. "Ich glaube, dass sich jeder Euro, den wir in eine Kaufprämie investieren würden, nach wenigen Monaten mehr als rechnen würde", sagte die VDA-Präsidentin.

Die Autoindustrie ist von der Corona-Pandemie stark betroffen, Hersteller und Zulieferer hatten ihre Produktion vorübergehend stillgelegt und für zahlreiche Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Das wirkt sich auch finanziell aus: "Selbst in unserem optimistischen Basisszenario, wenn der Hochlauf im Mai gelingt, ist ein Minus von mindestens 20 Prozent für das Gesamtjahr zu erwarten", sagte Müller.