Brüssel will 140 Mrd Euro Übergewinne von Energiefirmen abzapfen

(Bloomberg) -- Die Europäische Union will mehr als 140 Milliarden Euro an Gewinnen der Energieindustrie zu den unter den steigenden Preisen leidenden Verbrauchern umleiten. Das erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch in einer Grundsatzrede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg.

Diese Summe ergebe sich aus der geplanten Beschränkung der Einnahmen von Stromerzeugern, die mit erneuerbaren Energien oder Kernkraft arbeiten und nicht mit dem immer teurer werdenden Erdgas, sagte von der Leyen.

“In unserer sozialen Marktwirtschaft sind Gewinne etwas Gutes”, sagte die Kommissionspräsidentin in ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union. “Aber in diesen Zeiten ist es falsch, auf dem Rücken der Verbraucher außerordentliche Rekordgewinne zu erzielen und so vom Krieg zu profitieren.”

Mit dem Strompreisdeckel und Maßnahmen zur Senkung des Stromverbrauchs will die Kommission die Energiekrise eindämmen, die seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine die Union erschüttert. Die Erklärung ist der Startschuss für Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten, die angesichts der Meinungsunterschiede zermürbend werden dürften. Die Idee, eine Preisobergrenze für russisches Gas einzuführen, musste von der Leyen bereits aufgeben. Allerdings geben die Gaspreise zuletzt nach - und das zum Teil aufgrund der Pläne der EU.

Die Märkte hoffen auch auf Maßnahmen gegen die ausufernden Sicherheitenforderungen an den Energiebörsen der Union. Mehrere Länder haben deshalb bereits Schritte zur Stützung von Versorgern ergreifen müssen, um einen “Lehman-Moment” in der Energiewirtschaft abzuwenden. Diese Maßnahmen werden derzeit noch ausgearbeitet.

Überschrift des Artikels im Original:

EU Aims to Raise 140 Billion Euros With Swoop on Energy Firms

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