Brüchige Einheit zwischen Bonn und Frankfurt

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Brüchige Einheit zwischen Bonn und Frankfurt

Mit ihren Quartalszahlen nennt die Deutsche Bank auch weitere Details zur Integration der Postbank. Die entscheidenden Fragen bleiben aber offen.


2022 soll es dann wirklich soweit sein. Innerhalb der kommenden fünf Jahre wird die Postbank voll in die Deutsche Bank integriert. Wenn das wie vorgesehen klappt, werden seit dem ersten Einstieg des Branchenprimus bei dem Bonner Institut 15 Jahre vergangen sein. Fast ein halbes Berufsleben also. Ein solch langer Zeitraum ist in der deutschen Unternehmensgeschichte ebenso beispiellos wie das Hin und Her mit zunächst halber Integration, anschließend geplanter Trennung und schließlich vollzogener Wiedereingliederung.

Es ist beispiellos peinlich.

Das ist bekannt und lässt sich nun nicht mehr ändern. Immerhin ist die Geschichte des bisherigen Miteinanders beider Banken so voll von Misserfolgen, dass tatsächlich die Chance besteht, aus diesen zu lernen. Während beide bei der ersten Annäherung ab 2007 weitgehend unabhängig blieben, lautet die Devise nun „Eine Bank, zwei Marken“. Wie erwartet wird die Postbank künftig  kein eigenständiges Unternehmen mehr sein. Vom ehemaligen Dax-Konzern bleibt letztlich nicht viel mehr als die Fassade übrig. 




Das ist bitter, aber sinnvoll. Anders als im ersten Anlauf will die Deutsche Bank nun keine halben Sachen mehr machen. Um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, stellt sie heraus, was nun alles vereinheitlicht wird. Künftig gibt es ein Management. Eine IT-Plattform. Eine Bausparkasse. Und eine Zentrale - an zwei Standorten.

Die Entscheidung, das zusammengelegte Privatkundengeschäft aus Bonn und Frankfurt zu führen, folgt wohl weniger ökonomischer als psychologischer Logik. Ebenso wie die bislang bekannte proportionale Besetzung der Führungsjobs soll so demonstriert werden, dass hier zwei gleichberechtigte Partner zusammengehen. Und nicht einfach einer den anderen platt macht.

Solche Zugeständnisse sollen die Skepsis gerade der Postbank-Beschäftigten mildern. Die ist wegen der schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit und den unsicheren Perspektiven gewaltig. So ist völlig klar, dass ein weiterer, bedeutender Stellenabbau bevorsteht. Ein „Blutbad“ haben Arbeitnehmervertreter seit Monaten erwartet.

Wie viele Stellen exakt wegfallen, ist noch nicht bekannt. Zumindest hat sich die Bank nach heftigen Auseinandersetzungen nun mit den Gewerkschaften geeinigt. Bis 2021 sind betriebsbedingte Kündigungen bei der Postbank ausgeschlossen. Dass die Arbeitsplätze dort sicher sind, heißt das nicht. Die Beschäftigten können bloß nicht einfach rausgeworfen werden, sondern werden im Zweifel „sozialverträglich abgebaut.“ Wie das geht, hat die Postbank in den vergangenen Jahren schon gezeigt.


Für die Kunden soll sich erst mal wenig ändern. Von außen erinnert die Idee von zwei Marken in einem Konzern zwar an das Konzept der Deutschen Bank 24. In die hatte das Institut vor Jahren seine weniger wohlhabende Klientel ausgegliedert. Solche Zwangsabschiebungen in die Postbank soll es nun nicht geben. Trotzdem sind zwei Marken auf Dauer nur dann sinnvoll, wenn sie sich klar unterscheiden. Die Deutsche Bank wird sich noch stärker als bisher auf wohlhabendere Kunden mit Beratungsbedarf konzentrieren. Ein flächendeckendes Filialnetz braucht sie dafür eigentlich nicht. Das legt nahe, dass der geplante Abbau von Zweigstellen eher die Deutsche Bank treffen könnte. Konkretes gibt es aber auch dazu noch nicht.

Bis es soweit ist, bleiben viele Fragezeichen. Harte Einschnitte sind unvermeidlich, aber nur wenn die Banken die richtige Balance zwischen Abbau, Umbau und (digitalem) Aufbau finden, haben sie Aussicht auf Erfolg, können sie die angestrebten Synergien von 900 Millionen Euro realisieren.

Die verunsicherten Angestellten wird das Management aber nur mitnehmen können, wenn es in den nächsten Monaten wie angekündigt nicht nur um Einsparungen, sondern auch um Wachstum geht. Dafür gibt es auch was Neues. So will die Deutsche Bank Ende 2018 eine „Digitalbank“ an den Start bringen. Eine solche hatte sie schon 2012 angekündigt, das Konzept dann aber wieder beerdigt. Nun holt sie es wieder hervor. Ganz ohne Zick-Zack geht es offenbar immer noch nicht. Zu viel Konsequenz wäre ja auch langweilig.