Brötchentaste beschlossen: Lindenthaler planen auch kostenloses KVB-Kurzstreckenticket

Politiker beschließen freies Kurzparken für schnelle Einkäufe.

Schon der Name liefert Stoff für reichlich Diskussionen. Bei der Brötchentaste handelt es sich nicht etwa um einen Backwarenlieferservice auf Knopfdruck, sondern um einen kostenlosen Parkschein.

Das Ticket berechtigt Autofahrer im Gültigkeitsbereich der Taste dazu, dort eine Viertelstunde umsonst zu parken und schnell beim Bäcker, im Supermarkt oder der Apotheke einzukaufen. Derzeit sorgt das Angebot für einige Debatten. Bislang gibt es die Brötchentaste in Köln nur an der Severinstraße in der südlichen Innenstadt. Die Stadtverwaltung hat nun vorgeschlagen, das kostenlose Kurzparken auch in anderen Stadtteilen einzuführen und damit eine Vereinbarung umzusetzen, die CDU und Grüne in ihrem Bündnisvertrag getroffen haben. An welchen Orten die Parkscheinautomaten umgerüstet werden, sollen die jeweiligen Bezirksvertretungen entscheiden.

Ein Brötchenticket für die KVB?

Die Bezirksvertretung Lindenthal hat jetzt die Einführung der Brötchentaste an zwei Einkaufsstraßen im Stadtbezirk beschlossen. An der Dürener Straße und an der Berrenrather Straße soll es sie demnächst geben. Bei seiner Entscheidung zeigte sich das Stadtteilparlament allerdings sehr kreativ und schuf kurzerhand eine weitere Variante des - zumindest verkehrstechnisch - kostenlosen Kurzeinkaufs: das "Brötchenticket".

So beauftragte die Bezirksvertretung die Verwaltung per Beschluss außerdem, mit der KVB ein kostenloses Kurzstreckenticket auf solchen Strecken einzuführen, die zu einem Bezirkseinkaufszentrum führen. Es könnte beispielsweise 20 Minuten ab Entwertung gelten. Dies könne in einer Pilotphase auch nur für Ziele im Stadtbezirk Lindenthal geschehen.

Lothar Müller (Linke) machte den entscheidenden Vorschlag: Durch die Brötchentaste würde man zusätzlichen Autoverkehr in den Städten generieren, argumentierte er. Das sei rückwärtsgerichtet und passe nicht in die heutige Zeit. "Wenn die Verwaltung schon Autofahrern die Möglichkeit eröffnet, eine Viertelstunde umsonst beim Einkaufen zu parken, dann muss doch der Gerechtigkeit halber auch Menschen, die mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind, die Möglichkeit gegeben werden, kurz umsonst mit der Bahn zur nächsten Einkaufsstraße zum Brötchen kaufen zu fahren", so Müller.

Diskussion zu den Fahrpreisen der KVB

Diesen Vorschlag fanden auch die Politiker anderer Parteien reizvoll. "Ich habe einmal gesagt, dass wir alle Verkehrsteilnehmer gleich behandeln. Wenn also Autofahrer gratis parken können, muss auch das Bahnfahren kostenlos sein", fand Wolfram Rother (FDP). Claudia Pinl, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sprach sich ebenfalls für das "gleiche Recht für alle" aus. Auch Horst Nettesheim (CDU) unterstützte den Vorschlag: "Die Tickets der KVB sind sowieso viel zu teuer. Man kann einer vierköpfigen Familie kaum zumuten, mit der Bahn in die Stadt und zurück zu fahren. Die Fahrpreise müssten grundsätzlich einmal auf den Prüfstand."

Insgesamt stimmte eine große Mehrheit für die Einführung von Taste und Ticket. Mit dem Beschluss der Bezirksvertretung steht nun erst einmal der Einführung der Brötchentaste an den ausgewählten Straßen nichts mehr im Wege. Ob das kostenlose KVB-Kurzstreckenticket eingeführt wird, ist allerdings fraglich. Die KVB selbst möchte keine Einschätzung dazu abgeben. "Wir sind ja nicht diejenigen, die für die Tarifsysteme verantwortlich sind", sagt Stephan Anemüller, Pressesprecher der Verkehrs-Betriebe. "Wir als KVB sind genauso wie die etwa 30 weiteren Verkehrsunternehmen im VRS in die Festlegung von Ticketpreisen eingebunden." Es sei der VRS, der über derartige neue Ticketvarianten entscheiden müsse.

VRS-Pressesprecher Klein: „Diese kostenlosen Kurztickets halte ich für durchaus reizvoll“

Der Verkehrsverbund hat allerdings einige Bedenken im Hinblick auf die Möglichkeit, ein solches Ticket einzuführen: "Grundsätzlich finde ich es gut, dass die Bezirksvertretung Lindenthal sich mit dem Thema befasst", sagt VRS-Pressesprecher Holger Klein. "Diese kostenlosen Kurztickets halte ich für durchaus reizvoll. Sie müssten allerdings an den entsprechenden Stellen für den ganzen Verbund gelten." Selbst wenn man über eine Kölner Lösung nachdenken würde, müsse man sich überlegen, wie man sie finanziert. "Schon jetzt können die Ticketeinnahmen nur 60 Prozent der Betriebskosten der KVB decken. Den Rest würden das Land und die Kommunen bezuschussen."

Wenn durch kostenlose Tickets mehr Menschen mit der Bahn fahren würden, müsse man den öffentlichen Nahverkehr infrastrukturell ertüchtigen. "Außerdem sind die Bahnen doch auf vielen Strecken bereits heillos überfüllt", so Klein. Grundsätzlich sei der VRS solchen Ideen gegenüber aber aufgeschlossen. "Wir prüfen das ganz genau, sobald wir den Auftrag dazu bekommen."

Auch die Händler befürworten die Lösung

Die Stadtverwaltung teilt die Bedenken: "Ein Kurzstreckenticket würde den Einstieg in den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr bedeuten, ohne dass die dadurch entstehende Finanzierungslücke kompensiert würde", sagt die städtische Pressesprecherin Simone Winkelhog. Insofern würde die bereits bestehende Unterfinanzierung des gesamten ÖPNV-Systems verstärkt. Dabei sei auch zu bedenken, dass bereits heute in den vorgeschlagenen Bereichen die Busse und Bahnen im Hinblick auf die Menge der Fahrgäste ausgelastet seien. Eine Ausweitung des Angebots an öffentlichen Nahverkehrsmitteln sei aber nur unter der Voraussetzung der Finanzierbarkeit möglich.

Die Händler, die an den betroffenen Straßen Geschäfte betreiben, begrüßen Brötchentaste und -Ticket. "Wir sehen zwei besondere Vorteile in der Brötchentaste", sagt Gregor Hempsch, Vorstandsvorsitzender des Rings Lindenthaler Geschäftsleute. "Durch das kostenlose Kurzzeitparken werden mehr Menschen auf der Dürener Straße einkaufen und weniger Autofahrer in der zweiten Reihe parken."

Ebenso würden sich die Händler über die Einführung eines kostenlosen Kurzstreckentickets freuen. "Eine entsprechende Pilotphase im Stadtbezirk Lindenthal befürworten wir ausdrücklich." Beides könne die Situation des stationären Handels verbessern, begründet Hempsch. Er tue sich schwer, leide unter dem Online-Handel. "Damit unsere Veedel langfristig nicht veröden und damit auch die Menschen weiterhin eine Nahversorgungsmöglichkeit im Veedel finden, sollten wir alles tun, was das Geschäftsleben vor Ort fördert."

Ehrenfeld will keine Brötchentaste

Die Bezirksvertretung Ehrenfeld hat die Einführung der Brötchentaste abgelehnt. Das kostenlose Kurzzeitticket sei nicht zeitgemäß, begründeten Vertreter der SPD, Grünen, Linken und Deine Freunde. So werde es in anderen Städten gerade abgeschafft. Nur vier Bezirksvertreter - die dreiköpfige CDU-Fraktion sowie die FDP-Vertreterin - stimmten für die Verwaltungsvorlage zum 15-Minuten-Freiparken.

Die Verwaltung hat die Bedingungen aufgestellt, die Einkaufsstraßen erfüllen müssen, damit dort die Brötchentaste eingerichtet werden kann: Demnach müssen mindestens 30 Prozent der ansässigen Geschäfte Waren und Dienstleistungen des täglichen oder des kurzfristigen Bedarfs anbieten. Außerdem darf es sich nicht um Parkplätze handeln, die sich in einer Anwohnerparkzone befinden. (se)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta