Boxen: Huck kämpft um seine Karriere

Marco Huck steht zum Auftakt der neuen Muhammad-Ali-Trophy gegen den Top-Favoriten Alexander Usyk mit dem Rücken zur Wand. Verliert der Ex-Boxchamp, rückt das Ziel WM-Titel in weite Ferne.

Marco Huck steht zum Auftakt der neuen Muhammad-Ali-Trophy gegen den Top-Favoriten Alexander Usyk mit dem Rücken zur Wand. Verliert der Ex-Boxchamp, rückt das Ziel WM-Titel in weite Ferne.

Bis zum ersten Gongschlag wollte Marco Huck nicht mehr warten: Mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen stieß er Alexander Usyk vor die Brust. "Verschwinde schnell, sonst gibt es noch was hinter die Löffel", pöbelte der ehemalige Box-Champ in Richtung seines Gegners.

Beide Cruisergewichtler konnten sich die Provokationen vor der Weltpremiere der Muhammad-Ali-Trophy nicht verkneifen. Alles wohl nur Show, doch die kann Huck sowieso am besten. In Wahrheit - und die liegt im Ring - ist vom 32-Jährigen nach den Pleiten der Vergangenheit nicht mehr viel zu erwarten. Gegen den WBO-Weltmeister Usyk steht seine Karriere auf dem Spiel.

"Wenn Marco mit dem Rücken zur Wand war, hat er immer noch seine besten Leistungen gezeigt. Wer sagt, dass es dieses Mal anders sein soll?", fragt Hucks langjähriger Trainer Ulli Wegner vor dem Viertelfinal-Duell gegen Usyk am Samstag (22.15 Uhr) in Berlin: "Wenn Marco sein volles Potenzial abruft, kann er Usyk schlagen." Doch damit das gelingt, muss schon einiges zusammenkommen.

Usyk als Profi noch ungeschlagen

Weltmeister 2011, Olympiasieger 2012: Usyks Bilanz war bereits bei den Amateuren beeindruckend. Als Profi feierte er zwölf Siege (zehn K.o.) in zwölf Kämpfen und trainierte als Mitglied des Klitschko-Stalls K2 mehrfach mit Ex-Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko. Den WBO-Titel holte der 30-jährige Usyk im September des Vorjahres als er Titelverteidiger Krzysztof Glowacki klar bezwang - den Polen, der 2015 Huck den WM-Gürtel nach schwerem K.o. entrissen hatte.

Nach dieser derben Niederlage musste sich Huck erst wieder hinten anstellen. Über den Gewinn des unwichtigeren IBO-Titels bekam er im April gegen den Letten Mairis Briedis die Chance auf den WBC-Gürtel - verlor aber nach einer erschreckend blutleeren Vorstellung nach Punkten.

"Das lag auch an einem Motivationsloch - Briedis war zuvor ein Nobody und ich habe ihn stark unterschätzt. Es fällt mir schon mal schwer, mich richtig zu motivieren", sagt Huck heute. Einen solchen Fauxpas darf und will sich der Lokalmatador gegen Usyk nicht leisten. Dass er nach der Pleite gegen Briedis durch das neue Turnier sofort wieder die Chance auf einen WM-Titel bekommt, ist Hucks großes Glück.

Huck: Drei Siege bis zur Trophy

Fest steht aber: Kassiert Huck gegen Usyk seine fünfte Niederlage im 46. Profi-Fight, sind die WM-Chancen wohl endgültig dahin. Bei einem Turniersieg aber wäre Huck nach nur drei Kämpfen Weltmeister aller vier bedeutenden Verbände, weil die Ali-Trophy alle wichtigen Titel vereinigt.

Für den Deutsch-Serben keine Utopie: Wenn er nicht den Glauben hätte, das Turnier zu gewinnen, würde er "nicht daran teilnehmen", sagte Huck: "Ob nun Fans und Experten an mich glauben, interessiert mich nicht." Gelingt Huck die Überraschung gegen Usyk, könnte es in einem möglichen Halbfinale im Januar übrigens wieder gegen Briedis gehen. Leichter wird es für Ex-Weltmeister also nicht.

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