Boxen: Dillian Whyte im Porträt: Anthony Joshuas größter Rivale

Am Samstag will Dillian Whyte durch die Titelverteidigung seines WBC-International-Heavyweight-Gürtels gegen Lucas Browne (ab 20 Uhr im Livestream ) dem nächsten Kampf gegen seinen großen Rivalen Anthony Joshua ein Stück näherkommen. SPOX blickt auf die bisherige Karriere des "Body Snatchers" zurück.

Am Samstag will Dillian Whyte durch die Titelverteidigung seines WBC-International-Heavyweight-Gürtels gegen Lucas Browne (ab 20 Uhr im ) dem nächsten Kampf gegen seinen großen Rivalen Anthony Joshua ein Stück näherkommen. SPOX blickt auf die bisherige Karriere des "Body Snatchers" zurück.

Seite 1: Whyte vor seiner Boxkarriere: Von der Armut in Jamaika zur Kriminalität in London

"Fuck easy!" Dillian Whyte steht im Ring einer Trainingshalle und schnauzt seinen Coach Jonathan Banks an. Der ehemalige Trainer von Wladimir Klitschko hatte ihn beruhigen wollen. Schließlich sollte Whytes Sparringpartner Kash Ali nicht dasselbe Schicksal erleiden wie sein Vorgänger. Der hatte das Training frühzeitig abbrechen müssen, nachdem ihm Whyte die Nase brach.

Dass der als "Body Snatcher" (Leichenräuber) bekannte Boxer wenig mit der besonnenen, ruhigen Art des ehemaligen ukrainischen Schützlings von Banks zu tun hat, wird schnell klar. Whyte geht in und neben dem Ring deutlich aggressiver zu Werke, ist bekannt für seine Provokationen in den sozialen Netzwerken.

Whytes Vater fordert: "Ertrinke oder schwimm!"

Die explosive Ader der aktuellen Nummer Eins im WBC Boxing Ranking kommt nicht von ungefähr. Der in Jamaika geborene Brite musste in seiner Jugend einiges durchmachen. Als Whyte zwei Jahre alt war, machte sich seine Mutter in Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach London auf. Der künftige Boxstar blieb in Armut in Jamaika zurück und versuchte durch Stehlen und Sammeln von Pfandflaschen am Strand und im Müll etwas Geld und Essen aufzubringen.

Die starke Mentalität, die Whyte heute im Ring auszeichnet, entwickelte er bereits in dieser frühen Phase seines Lebens. Gegenüber skysport erzählte Whyte, dass ihn sein Vater eines Tages beim Fischen mit den Worten "ertrinke oder schwimm" aus dem Boot warf, obwohl Whyte nicht schwimmen konnte. "Am Ende lernte ich zu schwimmen."

Von der Kindheit in Jamaika zum "King of South London"

Sich Durchzubeißen ist eine Eigenschaft, die auch im Londoner Stadtteil Brixton gefragt ist. Viele Migranten aus karibischen Ländern wohnen hier in vielen grauen Betonklötzen. Die Gegend ist bekannt für eine hohe Kriminalitätsrate und Bandenkämpfe. Neben einer Garage mit heruntergekommenen und defekten Autos trainiert Whyte derzeit hier für den Kampf gegen Lucas Browne (Sa., ab 20 Uhr im ) .

Mit zwölf Jahren kam der selbsternannte "King of South London" hierher und folgte so seiner Mutter nach England. Die Lebenssituation besserte sich für Whyte allerdings durch den Umzug nicht. Schnell wurde er Teil der örtlichen Bandenbewegungen, wurde mehrmals angeschossen und mit Messern gestochen.

Whytes erster Kampf gegen Dauerrivale Anthony Joshua

Kurz nachdem er aufgrund mehrerer Straftaten einer langen Gefängnisstrafe nur knapp entrann, führte ein Freund Whyte ins Kickboxing ein. "Ich wusste, dass es meine einzige Chance im Leben ist", sagt Whyte heute. Diese Chance ergriff er mit Bravour. Fünf Jahre lang belegte der heute 29-Jährige Platz eins im Kickboxen in der Kategorie über 95kg und führte auch erste Kämpfe im Amateurboxen. In seinen ersten Kämpfen sorgte er vor allem deswegen für Aufsehen, da einer seiner Kontrahenten nach einem Schlag im Kampf mehrere Wochen im Koma lag.

Aus heutiger Sicht ist vor allem einer von Whytes damaligen Gegnern besonders interessant. 2009 traf er das erste Mal auf seinen großen Konkurrenten Anthony Joshua. Die beiden standen zu der Zeit noch am Anfang ihrer Boxkarrieren und lieferten sich in einer kleinen Halle in London einen Kampf über drei Runden. Am Ende des Kampfes gewann Whyte nach Punkten gegen den künftigen Superstar, der sich am 31. März mit Joseph Parker in einem Vereinigungskampf misst (live auf ).

Seite 2: Whyte als Profiboxer: Doping, Niederlage gegen Joshua, Umstellung des Trainings

Whyte wird wegen Doping zwei Jahre gesperrt

Im Jahr 2011 begann der "Body Snatcher" mit seiner professionellen Boxkarriere. Whyte errang neun Siege in Serie, bevor der Rückschlag folgte. Nach dem technischen K.o. gegen den Ungarn Sandor Balogh wurde Whyte des Dopings überführt. Der Brite hatte die unerlaubte Substanz Methylhexanamin eingenommen und wurde zwei Jahre lang von Oktober 2012 bis zum Oktober 2014 gesperrt.

Dem Erfolg tat die Pause aber keinen Abbruch. Nach der abgesessenen Sperre gewann Whyte das Comeback gegen den Kroaten Ante Verunica in Runde 2 durch technischen K.o., errang den WBC International-Silver-Heavyweight-Titel gegen Brian Minto und traf am 12.12.2015 zum zweiten Mal auf Anthony Joshua.

Dillian Whyte
Spitzname The Body Snatcher
Bilanz 22-1-0
K.o. 16
Größe 1,93 m
Gewicht 112 kg
Reichweite 198 cm
Alter 29
Nation Großbritannien
Stil Linksauslage

Whyte vs. Joshua - Der zweite Kampf

Im Vorfeld des Duells lieferten sich die Kontrahenten bereits heftige Wortgefechte und ließen den Worten einen spannenden Kampf folgen. Joshua dominierte zu Beginn, doch Whyte konnte einen starken Konter in der zweiten Runde landen und behielt auch in der nächsten Runde die Oberhand. AJ kam jedoch von nun an mit jeder Runde besser in den Kampf und verlor nach einem Uppercut in Runde 7 durch K.o. Joshua konnte sich für die Niederlage aus der Amateurzeit revanchieren, doch Whyte war bis dahin der Boxer, der AJ das Leben am schwersten machte.

Whyte ließ sich durch die Niederlage nicht entmutigen. Er unterzog sich einer Schulteroperation und stellte seine Ernährung um. Neben der Halle in Boxton ist das Fitnessangebot an der Loughborough University nun sein zweiter Trainingsort. Viele Olympia-Gewinner bereiten sich hier auf die Wettbewerbe vor. Bei seinem ersten Besuch bekam Whyte dort nach eigenen Angaben schnell die Grenzen der Experten aufgezeigt: "Physisch und mental bist du verglichen mit einem Olympioniken weit unten."

Das sagen die Joshua und Whyte zur Rivalität

Dillian Whyte

  • "Wenn ich und er im Ring stehen, ist es wie Krieg. Das weiß auch er."
  • "Ich denke, dass wir mindestens noch drei, vier Mal gegeneinander kämpfen werden"
  • "Das ist ein guter Kampf. Da liegt so viel Emotion, Wut und Ärger drin."

Anthony Joshua

  • "Er hat mich bei den Amateuren geschlagen und ich ihn bei den Profis. Eines Tages müssen wir das endgültig klären."
  • "Wir sind Rivalen im Ring. Er hat etwas, das ich will - seine Seele."
  • "Was ich von ihm will? Die meisten Leute werden es nicht verstehen. Aber ich will ihn einfach nur platt machen."

Auf dem Weg zum dritten Aufeinandertreffen der Rivalen

Wohl auch deshalb sollte der Kampf gegen Joshua bis zum jetzigen Zeitpunkt die einzige Niederlage in Whytes Profikarriere bleiben. Der "Body Snatcher" gewann neben mehreren unbedeutenderen Gegnern auch den Kampf gegen Dereck Chisora knapp nach Punkten. Whyte musste in dem Kampf nicht wie angeplant seinen British-Heavyweight-Titel verteidigen, da Chisora in der letzten Pressekonferenz vor dem Kampf am 7. Dezember 2016 einen Tisch in Richtung Whyte warf und die Promoter und Trainer nur knapp verfehlte.

Datum Gegner Ort Sieg durch
28.10.2017 Robert Helenius Principality Stadium, Cardiff UD
19.08.2017 Malcom Tann Pinnacle Bank Arena, Lincoln TKO
10.12.2016 Dereck Chisora Manchester Arena, Manchester SD
07.10.2016 Ian Lewison The SSE Hydro, Glasgow RTD
30.07.2016 David Allen First Direct Arena, Leeds UD

In seinem letzten Kampf am 15. Oktober 2017 gewann Whyte gegen Robert Helenius einstimmig nach Punkten zum zweiten Mal in seiner Karriere WBC-Silver-Heavyweight-Titel. Nun bereitet er sich in einer Trainingshalle in Brixton auf die Titelverteidigung gegen Lucas Browne vor. Damit er bald wieder die Chance hat gegen seinen großen Konkurrenten Anthony Joshua im Ring zu stehen kann.

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