Boxen: Box-Oldie Brähmer: Einer muss es ja machen

Jürgen Brähmer war Weltmeister, einer der besten Boxer seiner Generation. Vor dem Viertelfinale der neuen Ali-Trophy ist der 39-Jährige auch die größte deutsche Marke in einer kriselnden Sportart.

Jürgen Brähmer war Weltmeister, einer der besten Boxer seiner Generation. Vor dem Viertelfinale der neuen Ali-Trophy ist der 39-Jährige auch die größte deutsche Marke in einer kriselnden Sportart.

Schwerin/Berlin (SID) Jürgen Brähmer ist nicht mehr der beinharte Boxer von früher, jedenfalls nicht mehr ausschließlich. Mit 39 Jahren ist es Zeit, an die Zukunft zu denken. Kämpfen kann der Ex-Weltmeister noch immer, doch das allein ist dem Schweriner zu wenig.

Als Trainer sucht er die neue Elite. Die Fighter, die dem deutschen Boxsport gerade so sehr fehlen. Bis er sie gefunden hat, kommt Brähmer aber nicht umhin, selbst in den Ring zu steigen.

Das nächste Mal schon am Freitag. Dann boxt er in seiner Heimat im Viertelfinale (23.00 Uhr/Sky und ranfighting.de) der neuen Ali-Trophy gegen den US-Amerikaner Rob Brant. Bis zu sieben Millionen Euro winken dem Sieger des von Promoter Kalle Sauerland initiierten Turniers.

Neue Gewichtsklasse für Brähmer

Für Brähmer ist es aber vor allem der Weg zurück zu alter Stärke, hatte er doch vor über einem Jahr seinen WBA-Titel im Halbschwergewicht an den Briten Nathan Cleverly verloren. Um bei der Ali-Trophy zu starten, wechselte Brähmer nach zehn Jahren zurück ins leichtere Supermittelgewicht.

Der hierzulande nahezu völlig unbekannte und zwölf Jahre jüngere Brant ist Brähmers Eintrittskarte zurück ins Konzert der Großen. "Ich habe noch nie einen Gegner unterschätzt und bin bisher gut damit gefahren", sagt Brähmer.

Er ist trotz seines Alters der Favorit. Weil er boxerisch überzeugt. Prägende Figuren wie die Ex-Weltmeister Felix Sturm und Arthur Abraham hat er sportlich überlebt, über seine Knast-Vergangenheit ist alles gesagt. Und parallel stellt Brähmer die Weichen für die Zukunft.

"Wir haben so viel Potenzial in Deutschland, aber weil in der Förderung falsche Akzente gesetzt werden, bleibt leider vieles auf der Strecke", sagt Brähmer. Der Berliner Tyron Zeuge ist der einzige Deutsche, der derzeit einen Weltmeistergürtel tragen darf.

Geschafft hat er das dank Brähmer, der ihn seit dem Vorjahr als Trainer betreut und vergangenen November zum WBA-Titel führte. "Zu verfolgen, wie junge Sportler sich im Training reinhängen, zuhören, Dinge umsetzen und sich erfolgreich entwickeln, ist wirklich ein Geschenk", sagt Brähmer.

Brähmer bleibt Schwerin treu

Seiner Stadt Schwerin ist er immer verbunden geblieben. Er kaufte ein altes Wasserwerk am Medeweger See und baut es derzeit zu einem hochmodernen Trainingszentrum für seine Boxer um.

"Da ich mit meiner Familie in Schwerin lebe, hier verwurzelt bin, kam für mich ein anderer Standort nie in Frage", sagt Brähmer. Im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns hat sich Brähmer sein Nest geschaffen. Und nichts zieht ihn dort weg.

Dass der Kampf gegen Brant nun tatsächlich in Schwerin stattfindet, wo er bislang fünf seiner 51 Profikämpfe (48 Siege, drei Niederlagen) bestritten hat, freut Brähmer besonders: "Man merkt in der Stadt schon, dass sich die Menschen auf den Kampf und die Veranstaltung freuen. Die Erwartungshaltung ist natürlich groß", sagte Brähmer.

Immerhin ist der Lokalmatador noch immer die größte Marke im deutschen Boxsport.

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