Boxen: Abraham, Wegner und die letzte große Bühne

D

London.  Arthur Abraham stutzte kurz. Er hatte seinen Cheftrainer fragen wollen, ob er nach der Runde Schattenboxen nun die Fans, die das öffentliche Training am Themseufer besuchten, noch mit etwas Seilspringen unterhalten solle. Doch als er, einem normalen Reflex folgend, in die Ringecke schaute, war da niemand. Ulli Wegner hatte sich am Fuße des Rings hingekauert, eine Baseballkappe ins Gesicht gezogen. Er knurrte ein kurzes "Kannste machen", reichte seinem Boxer das Seil und ließ den 37-Jährigen tun, was dieser für richtig hielt.

Am Sonnabend (19.30 Uhr, Sky), wenn der Berliner Supermittelgewichtler in der SSE-Arena in Wembley gegen IBO-Weltmeister Chris Eubank junior (27) antritt, wird Wegner natürlich wieder in Abrahams Ecke sein. Und dennoch hatte die kurze Impression vom Anfang einen gewissen Symbolcharakter, denn die Zeit des Cheftrainers Wegner im Sauerland-Stall läuft ab.

Zwar hatte der 75 Jahre alte Kultcoach mit Stallgründer Wilfried Sauerland ein lebenslanges Engagement vereinbart. Doch im Zuge der Neuordnung des Geschäftsmodells, das Sauerlands Söhne Kalle und Nisse dahingehend verändern wollen, dass – wie in England oder den USA üblich – die Sportler ihre Trainer selbst suchen und vor allem bezahlen, ist beschlossen worden, dass Wegner nur noch bis Juni 2018 angestellt bleibt.

Abraham winkt die World Boxing Super Series

"Man muss ja auch vernünftig sein, irgendwann ist Schluss, auch wenn es mir sehr schwer fällt, daran zu denken", sagt Wegner. Seit einigen Jahren schon hat...

Lesen Sie hier weiter!