Bottas: Warum die Siegchancen besser sind als in Portimao

Norman Fischer
·Lesedauer: 3 Min.

Diesmal lief es andersherum als so häufig. Diesmal ließ sich Valtteri Bottas im Qualifying nicht noch von seinem Teamkollegen Lewis Hamilton abfangen. Stattdessen wendete er das Blatt mit seinem zweiten Versuch selbst noch einmal und schnappte dem Briten noch die Pole-Position in Imola weg.

Knapp eine Zehntelsekunde gab er Hamilton noch einmal mit, dabei war Bottas selbst mit seiner Runde eigentlich gar nicht so zufrieden: "Ich bezweifle, dass irgendjemand mit der wenigen Vorbereitung eine perfekte Runde hingelegt hat, aber es war genug", sagt der Finne, der nach dem ersten Q3-Versuch noch 31 Tausendstelsekunden im Rückstand lag.

"Es gab ein paar Stellen, an denen ich deutlich aufholen musste, und glücklicherweise konnte ich die meisten Verluste minimieren, während ich versucht habe, auf den Abschnitten noch besser zu sein, in denen ich eh schon gut war", sagt er.

Vor allem Kurve 2 ist ihm durch einige Verbremser negativ in Erinnerung geblieben, genau wie die letzten beiden Kurven, in denen er häufig zu spät gebremst habe. "Darum habe ich aus diesen Kurven heraus etwas Momentum verloren", sagt er. "Aber im letzten Versuch habe ich mich nicht zurückgehalten. Entweder du versuchst es, oder du fährst heim. Ich bin froh, dass es gut genug war."

Bekommt er die Reifen in den Griff?

Die große Frage ist: Kann Valtteri Bottas auch den Großen Preis von Emilia-Romagna morgen gewinnen? Samstag läuft es für den Finnen häufig recht gut, doch im Rennen muss der Mercedes-Pilot häufig seinem Teamkollegen Lewis Hamilton den Vortritt lassen. Als größter Unterschied gelten die Reifen, die Hamilton deutlich besser managen kann.

Im Qualifying steht Bottas Hamilton häufig aber in nichts nach: "Auf eine Runde ist er unheimlich schnell, und das sieht man jetzt auch wieder", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nach Bottas' Pole in Imola. Aber: "Im Rennen geht es auch ums Reifenverstehen und Reifeneinschätzen. Und ich glaube, da hat der Lewis einfach immer noch einen Vorsprung."

Das wurde auch in Portimao deutlich, als Bottas nach dem Start eigentlich die beste Ausgangsposition hatte, aber aufgrund der Reifensituation von Hamilton überholt wurde und ihm anschließend nicht mehr Paroli bieten konnte. Droht in Imola, wo die Reifen noch einmal eine Stufe weicher sind als zuletzt in Portugal, das gleiche Schicksal?

Vorteil: Imola "in gewisser Weise wie Monaco"

"Er muss jetzt die nächste Stufe gehen", sagt Wolff, sieht aber durchaus Möglichkeiten für seinen Schützling: "Hier ist das Überholen schwierig. Also wenn er sich breit machen kann und gut vom Start wegkommt, dann hat er Chancen zu gewinnen", sagt er.

In der Strecke sieht Bottas auch seinen großen Vorteil: "In gewisser Weise ist es wie Monaco", sagt er über die Überholprobleme in Imola. Und auch die strategischen Optionen sieht er als begrenzt an - auch wenn dank des fehlenden Freitags kaum Daten zur Verfügung stehen.

Zumindest hält er den Medium-Reifen am Start für die bessere Variante - die haben aber auch Hamilton und Max Verstappen aufgeschnallt. "Es gibt immer einen Grund, warum wir auf die Mediums setzen. Er ist der bessere Rennreifen, aber das werden wir sehen."

Sollte nichts wirklich Unvorhergesehenes passieren, wird Mercedes morgen den siebten Konstrukteurstitel in Folge eintüten. Wichtiger für Bottas persönlich dürfte aber sein, dass er Teamkollege Hamilton Paroli bieten kann.

"Er hat einen irrsinnigen Speed", lobt Toto Wolff. "Das hat er schon durch all die ganzen Juniorserien gezeigt, und kann das jetzt auch schon richtig gut umsetzen gegen den zweifellos besten Fahrer. Die nächste Stufe muss er jetzt im Rennen machen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.