Deshalb ist der Bosz-BVB noch nicht reif für Europa

Christoph Küppers
Peter Bosz verlor mit Borussia Dortmund auch sein zweites Champions-League-Spiel

Peter Bosz wollte gar keine Ausreden gelten lassen: Sichtlich enttäuscht saß Borussia Dortmunds Trainer am späten Dienstagabend auf dem Podest im Presseraum des Westfalenstadions. "Wir haben zurecht verloren, weil wir nicht auf unserem Niveau waren", bilanzierte der Niederländer.

Tatsächlich hatte sein Team zuvor vollkommen verdient gegen Real Madrid mit 1:3 verloren. Dabei war wenig vom furiosen Offensivfußball zu sehen, den die Borussia zuletzt in der Bundesliga zeigte. "Ich muss mir das Spiel noch einmal genau anschauen. Real war heute aber einfach besser", räumte Bosz ein.

Die deutliche Niederlage lässt die These zu, dass das Bosz-System international noch nicht voll konkurrenzfähig ist. Wie schon Tottenham Hotspur beim 3:1 vor zwei Wochen zeigte auch Real mit einfachen spielerischen Mitteln die Schwachstellen des BVB-Spiels auf.

SPORT1 erklärt, warum der BVB in der Bundesliga funktioniert, in der Champions League aber erneut seine Grenzen aufgezeigt bekam.

Das Pressing

Peter Bosz erwartet von seiner Mannschaft bekanntlich ein extremes Pressing - in allen Mannschaftsteilen. Das verlangt nicht nur ein hohes Maß an Laufarbeit und Konzentration, sondern auch eine Menge taktische Disziplin.


Doch vor allem diese ließ die Borussia in zu vielen Situationen vermissen. Mal fehlte hier ein Meter, dann übte dort ein Borusse zu wenig oder spät Druck auf den Ball aus. In der Bundesliga kann der BVB derart kleine Missgeschicke mit seinen starken Individualisten ausgleichen - gegen ein Spitzenteam wie Real fällt das schwer. "Wenn du gegen sie einen Schritt zu spät kommst, hast du ein Problem", gab Nuri Sahin nach dem Spiel zu. "Wir haben einfach keinen Zugriff bekommen."

Real nutzte die kleinen Dortmunder Nachlässigkeiten brutal aus und überspielte das suboptimale BVB-Pressing schnörkellos schnell. Der eingewechselte Julian Weigl: "Für uns war es sehr schwierig, sie im Ballbesitz zu pressen, weil sie so viele ballsichere Spieler haben."

Die Räume

Weil die Abstände im BVB-Spiel nur selten stimmten, offenbarte vor allem das Dortmunder Mittelfeld ungewohnt große Lücken. Zwar war vor allem Gonzalo Castro immer wieder bemüht, diese Löcher zu stopfen - alleine konnte der 30-Jährige aber wenig ausrichten.

Wie schon Tottenham vor zwei Wochen, kam Real mit einfachen (Diagonal-)Bällen simpel hinter die ersten beiden BVB-Angriffslinien. Durch schnelle Pässe in die Schnittstellen der Abwehr setzten die Königlichen dann die überforderte Dortmunder Viererkette unter Druck - exemplarisch etwa vor dem 0:2.


"Wenn man spielen will wie wir, sollten wir auch richtig Druck machen. Das sollte kein alleiniges Problem der Verteidigung sein, sondern der ganzen Mannschaft. Alle müssen vorher Druck auf den Ball ausüben. Sonst wird es hinten schwer", nahm Bosz sein ganzes Team in die Pflicht.

Das Tempo

Schwer tat sich der BVB außerdem im Umschaltspiel. Zwar brach Andrey Yarmolenko ein paar Mal auf seiner Seite durch, der Ukrainer vertändelte den Ball dann aber schnell.

Das lag vor allem daran, dass die spielerisch disziplinierte und tief stehende Real-Innenverteidigung - unterstützt durch Mittelfeldrenner Casemiro - den BVB-Angreifern wenig Platz bot, um das in der Bundesliga so gefährliche Tempo aufzunehmen. So erstickten Sergio Ramos und Co. gleich mehrfach aussichtsreise Angriffsbemühungen von Yarmolenko, aber auch Maximilian Philipp und Pierre-Emerick Aubameyang im Keim.

Die Chancenverwertung

Julian Weigl brachte es auf den Punkt: "Wir haben es nicht geschafft, uns mit unserem Ballbesitz klare Torchancen herauszuspielen und diese dann auch effizient zu nutzen. Wir waren einfach nicht kaltschnäuzig genug."


Das Thema Chancenverwertung schien für die BVB-Tormaschinerie in der Liga (19 Treffer) bislang ein Fremdwort. In der Champions League sieht das anders aus. Wie schon gegen Tottenham vergaben die Schwarzgelben auch gegen Real einige gute Gelegenheiten. Die Crux auch hier: Gegen solche Spitzenmannschaften muss der BVB seine wenigen Gelegenheiten nutzen.

Daran ändern auch Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern nichts: Nach dem fälschlicherweise aberkannten Treffer in London, verweigerte Referee Björn Kuipers dem BVB nun einen Handelfmeter. Peter Bosz kanzelt diese Szene aber ab: "Es war zwar ein klares Handspiel. Ich werde aber nicht anfangen, darüber zu reden, weil Real einfach besser war und verdient gewonnen hat."