Bosz ändert viel - aber nichts ändert sich

Christoph Küppers
Peter Bosz blickt in Dortmund weiter einer ungewissen Zukunft entgegen

So richtig zufrieden wirkte Peter Bosz nach dem 1:1 seines BVB in Leverkusen nicht.

"Wir können es viel besser, das haben wir zu Saisonbeginn gezeigt", sagte der Trainer von Borussia Dortmund bei SPORT1.

Nach einer Woche der "schonungslosen Analysen" (Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke) sollte das Gastspiel bei Bayer eigentlich den lang ersehnten Turnaround bringen. Trainer Bosz hatte dafür einmal mehr einige Dinge geändert, etwa zum ersten Mal seit Wochen seinen Mannen den freien Trainingstag gestrichen.

Einmal mehr brachten Bosz' neue Ideen aber keinen Erfolg. Gegen zehn Leverkusener präsentierte sich der BVB insgesamt ideenlos und uninspiriert.

Hinzu kam für die Dortmunder auch noch Verletzungspech: Maximilian Philipp und Gonzalo Castro mussten vorzeitig vom Platz und werden wohl länger ausfallen.

Personelle Neuausrichtung

Bosz reagierte in Leverkusen auf die anhaltende Kritik bezüglich fehlender Leader in seiner Mannschaft. Neben Keeper Roman Bürki kehrte auch der frühere Führungsspieler und Publikumsliebling Neven Subotic ins Team zurück.

Der Innenverteidiger sollte der schwächelnden BVB-Defensive Halt geben. Aber: Nicht nur vor dem 0:1, als er den Ball nicht konsequent klärte, wirkte Subotic unsicher.


Zur Ehrenrettung des 28-Jährigen, der überhaupt erst zum zweiten Mal dieser Saison auflaufen durfte, sei erwähnt: Auch seine Nebenmänner Sokratis und Schmelzer erwischten keinen glücklichen Tag.

Könnte auch daran liegen, dass Peter Bosz mit dieser Dreierkette bereits die 15. Abwehrformation im 21. Spiel aufbot. Einspielen unmöglich!

Die Systemfrage

Lange Zeit undenkbar, ließ Bosz sein Team zum zweiten Mal statt in seinem bevorzugten 4-3-3 in einem 3-4-3-System auflaufen, das bei gegnerischen Angriffen zum defensiven 5-4-1 wurde.

In der vergangenen Woche wurde noch einmal intensiv daran gearbeitet, wie Torwart Bürki im Gespräch mit SPORT1 erklärte: "Wir konnten viel und auch intensiv taktisch arbeiten. In der zweiten Hälfte haben wir dann auch gezeigt, dass wir laufen und den Gegner hinten rein drängen können."


Wirklichen Druck oder ein Chancenplus wussten die uninspirierten BVB-Angreifer gegen zehn Gegner aber nicht zu erzeugen. Viele Gelegenheiten entsprangen dem Zufall, in allen drei Mannschaftsteilen stimmten Abstände und Tempo nicht.

Die größte Baustelle neben der chaotischen Abwehr: das zentrale Mittelfeld. Wie schon in Durchgang zwei gegen Schalke präsentierten sich Nuri Sahin und Julian Weigl ideenlos und zu langsam in Spielaufbau und beidseitigem Umschaltspiel.

Nach dem zweiten schlechten Zusammenspiel der beiden drängt sich die Erkenntnis auf: Diese zwei - sehr ähnlichen - Spielertypen passen zusammen nicht ins Bosz-System.

Selbstvertrauen

Gar keine Fortschritte gibt es bei der drängendsten BVB-Schwachstelle: dem fast nicht mehr existenten Selbstvertrauen des Teams.

Auch die angedachte "Reset-Woche" zeigte keine Wirkung - im Gegenteil. Vor allem in Hälfte eins floppte Schwarzgelb mit aberwitzigen Ballverlusten, einem kaum existierenden Aufbauspiel und pomadigen Zweikämpfen.

Bosz erklärte nach Spielschluss bei SPORT1: "Wir arbeiten mit jungen Menschen zusammen, die auch den Druck spüren. Vielleicht haben wir auch deshalb ein bisschen ängstlich angefangen. Ich verstehe das, aber es darf nicht so sein."

Er müsse nun das Selbstvertrauen seiner Spieler stärken, um wieder in die Spur zu kommen, meinte der Trainer.

Das hätte Bosz allerdings schon längst tun müssen. Einen Mentaltrainer, der kollektiv mit der Mannschaft arbeitet, lehnt der Niederländer nach SPORT1-Informationen weiter ab. Individuell steht den Spielern jedoch frei, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Zwar sicherte Manager Michael Zorc dem Trainer noch in Leverkusen seine Unterstützung zu - die Maßnahmen des Niederländers müssen vor der Mammutaufgabe am Mittwoch (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) bei Real Madrid jetzt aber schleunigst greifen.