Wirbel um Blockade für Hamilton

Stefan Schnürle

59 Punkte Vorsprung in der Fahrerwertung, 145 Punkte in der Teamwertung: Die Stimmung bei Mercedes könnte nach dem Rennen in Suzuka kaum besser sein.

Doch eine Aktion trübte für viele Zuschauer das perfekte Bild, das die Silberpfeile an diesem Tag abgaben: Die Blockade von Valtteri Bottas zugunsten des WM-Spitzenreiters Lewis Hamilton.

Denn Hamilton erhielt nicht nur kurz vor Ende Schützenhilfe von Fernando Alonso und Felipe Massa, sondern auch bereits gegen Rennmitte von seinem Teamkollegen Valtteri Bottas.

Bottas hält Verstappen auf 

Nachdem der in Führung liegende Hamilton und der Zweitplatzierte Max Verstappen ihren Boxenstopp absolviert hatten, kamen beide einige Sekunden hinter Bottas wieder auf die Strecke, der noch mit alten Reifen unterwegs war.


Hamilton holte schnell auf Bottas auf, während sich Verstappen zeitgleich immer mehr an den Briten heransaugte. Bottas machte dann brav Platz für Hamilton und hielt Verstappen drei Runden lang auf, ehe er in die Boxengasse einbog.

Verboten ist dies natürlich nicht, da Bottas das Recht hatte, seinen Platz zu verteidigen – doch viele Zuschauer und Experten fragen sich, ob dieses Blockade-Manöver nach dem Aus des WM-Rivalen Sebastian Vettel wirklich noch nötig war?

Lauda gibt Blockade-Manöver zu

Aber war es denn überhaupt eine absichtliche Blockade? Darüber sind sich die Mercedes-Bosse kurioserweise uneinig.

So gab Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda einen Hintergedanken bei dieser Aktion bei Sky offen zu: "Warum soll man nicht, wenn man kann? Er ist ein Teamplayer, mehr war eh nicht drin für ihn. Wir haben alle alles richtig gemacht, muss man an diesem Wochenende sagen." 


Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sah das jedoch völlig anders und widersprach seinem Kollegen vehement.

"Er hat den Bremsklotz nicht reingetan. Ich glaube, wir waren unser eigener größter Bremsklotz. Der Lewis ist relativ lange hinter Valtteri hergefahren und hat dabei Reifentemperatur und Grip verloren. Das hat den Max aufholen lassen", sagte Wolff bei RTL.

Zahlen belegen: Auch Hamilton aufgehalten

Wirft man einen Blick auf die Zahlen, ist die Argumentationskette von Wolff durchaus schlüssig. Hamilton befand sich bereits in Runde 25 im kritischen Zwei-Sekunden-Fenster, in denen gerade der empfindliche Mercedes Abtrieb verliert und die Reifen stärker beansprucht werden.

Erst drei Runden später kam es schließlich zum Überholmanöver von Hamilton. Genauso lang musste Verstappen auch hinter Bottas herfahren, ehe Hamiltons Puffer in die Boxengasse abbog.

Das Opfer der Aktion von Mercedes, Verstappen, sah die Aktion jedenfalls entspannt und fand die Silberpfeile sogar noch zu nett: "Das war clever. Ich würde genau dasselbe machen. Ich hätte mich sogar noch mehr geblockt."