Boschs Batteriepläne beweisen, dass Elektro teuer wird

Marlon Bonazzi, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Nur langsam fängt man in Deutschland an zu akzeptieren, dass der Bau von Elektroautos in großen Stückzahlen auch jede Menge Batterien benötigen wird.

Bosch zeigte nun auf, wie erste mutige Schritte aussehen könnten und erinnert gleichzeitig daran, wie zaghaft die deutschen Industrieunternehmen noch an das Thema herangehen.

Es müssten 20 Milliarden Euro investiert werden

Man kann Bosch nicht vorwerfen, dass sie sich dem Thema Elektromobilität verweigern. Immerhin haben sie in den letzten Jahren sowohl ihre Kenntnisse vertieft, als auch an einigen Innovationen getüftelt. So hat das Unternehmen beispielsweise einen komplett neuen Elektromotor entwickelt, der weniger komplex und zugleich effizienter als die bisher gängigen Motoren ist.

Die Entscheidung, ob Bosch nun auch Batterien in großem Stil selbst herstellen will, haben die Stuttgarter immer noch nicht getroffen. Eigentlich hieß es Anfang 2017, dass noch in diesem Jahr diesbezüglich eine Entscheidung getroffen werden soll, mittlerweile hat man das Treffen der Entscheidung aber auf 2018 verschoben. Bosch-Chef Volkmar Denner sagte dazu dem Handelsblatt: „Wir lassen uns nicht treiben. Bei einer so wichtigen Entscheidung muss man sich die nötige Zeit nehmen.“

In Anbetracht der kalkulierten Summe ist das durchaus verständlich. Bosch rechnet mit einer notwendigen Investitionssumme in Höhe von 20 Mrd. Euro. Das könnte Bosch zwar stemmen, ist aber immerhin mehr als der Börsenwert vieler DAX-Unternehmen. Mit diesen Investitionen geht Bosch davon aus, eine jährliche Kapazität in Höhe von 200 Gigawattstunden aufbauen zu können, womit nach den Prognosen des Unternehmens im Jahr 2030 ein Marktanteil in Höhe von 20 % erreicht werden würde.

Die Gigafactory des amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla (WKN:A1CX3T) soll ab 2020 eine jährliche Kapazität in Höhe von 35 Gigawattstunden erreichen.

Auch BMW, Daimler und VW zögern

Die deutschen Premiumhersteller BMW (WKN:519000) und Daimler (WKN:710000) planen in den nächsten Jahren einen massiven Ausbau ihrer Elektro-Produktpalette, sowie dementsprechend auch stark steigenden Absatz von Elektroautos. Anders als beim Motorbau, gibt man sich aber bisher damit zufrieden, die Batterien von den führenden asiatischen Herstellern zu beziehen.

Daimler baut zwar gerade Batteriefertigungskapazitäten in Sachsen auf, hier muss man aber genauer hinsehen. Denn auch diese Batteriefertigung ist darauf angewiesen, die Batteriezellen aus Asien zu importieren. Das heißt, dass man das Herz der Batterie nicht selbst herstellt. Daimlers Batteriefabriken sind also nicht ganz so mutige Schritte, wie es die Schlagzeilen auf den ersten Blick vermuten lassen.

Noch vor kurzem schien es so, als würde auch VW (WKN:766400) trotz ambitionierter Elektro-Pläne auf eine eigene Zellenfertigung gerne verzichten. In dieser Woche gab es aber den Startschuss, den Standort Salzgitter zu einem vollen Produktionszentrum für Batterien auszubauen. Dafür wurde eigens der Batterie-Experte Frank Blome von Daimler abgeworben.

Im nächsten Jahr soll dort die Fertigung im Labor starten und ab 2020 dann die Pilotproduktion folgen. Damit wäre VW der erste deutsche Industriegigant, der sich voll und ganz einer eigenen Batterieproduktion widmet.

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