Bosch soll sich an Absprachen beteiligt haben

Auch der Zulieferer Bosch soll Medienberichten zufolge Teil des mutmaßlichen Auto-Kartells sein. Bosch-Chef Denner gab sich in einem Interview jedoch ahnungslos: Er will von den Vorwürfen aus der Zeitung erfahren haben.


Auch der Zulieferer Bosch soll sich Medienberichten zufolge an mutmaßlich illegalen Absprachen deutscher Autokonzerne beteiligt haben. Laut „Spiegel“ taucht der Name des Konzerns in einem Schriftsatz an das Bundeskartellamt auf, in dem Volkswagen Fälle von möglichen Wettbewerbsverstößen dokumentiert. Er soll den Autobauern geholfen haben, eine „Dosierstrategie“ für die Abgasreinigung bei Diesel-Fahrzeugen zu entwickeln.

Bosch-Chef Volkmar Denner sagte der „Welt am Sonntag“, er habe von dem mutmaßlichen Kartell erst durch Medienberichte erfahren: „Wir kennen den Vorgang bislang nur aus der Berichterstattung“, sagte Denner der Zeitung. Auf die Frage, ob auch Bosch an Geheim-Absprachen beteiligt gewesen sei, sagte der Manager: „Es liegen uns diesbezüglich keinerlei Anfragen von deutschen oder europäischen Wettbewerbsbehörden vor. Da uns keine Details zu den untersuchten Sachverhalten bekannt sind, können wir uns auch nicht dazu äußern.“ 

Wie die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf interne Unterlagen berichtet, sollen die Autobauer in einer gemeinsamen Sitzung von Schwierigkeiten mit Ablagerungen der Harnstofflösung AdBlue und möglichen Lösungen berichtet haben. Sie seien zwar effektiv gewesen, aber mit hohem Aufwand verbunden. Bosch habe dann eine „kleinere Maßnahme zum Anlauf“ vorgeschlagen, von der aber noch unklar sei, ob sie womöglich die Reinigungswirkung verringere.


Die EU-Kommission prüft derzeit Informationen, wonach sich VW, BMW, Daimler, Audi und Porsche unter anderem in technischen Fragen und teilweise beim Einkauf abgesprochen haben sollen. Die Kartellwächter müssen jetzt entscheiden, ob diese Absprachen illegal waren.

Laut „Spiegel“ hielt ein VW-Manager nach einem Treffen mit Vertretern von Daimler, BMW, Audi und Bosch im Oktober 2006 unter Bezug auf die AdBlue-Einspritzung fest: „Alle wollen eine Limitierung [...] wegen der begrenzten Größe der Harnstofftanks. Keiner will die wahre Motivation dieser Limitierung den Behörden (CARB, EPA) berichten.“ CARB und EPA sind US-Umweltbehörden.

Die „BamS“ zitiert aus einer E-Mail aus dem Jahr 2008 an damalige Audi-Manager. Darin heiße es, dass die Teilnehmer der Sitzung bestätigt hätten, „diese Thematik in keiner Form gegenüber den US-Behörden EPA und CARB zu erwähnen, um den Anlauf in den USA nicht zu gefährden“.


Die Entdeckung einer Abschalt-Software, die die Abgasreinigung im Normalbetrieb der Fahrzeuge stark reduziert, hatte in den USA den Diesel-Skandal bei Volkswagen ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat drei Beschäftigte des Konzerns im Visier. Gegen sie wurde ein Verfahren wegen des Anfangsverdachts der Beihilfe zum Betrug bei einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an VW-Fahrzeugen eingeleitet. Bosch macht als einer der weltweit wichtigsten Autozulieferer unter anderem mit seiner Dieseltechnik viel Geschäft.

Auch im Fall Daimler ermittelt die Staatsanwaltschaft weiterhin gegen unbekannte Bosch-Mitarbeiter. Bosch droht zudem ein drittes Verfahren – in Bezug auf den Autobauer Fiat prüft die Staatsanwaltschaft, ob auch hier ein Anfangsverdacht besteht. Zudem gebe es Vorermittlungen gegen Mitarbeiter des Sportwagenbauers Porsche AG wegen möglicher Beihilfe zum Abgasbetrug.