Borrell: Kann Kritiker von Waffenlieferungen nicht verstehen

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat Waffenlieferungen an die von Russland angegriffene Ukraine vehement verteidigt. Er verstehe die Leute nicht, die in Waffenlieferungen vor allem eine Verlängerung des Krieges sähen. "Ich frage diese Leute: Spielt es keine Rolle, wie dieser Krieg endet? Sollen die Ukrainer auf den Knien rutschen, in Stücke gerissen von den Russen? Ist es das, was ihr wollt?", sagte Borrell der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch). "Sehen Sie, Kriege enden mit einer Verhandlung. Man muss aber aus einer Position der Stärke an den Verhandlungstisch kommen, und es geht jetzt darum, die Ukrainer in diese Position zu bringen."

Dass die EU bei solchen Verhandlungen eine Vermittlerrolle einnehmen könnte, schloss Borrell aus. "Das würden die Russen nicht akzeptieren, so wie wir Russland nicht als Vermittler akzeptieren würden", sagte der 75-Jährige. "Die Türkei macht da einen ganz guten Job. Die hat gute Beziehungen zu beiden Seiten. Am besten wären natürlich die Vereinten Nationen", sagte Borrell. Die Türkei war zuletzt bereits als Vermittler in dem Konflikt aktiv geworden.

Borrell kritisierte, dass die EU bei vielen Entscheidungen auf die Einstimmigkeit der Mitgliedstaaten angewiesen ist. "Das Vetorecht hat mit sechs Mitgliedern funktioniert, aber nicht heute mit 27 und nicht morgen mit vielleicht 33 Ländern. Das ist immer schwieriger."

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