"Boris Becker - Der Spieler": Das zeigt die neue Doku

redaktion@spot-on-news.de (jic/spot)
1 / 2

"Boris Becker - Der Spieler": Das zeigt die neue Doku

"Der Spieler" soll laut Titel in dieser Doku im Vordergrund stehen, doch es geht wie immer um das Gesamtpaket Boris Becker. Denn nur an Tennis denkt bei seinem Namen niemand. Und so nutzt Becker selbst den Film, um ein paar Dinge klarzustellen.

Zum runden Geburtstag widmet die ARD Tennis-Legende Boris Becker, der am Mittwoch 50 Jahre alt wird, die seltene Ehre einer Dokumentation zur Primetime (am 20.11. um 20:15 Uhr im Ersten). Darin kommen unter anderem sein langjähriger Manager Ion Tiriac (78), sein Trainer Günther Bosch (80), seine Frau Lilly (41) und seine Ex-Frau Barbara Becker (51) zu Wort. Der Titel der Doku verrät bereits, worum es gehen soll: Um den Spieler Becker, die Tennislegende Becker - den Becker, der als German Wunderkind in Wimbledon zum Superstar avancierte und eine Bilderbuchkarriere hinlegte. Und trotzdem wirkt der 90-minütige Film über weite Strecken erstaunlich defensiv.

"Ich bin nicht euer Boris"

Denn wenn Becker klarstellt: "Ich bin nicht euer Boris", meint er damit nicht nur die vergangenen Jahre, in denen es wegen Besenkammeraffäre - die ein verkrampfter Boris und eine sich windende Barbara nicht länger behandeln, als sie wohl gedauert hat - und Rätselraten um seine Finanzen Hohn und Spott hagelte, sondern auch die Zeit, als er noch Heldenstatus hatte. Als vom Bundespräsidenten bis zum Papst sich alle mit dem großen, blonden Wimbledon-Wunderkind schmücken wollten. Als wir Boris noch als unseren Bobbele sahen.

Das hat schon kurz nach seinem größten Triumph 1985, als er mit 17 Jahren seinen ersten Grand-Slam-Titel gewann, nicht gestimmt. "Da ist das Missverständnis entstanden, bis heute. Dass ich für Deutschland gewonnen habe oder zumindest zu spielen habe." So selbstbestimmt solche Worte klingen, so borniert wirken die nächsten: "Ich bin jetzt erwachsen, und das erlaubt man mir kaum."

Die Finanz-Frage kommt zur Sprache

Becker hat noch mehr Dinge klarzustellen. Wie die meisten Porträts berühmter Persönlichkeiten ist "Boris Becker - Der Spieler" nostalgisch, informativ und über weite Strecken kalkuliert inszeniert. Und, da Beckers 50. Geburtstag eben auch auf die große Diskussion um seine Finanzen folgt, stehen Fragen im Raum, die der Film kaum umgehen kann. Auch hier nutzt Becker die Gelegenheit, sich zu erklären, und seinem Unmut über die Presse Luft zu machen.

Er sei weder pleite noch zahlungsunfähig, es gehe lediglich um einen Gläubiger - eine englische Privatbank - und eine Schuld. Genauer gesagt um "die horrenden Zinsen", die jene Bank von ihm verlange, wie Becker erklärt. Auch der Rechtsstreit mit dem ehemaligen Geschäftspartner Hans-Dieter Cleven kommt zur Sprache, und der Medienrummel, der um Beckers finanzielle Lage entstand. Hier wird Becker wütend, spricht von "Rufmord" und "versuchtem Totschlag" an seinem Lebenswerk.

Viel Neues über den Menschen Boris gibt es nicht

Als erzählerischer Rahmen für diese Skandale dient hier die Familie. Boris Becker, wie er die Familie in der schwierigen Zeit zusammenhält, Lilly, die betont, wie viel stärker sie aus diesen Widrigkeiten hervorgehen. Dass möglicherweise eine ganz andere Geschichte von Beckers Leben seit dem Ende seiner Spielerkarriere erzählt werden sollte, lässt sich nur erahnen. Zu Beginn sehen wir ihn noch als Trainer von Novak Djokovic (30) - eine Erfolgsstory für sich, die einer jüngeren Generation zeigte, was Becker im Tennis leisten kann, auch am Rande des Platzes. Doch während der Dreharbeiten trennen sich die Wege der beiden, ein sichtlich schwieriges Kapitel für Becker.

Vielleicht steht deswegen die Familie so sehr im Vordergrund, denn auf kaum etwas ist Becker stolzer. Doch wie so oft, wenn Privates der Öffentlichkeit präsentiert wird, mutet dieser Teil des Films besonders künstlich an. Übrig bleibt also eine klassische, solide und deswegen auch ein Stück weit unspektakuläre Sportler-Doku. Doch gerade weil es oft in Vergessenheit gerät, hat Becker es sich verdient, dass man an seine größten Erfolge erinnert. Der Rest landet schnell genug wieder in den Schlagzeilen.

Foto(s): SWR, SWR