Bond-Optimist Major sieht jetzt gut aus mit 1%-Rendite-Prognose

·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Steven Major ist seit langem als Bulle am Rentenmarkt bekannt. Diesem Ruf macht er derzeit alle Ehre.

Seit Monaten ist der Veteran der HSBC Holdings Plc ein einsamer Rufer in der Wüste mit seiner Prognose einer 1%-Rendite für US Treasuries bis Jahresende, mit der sich der Markt erst langsam anzufreunden beginnt. Nur wenige sind so bullish – die Median-Prognose von Majors Kollegen liegt bei 1,8% und es gibt mehr als ein Dutzend, die 2% oder mehr sehen.

“Wir prognostizieren nicht 1%, nur um Aufmerksamkeit zu erregen”, sagt der 57-jährige Major in Hongkong in einem Telefoninterview. “Wir fragen uns, woher die 2%-Prognosen kommen - zu unseren Modellen passen sie nicht.”

Der weitere Verlauf der US-Renditen ist von zentraler Bedeutung für eine Frage, die derzeit die Märkte beschäftigt: nämlich ob die Anzeichen einer sich beschleunigenden Inflation vorübergehend oder dauerhaft sind und wie die Zentralbanken während der Konjunkturerholung nach Covid auf den Preisdruck reagieren werden. Major meint, die positivsten Zeichen einer Erholung könnten bereits hinter uns liegen, da das Wiederaufleben von Coronavirus-Infektionen die Aussichten trübt.

“Ich halte es für wahrscheinlich, dass man den Verlust der Dynamik in der Erholung und in den Daten sehen wird”, so Major. “Die Stimmungsindikatoren könnten ihren Höhepunkt überschritten haben. Es gibt sehr viele Nachrichten zu Covid und wie es sich auf das Wachstum auswirken könnte. Das ist derzeit das Narrativ.”

Konjunkturängste sind in dieser Woche greifbar und Anleihe-Renditen im Sinkflug, während die erneute Ausbreitung des Virus rosige Wirtschaftsprognosen in Frage stellt. Die Benchmark-Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen notierte am Dienstag bei 1,14% und weitete damit ihren Rückgang gegenüber dem 14-Monats-Hoch vom März auf 63 Basispunkte aus. Und plötzlich sehen 1% nicht unerreichbar aus und die Prognose gewinnt neue Anhänger.

Majors Hauptargument ist, dass die Notenbanken wegen der massiv gestiegenen Staatsschulden die Zinsen nicht in die Höhe treiben können. Hinzu kommen andere, strukturelle Faktoren wie Demografie und Technologie, die er für deflationär hält.

‘Klein beigeben’

Die Marktbewegungen dieser Woche bestätigen Major, der Anfang des Jahres drauf und dran war “klein beizugeben”, als die Renditen von Staatsanleihen in die Höhe schossen. Doch auch seine aktualisierte Prognose blieb die niedrigste im Markt, und im März blieb er trotz weiter steigender Renditen dabei.

Mit 35 Jahren Erfahrung im Rentenmarkt sagt Major, es sei wichtiger, den Kunden den richtigen Rahmen für ihre Arbeit zu geben, als mit seinen Vorhersagen genau zu treffen. Der Ansatz hat ihm in zwei Jahrzehnten bei HSBC geholfen, auf die richtigen Trends zu setzen. Im Jahr 2012 prognostizierte er korrekt, dass die Rendite zweijähriger spanischer Anleihen nach Mario Draghis “Whatever it takes”-Rede von 6% auf 2% fallen würde.

2014 sorgte er für Aufsehen mit der Prognose, dass die Rendite der deutschen Bundesanleihen auf 1% sinken würde, weit unter dem Marktkonsens. Auch damals gehörte er zu den optimistischsten Marktstimmen.

“Wir bekommen oft zu hören, dass die Leute es mögen, dass wir einen Rahmen haben, und dass wir konsistent sind”, sagt Major. “Wir leben in einer Welt voll großer Unsicherheit. Wenn wir Angst hätten, falsch zu liegen, könnten wir unseren Job nicht machen.“

Überschrift des Artikels im Original:Bond Bull Major’s 1% Yield View Is Suddenly Looking Prescient

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©2021 Bloomberg L.P.

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