Bolsonaro bezichtigt Umfrageinstitute vor Präsidentschaftswahl der Lüge

Wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat Amtsinhaber Jair Bolsonaro Umfrageinstituten vorgeworfen, gefälschte Werte zu verbreiten. "Die Umfragen lügen", sagte Bolsonaro am Mittwoch bei einer Kundgebung vor Anhängern anlässlich des brasilianischen Unabhängigkeitstags in der Hauptstadt Brasilia. Aktuellen Zahlen des Instituts Datafolha zufolge kann der rechtsextreme Bolsonaro bei der Wahl am 2. Oktober nur mit 32 Prozent der Stimmen rechnen - und liegt somit weit hinter seinem Konkurrenten, dem linken Ex-Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva mit 45 Prozent.

"Hier ist nicht die Datafolha", sagte Bolsonaro in Brasilia unter Verweis auf das Umfrage-Institut, das gewöhnlich als Messlatte für die Wahlchancen angesehen wird. "Hier ist die Data des Volkes, hier herrscht die Wahrheit." Bolsonaro versuchte am Unabhängigkeitstag, der diesmal 200 Jahre Unabhängigkeit Brasiliens von der früheren Kolonialmacht Portugal markierte, seine Stellung mit Militärparaden in Brasilia und später in der Küstenmetropole Rio de Janeiro zu stärken.

Nach einer Parade von Soldaten, Panzern und Traktoren hielt Bolsonaro in der Hauptstadt eine aufstachelnde Rede vor zehntausenden seiner Anhänger, die in grün-gelber Kleidung erschienen waren. Bolsonaro bezeichnete den Wahlkampf vor der Präsidentschaftswahl als "Schlachtfeld gegen das Böse". "Sie werden nicht zum Ort des Verbrechens zurückkehren", sagte Bolsonaro unter Bezug auf das Korruptionsverfahren gegen Lula, der von 2003 bis 2010 an der Spitze des Landes stand.

Lula hatte zwischen April 2018 und November 2019 nach einer Verurteilung wegen Korruptionsvorwürfen in Haft gesessen. 2021 erhielt er aber sämtliche politischen Rechte zurück, nachdem der Oberste Gerichtshof Brasiliens die Urteile gegen ihn wegen fehlender Zuständigkeit des Gerichts annulliert hatte.

Eine Gruppe von Bolsonaro-Unterstützern sammelte am Unabhängigkeitstag Spenden unter anderem aus dem Landwirtschaftssektor. Das Lager des Amtsinhabers war auch auf Online-Netzwerken sehr aktiv.

Sein Konkurrent Lula wollte sich am Mittwoch offenbar zurückhalten, er setzte aber für Donnerstag Kundgebungen an. Am Freitag will er sich mit Vertretern evangelikaler Christen treffen, einer Wählergruppe, die ein erhebliches Gewicht hat.

ao/se