Länger als 2018? Boatengs Plädoyer für Heynckes

Martin Volkmar, Stefan Kumberger

Dass Jerome Boateng den FC Bayern in Anderlecht als Kapitän zum Erfolg führte, war gleich aus mehreren Gründen kein Anlass zur Freude.

Denn der Nationalspieler übernahm die Binde nur deshalb nach 47 Minuten von Arjen Robben, weil der Niederländer wegen einer Muskelverletzung ausgewechselt werden musste.

Doch während Robben vermutlich nur kurz ausfallen wird, erwischte es den noch vor der Pause wegen einer Muskelverletzung ausgewechselten Thiago wesentlich schlimmer: Laut Sportdirektor Hasan Salihamidzic droht dem Spanier eine mehrmonatige Pause.


Boatengs Stimmung trübte allerdings auch die Leistung der Münchner, obwohl der Rekordmeister seine Erfolgsserie unter Jupp Heynckes auf neun Siege in Folge ausbauen konnte.

Das 2:1 beim belgischen Tabellenführer war äußerst glücklich, vor allem in der ersten Hälfte enttäuschten die Bayern auf ganzer Linie.

Entsprechend kritisch bewertete Boateng den Auftritt im Gespräch mit SPORT1. Weit positiver sieht er dagegen die Arbeit unter Heynckes, weshalb er sich im Namen der Mannschaft für eine Vertragsverlängerung mit dem Routinier ausspricht.

SPORT1: Wie bewerten Sie das Spiel und die Leistung?

Jerome Boateng: In der ersten Halbzeit hat jeder gesehen, dass wir ganz schlecht gespielt haben. Ich glaube, dass war das schlechteste Spiel seit langem. Wir haben die Platzverhältnisse nicht angenommen, viel zu viele Fehler gemacht, waren nicht aggressiv und standen zu weit auseinander. Da muss sich jeder Einzelne hinterfragen, was das für eine Halbzeit war. Wir konnten uns bei Sven Ulreich bedanken, dass wir nicht zurückliegen. Die zweite Halbzeit haben wir besser gespielt, aber in den letzten Minuten war es wieder das Gleiche wie in der ersten Halbzeit.

SPORT1: Haben Sie eine Erklärung dafür? Lag es an den vielen Umstellungen?

Boateng: Nein, an der Einstellung zum Spiel. Wir waren nicht konzentriert genug. Wir wussten, dass der Platz nicht gut ist. Wir haben zu schnell die Bälle verloren und zu viele einfache Fehler gemacht.


SPORT1: Ist Anderlecht auch zu hart eingestiegen? Sie haben sich darüber beim Schiedsrichter beschwert und dafür die Gelbe Karte bekommen.

Boateng: Es waren halt viele Fouls. Nicht unbedingt überhart, aber ein paar, wo man Gelb geben kann. Und wenn man sich dann mal beschwert, denn Lewy liegt ja nicht ohne Grund am Boden, und dann sofort Gelb bekommt, dann passt das irgendwie zum Spiel heute.

SPORT1: Wie war die Stimmung in der Kabine nach den Ausfällen? Wissen Sie schon mehr?

Boateng: Ich bin kein Arzt, aber bei Thiago sieht es nicht so gut aus. Bei den anderen ist es nicht so schlimm.


SPORT1: Sie haben jetzt zwei Tage zusammen Zeit, um sich auf das Spiel in Mönchengladbach vorzubereiten. Wie wichtig ist das?

Boateng: Das ist sehr wichtig. Wir haben heute kein gutes Spiel gemacht. Deshalb ist es gut, dass wir nochmal länger zusammen sind und sehr kritisch mit der Leistung umgehen. Am Samstag ist es natürlich ein ganz anderer Gegner. Da müssen wir ganz anders auftreten, sonst wird es sehr schwer.

SPORT1: Es gibt Forderungen, dass Jupp Heynckes noch ein Jahr länger bleiben soll. Was ist Ihre Meinung dazu?

Boateng: Ich glaube, die ganze Mannschaft hat diese Meinung. Wir würden uns alle freuen. Aber wir wissen auch, dass es seine Entscheidung ist. Er ist kurzfristig eingesprungen und macht das bis jetzt unglaublich toll, wie er uns führt. Heute haben wir natürlich als Mannschaft und auch seine Ansprüche enttäuscht.