BMW nimmt Anleihen bei Apple mit radikaler Innenraum-Gestaltung

(Bloomberg) -- Den neuesten Prototyp der BMW AG könnte man auch für ein Testmodell eines künftigen Apple-Autos halten: Es gibt keine Knöpfe und Schalter mehr, dafür aber ein superschickes Interieur, in dem die Windschutzscheibe als riesiges sprachgesteuertes Display fungiert.

Teile der in dem Konzeptfahrzeug i Vision Dee verbauten Technologien werden laut Konzernchef Oliver Zipse bereits 2025 verfügbar sein. Das auf der diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas ausgestellte Fahrzeug nutzt zwar das Spracherkennungs-Know-how von Amazon.com, verfügt aber über eine Software, die größtenteils von BMW entwickelt wurde, um Tech-Giganten auszusperren.

“Wir müssen sehr wachsam sein, um keine Daten wegzugeben”, sagte Zipse bei einer Veranstaltung in München zur Vorstellung des i Vision Dee. “Unser Auto wird sich nahtlos in Ihr digitales Leben integrieren und ein echter Fahrbegleiter werden.”

Auch wenn Apple sein streng geheimes Autoprojekt auf das Jahr 2026 verschoben hat, bleibt der erwartete Vorstoß des iPhone-Herstellers in den Automarkt eine große Unbekannte. Die etablierten Autoschmieden kämpfen immer noch mit der Integration komplexer digitaler Dienste.

Softwareverzögerungen bei Elektroautos haben den Volkswagen-Chef im vergangenen Jahr den Job gekostet. Einfrierende Bildschirme und ruckelige drahtlose Softwareaktualisierungen haben VW in China Marktanteile gekostet. Mercedes-Benz rief letztes Jahr 9.100 ihrer elektrischen EQS-Limousinen in den USA zurück, um einen Softwarefehler zu beheben, der die hinteren Blinker deaktivieren konnte.

Bei BMW, das sich beim i Vision Dee für einen retro-inspirierten Look entschieden hat, der an seine Limousinen aus den 1960er Jahren erinnert, hatten die Entwickler ein besseres Händchen für die Erweiterung der digitalen Fähigkeiten.

Seit 2019 aktualisiert BMW die Fahrzeugsoftware drahtlos für eine breite Palette von Funktionen, darunter Infotainment und Sicherheitsfunktionen. Derzeit erhalten mehr als 3,8 Millionen BMWs regelmäßig Over-the-Air-Updates.

“Wer es schafft, die digitalen Welten des Kunden auf allen Ebenen in das Fahrzeug zu integrieren, wird die Zukunft des Automobilbaus meistern”, sagte BMW-Entwicklungschef Frank Weber in einer Mitteilung.

Sobald der Fahrer im Dee-Konzeptauto sitzt, kann er Umfang und Art der angezeigten Informationen einstellen — es gibt fünf Stufen, die von Basiswerten wie der Geschwindigkeit bis hin zu Augmented Reality mit auf die Straße projizierten Navigationshinweisen reichen. Während der Fahrt können sogar kurze Social-Media-Botschaften angezeigt werden.

BMWs Version von Amazons Alexa, genannt Dee, soll zusätzliche Unterstützung bieten. Nähert sich der Fahrer dem Fahrzeug, registriert Dee seine Identität, öffnet automatisch die Tür und kann Stimmungen wie Freude oder Erstaunen mit visuellen Hinweisen auf dem Kühlergrill und den Scheinwerfern ausdrücken.

Die Platzierung aller Informationen auf der Windschutzscheibe trage dazu bei, die Ablenkung zu minimieren, so Zipse.

Einige Neuerungen könnten schon im Rahmen der für 2025 geplanten Einführung der Plattform “Neue Klasse” für Elektrofahrzeuge in Serie gehen. Dazu zählt etwa, dass für das Head-Up-Display die gesamte Breite der Windschutzscheibe genutzt wird, erklärte BMW.

Überschrift des Artikels im Original:BMW Takes Cues From Apple With Radical Interior Overhaul

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