BMW, GM und Ford wollen mit Blockchain-Konsortium MOBI Autoindustrie umkrempeln

David Barkhausen

Nahezu die gesamte Autoindustrie hat sich in dieser Woche zum Blockchain-Konsortium Mobility Open Blockchain Initiative, kurz MOBI, zusammengetan. Dies verkündete der neugeschaffene Arbeitskreis auf den Internetseiten seiner Pressepartner. Insgesamt über 30 Unternehmen sind an dem Projekt beteiligt und forschen künftig unter gemeinsamer Flagge – unter ihnen Weltkonzerne wie BMW, Bosch, Ford und General Motors. Gemeinsam wollen sie übergreifende Standards schaffen und so der Blockchain in der Mobilitätsbranche zum Durchbruch verhelfen.

Was sonst Kartellämter laut aufschreien lässt, ist in Forschung und Entwicklung erlaubt. Dies machen sich nun über 30 der größten Zulieferer, Automobil- und Softwarehersteller zu Nutze. Gemeinsam gründeten sie in dieser Woche den Blockchain-Arbeitskreis MOBI. Insgesamt 70 Prozent des Automobilweltmarktes ist in diesem vertreten – darunter Riesen wie Renault, Ford, General Motors und IBM. Aus Deutschland sind unter anderem BMW und ZF Friedrichshafen dabei.

Gemeinsam will die Initiative mithilfe der Blockchain das weltweite Verkehrswesen „sicherer, bezahlbarer und zugänglicher“ gestalten, heißt es in der zugehörigen Presseerklärung.

Anstatt jedoch gemeinsame Distributed-Ledger-Lösungen ins Leben zu rufen, will MOBI gemeinsame Standards schaffen und Lösungen kompatibel machen. So sollen Chaos und die babylonische Sprachverwirrung unter den verschiedenen Systemen vermieden werden.

Die Ziele und Anwendungsfelder, die sich der Arbeitskreis bereits seit der Gründung gesteckt hat, sind nicht weniger vielseitig als die lange Liste seiner Mitglieder. Konkrete Projekte sollen etwa alsbald in der Fahrzeugidentifikation, dem Management der Vertriebsketten, Car-Sharing, aber auch im Bereich des autonomen Fahrens anlaufen.

Dabei helfen sollen transparente, den Mitgliedern gemeinsam zur Verfügung stehenden Open-Source-Blockchains. Damit will man ein möglichst offenes Ökosystem, das zunächst nur das Netzwerk für die Kooperation zur Verfügung stellt, entstehen lassen.

Zudem wolle man den Mitgliederkreis zeitnah ausweiten und unter anderem Regierungsorganisationen mit ins Boot holen. Somit könnten künftig auch Maut und der öffentliche Nahverkehr von Blockchain-Lösungen profitieren und die Projektliste erweitern.

Blockchain-Expertise soll Durchbruch schaffen

Damit das ehrgeizige Mammutprojekt gelingt, haben sich die Autohersteller reichlich Expertise aus der Szene geholt. So steht MOBI unter der Federführung von Chris Balinger. Er hat zuvor das Forschungsinstitut von Toyota geleitet. Unterstützen werden ihn weitere Bekannte der Blockchain-Industrie. So ergänzen Joseph Lubin, ConsenSys-Vater und Ethereum-Mitbegründer, sowie Hyperledger-Direktor Brian Behlendorf den Vorstand von MOBI.

„Blockchain und verwandte vertrauenssteigernde Technologien stehen in den Startlöchern, die Automobilindustrie und die Art, wie Kunden Fahrzeuge kaufen, versichern und nutzen, neu zu erfinden. Indem wir Hersteller, Lieferanten, Start-ups und Regierungsorganisationen zusammenbringen, werden wir die Anwendung zum Vorteil von Unternehmen, Konsumenten und der Gesellschaft steigern“,

beschreibt Geschäftsführer Balinger die Vision der Beteiligten.

Industrie wittert Milliarden-Geschäft

Wie die bereits lange Liste anstehender Projekte von MOBI erahnen lässt, erscheint das Anwendungspotential für Blockchain-Technologien der Autoindustrie seit Längerem vielversprechend. So versuchten sich in der Vergangenheit bereits vielfach einzelne Hersteller in der Entwicklung möglicher Blockchain-Software, bisher jedoch mit überschaubarem Erfolg.

Daimler etwa hat als Teil der Hyperledger Foundation im März seinen MobiCoin-Piloten auf den Weg gebracht. Mit dem Sammeln von Punkten wollen die Stuttgarter die Fahrer für einen möglichst umweltfreundlichen Fahrstil begeistern. Auch Toyota und Renault versuchten ihr Glück bisher auf eigene Faust.

Beteiligte Unternehmen

Eine Liste der derzeitig an MOBI Beteiligten findet ihr hier: Accenture, Aioi Nissay Dowa Insurance Services USA, Beyond Protocol Inc, BigchainDB, Blockchain at Berkeley, BMW, Bosch, Chronicled, ConsenSys Systems, Context Labs, Crypto Valley Association, Dashride, Deon Digital AG, Digital Twin Labs, DOVU, Fetch.ai, FOAM, Ford, General Motors, Hyperledger, IBM, the IOTA Foundation, Luxoft, MotionWerk, NuCypher, Oaken Innovations, Ocean Protocol, Outlier Ventures, Renault, Ride Austin, Shareing, Shift, Spherical Analytics, the Trusted IoT Alliance, VeChain, Xain, and ZF Friedrichshafen AG.

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