BMW exklusiv: Was die neue M1000RR besser machen soll als die S1000RR

Sebastian Fränzschky
·Lesedauer: 5 Min.

BMW präsentierte mit der M1000RR ein neues Homologations-Modell für die Superbike-WM (mehr Infos). Das erste M-Modell der BMW-Motorradgeschichte teilt sich die Basis mit der S1000RR, wurde aber beim Motor, der Geometrie und der Aerodynamik konsequenter für den Rennsport entwickelt.

Wir haben exklusiv mit BMW-Motorradsport-Direktor Marc Bongers über die abgelaufene WSBK-Saison, die Defizite der S1000RR und die Innovationen der neuen M1000RR für die Saison 2021 gesprochen.

In der abgelaufenen Saison hatte BMW einige Probleme, die Ergebnisse der positiven Debütsaison der neuen S1000RR zu erreichen. Tom Sykes beendete das Jahr als WM-Zwölfter. Teamkollege Eugene Laverty wurde 15. der Fahrerwertung.

"Es war eine schwierige Saison", gesteht Bongers und nennt die Problemzonen der nun ausrangierten S1000RR: "Im vergangenen Jahr hatten wir Probleme bei hohen Temperaturen und auf Strecken, die wenig Haftung haben."

Der WSBK-Kalender 2020 spielte BMW nicht in die Karten

"Jerez oder Portimao waren in der Saison 2019 die Strecken, die uns nicht lagen. Dafür waren wir nicht gerüstet. Die Podestplätze fuhren wir immer bei niedrigen Temperaturen oder regnerischen Bedingungen ein. Wir waren in Imola, Donington, Assen, Laguna Seca und Magny-Cours stark", erinnert sich Bongers.

WSBK 2019/2020: Bei Hitze und wenig Haftung kämpfte BMW mit Problemen

WSBK 2019/2020: Bei Hitze und wenig Haftung kämpfte BMW mit Problemen<span class="copyright">BMW</span>
WSBK 2019/2020: Bei Hitze und wenig Haftung kämpfte BMW mit ProblemenBMW

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"Auf vielen dieser Strecken waren wir in diesem Jahr nicht mit Ausnahme von Magny-Cours. Dort fing es sehr gut an, endete aber desaströs", spielt er den Startunfall in Lauf eins an, der sich auf den Rest des Wochenendes auswirkte.

"75 Prozent der Saison fuhren wir in Spanien und Portugal bei sommerlichen Bedingungen. Jerez war sehr heiß, Portimao auch, Aragon auch", bemerkt Bongers. "Die Strecken mit langen Geraden bereiteten uns ebenfalls Probleme, weil wir bei der Motorleistung noch Defizite hatten. Wir haben einiges gelernt und sind bei diesen schwierigen Bedingungen besser geworden."

BMW-Motorradsport-Chef Marc Bongers im Gespräch mit Teammanager Shaun Muir

BMW-Motorradsport-Chef Marc Bongers im Gespräch mit Teammanager Shaun Muir<span class="copyright">Motorsport Images</span>
BMW-Motorradsport-Chef Marc Bongers im Gespräch mit Teammanager Shaun MuirMotorsport Images

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In der Herstellerwertung fiel BMW hinter Honda zurück. "Die Mitbewerber sind sehr stark geworden. Honda ist mit einem guten Paket eingestiegen. Zudem war Rinaldi sehr stark. Es war nicht mehr so einfach, in die Top 10 zu fahren. Natürlich war es unser Ziel, die Ergebnisse von 2019 zu bestätigen und noch weiter nach vorne zu kommen. Das ist uns in dieser verkürzten Saison nach dem Neustart nicht gelungen", bedauert der Niederländer.

Die Saison 2020 war für BMW ein wichtiges Lernjahr

Die abgelaufene WSBK-Saison war für BMW dennoch kein verlorenes Jahr. "Wir konnten für 2021 viele Dinge lernen und vorbereiten. Mit der M1000RR können wir dann hoffentlich den nächsten Schritt machen", ist der BMW-Motorradsport-Direktor überzeugt.

"Wir haben in diesem Jahr sowohl bei der Elektronik als auch bei der Geometrie Fortschritte erzielt. Mit einer neuen Schwinge und neuen Federbein-Umlenkungen haben wir für hohe Temperaturen nachlegen können. Das konnten wir besser verstehen", schildert Bongers.

Die neue M1000RR ist BMWs Hoffnungsträger in der Superbike-WM. "Der Rahmen ist anders. Er hat eine andere Geometrie. Die Position des Schwingen-Drehpunkts ist anders. Diese sollte uns mehr Freiheiten in der Superbike-WM geben. Es wird aber auch ein Vorteil für die Stock-Meisterschaften und Trackdays sein", erklärt Bongers.

"Der Lenkkopf wurde ebenfalls verändert. Das soll für mehr Stabilität bei hoher Geschwindigkeit sorgen. Das ist ein Bereich, der im Vergleich zur S1000RR deutlich verbessert werden konnte", berichtet Bongers im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

Effektivere Winglets als an der Ducati Panigale V4R?

Die auffälligste Änderung sind vermutlich die Winglets. "Die Winglets liefern einen gewissen Abtrieb. Beim Serien-Motorrad sind es 16 Kilogramm. Wir verwenden die Winglets 1:1 am Superbike. Das ist durch das Reglement vorgeschrieben. Wir können die Anstellung der Winglets leicht ändern, weil auch die Geometrie vom WSBK-Bike etwas anders ist als bei der Serien-M1000RR", kommentiert Bongers.

Die Winglets der BMW sind nicht so radikal wie die der Ducati

Die Winglets der BMW sind nicht so radikal wie die der Ducati<span class="copyright">BMW</span>
Die Winglets der BMW sind nicht so radikal wie die der DucatiBMW

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Ducati war in der Saison 2019 Vorreiter auf dem Gebiet der Aerodynamik. Im Vergleich zu den Ducati-Flügeln wirken die BMW-Winglets weniger radikal. Das hat Vor- und Nachteile.

"Unsere Winglets sind nicht so radikal wie die einiger Mitbewerber. Das betrifft den Abtrieb als auch den Luftwiderstand. Grundsätzlich sind wir effektiver unterwegs, was das Verhältnis angeht. Wir haben bei der Entwicklung mehrere Varianten probiert. Das ist schlussendlich die beste aller Varianten", zeigt sich Bongers optimistisch.

Mehr Leistung und Potenzial bei der Übersetzung

Und auch am Motor wurde bei der M1000RR nachgebessert. In der Serie spricht BMW von 212 PS bei 14.500 Umdrehungen pro Minute. Zum Vergleich: Die S1000RR produziert 207 PS bei 13.500 Umdrehungen pro Minute.

Mehr PS und bessere Übersetzung: Kann BMW auf den Geraden mithalten?

Mehr PS und bessere Übersetzung: Kann BMW auf den Geraden mithalten?<span class="copyright">BMW</span>
Mehr PS und bessere Übersetzung: Kann BMW auf den Geraden mithalten?BMW

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"Wir erhoffen uns, dass wir beim WM-Superbike mindestens den gleichen Sprung machen können wie in der Serie", kommentiert Bongers, der noch eine weitere Chance für eine Steigerung der Performance sieht: "Wir haben für kommendes Jahr erneut die Chance, die Getriebeübersetzung anzupassen. Das darf man in der Superbike-WM nur ein Mal im Jahr machen. Auch da haben wir auf einigen Strecken Defizite erkannt."

"Während der Saison konnten wir das nicht ändern. In der Coronapause hatten wir mehr Zeit, um Analysen zu machen. Wir haben eine große Studie gemacht und ein neues Getriebe für 2021 definiert. Das in Kombination mit dem neuen M-Motor, der nicht nur mehr Leistung sondern auch ein breiteres Drehzahlband hat, sollte uns ermöglichen, den Anschluss zu finden", erklärt der BMW-Verantwortliche.

In der neuen Saison tritt BMW mit Tom Sykes und Michael van der Mark an. Eugene Laverty bleibt der BMW-Familie erhalten und startet für das Kundenteam RC Squadra Corse. Jonas Folger pilotiert ebenfalls eine M1000RR und fährt für das Bonovo-Action-Team.

Mit Bildmaterial von BMW.