BMW, Daimler und VW droht es, beim autonomen Fahren komplett von Tesla abgehängt zu werden

Marlon Bonazzi, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die drei großen deutschen Automobilhersteller BMW (WKN:519000), Daimler (WKN:710000) und VW (WKN:766400) haben alle verschiedene Modelle mit verschiedenen Graden an Autonomie angekündigt. Bei vielen Gelegenheiten betonen die einzelnen Hersteller, dass sie sich sicher sind, das richtige Rezept für die selbstfahrende Zukunft gefunden zu haben.

Letztendlich unterscheiden sich die Pläne nur in kleinen Details, was die Geschwindigkeit der geplanten Entwicklungen angeht. In letzter Zeit deutet sich aber an, dass der Erfolg im Bereich des autonomen Fahrens bereits bei der Datenverarbeitung entschieden werden könnte, und dass Tesla (WKN:A1CX3T) hier eine sehr spezielle Strategie hat.

Was Tesla anders macht

Wie würdest du ein parkendes Auto beschreiben? Ich denke, dir würden schnell ein paar einfache Eigenschaften einfallen, wie z. B. dass es steht, aber sich nicht auf der Straße befindet.

Die weitaus schwierigere Frage: Wie würdest du einem Computer ein parkendes Auto beschreiben? Hier wird es schon viel schwerer, weil der Computer Dinge an konkreten Zahlen festmachen muss. Du müsstest also für den Computer die nichtvorhandene Bewegung in Zahlen definieren und dann in Codeform einspeisen. Was eine Straße ist und was nicht, wird schon komplizierter, ist aber auch für einen Computer irgendwie halbwegs nützlich festlegbar.

Nun bleibt noch die Frage, wie man bei Tesla ein parkendes Auto beschreibt. Die Antwort darauf: gar nicht. Teslas Methode ist, sich nicht darauf zu konzentrieren, seine eigenen Algorithmen zu erstellen, sondern mithilfe von maschinellem Lernen die Algorithmen erstellen zu lassen. Das heißt, dass bei Tesla ein Auto dann ein parkendes Auto ist, wenn das künstliche neuronale Netz das sagt.

Das künstliche neuronale Netz kann aber nicht von selbst wissen, was ein parkendes Auto ist. Deshalb braucht es jede Menge Daten, die richtig markiert sind, um aus ihnen zu lernen. Das macht auch Arbeit, spart aber die sehr großen Mühen, die damit verbunden sind, für alles einen eigenen Algorithmus zu erstellen. Die Informatiker bei Tesla können ihre Zeit darauf konzentrieren, die vom künstlichen neuronalen Netz erstellten Algorithmen zu verbessern.

Es zeigt sich immer mehr, dass mit dieser Herangehensweise viel bessere Ergebnisse erzielt werden können. Das sollte nicht unbedingt überraschen, schließlich wird ein Computer nicht so schnell Müde, an den Algorithmen zu arbeiten. Wer denkt, dass das nur gehypte heiße Luft aus dem Silicon Valley ist, sollte sich bewusst sein, dass Alphabet mithilfe von maschinellem Lernen einen Go-Computerspieler entwickelt hat, der bereits nach drei Tagen auf Weltklasseniveau gespielt hat. Das Einzige, was AlphaGo Zero zu Beginn wusste, waren die Regeln des Spiels. Go gilt als das komplizierteste existierende Brettspiel.

So arbeiten die deutschen Hersteller

So wirklich lassen sich die deutschen Automobilhersteller – verständlicherweise – bei ihren autonomen Ambitionen nicht in die Karten schauen. Nach dem zu urteilen, was man darüber lesen kann, gehen sie vermutlich ein wenig bis sehr anders als Tesla vor, um die Technologie für autonomes Fahren voranzutreiben. Daimler nutzt maschinelles Lernen, es ist aber nicht klar in welchem Umfang. Bei BMW könnte man zumindest gute Voraussetzungen vermuten, da die Bayern mit Intel kooperieren. Der Chiphersteller hat umfangreiche Expertise in der Technologie für autonomes Fahren sowie auch maschinellem Lernen.

Selbst wenn BMW, Daimler oder VW aber voll auf künstliche neuronale Netze setzen würden, ist noch nicht klar, ob sie dafür genug Daten sammeln könnten. Ende des letzten Jahres gab BMW an, mit seinen autonomen Testautos 140.000 km gefahren zu sein. Tesla hat aktuell ungefähr eine Viertelmillion Autos mit der Hardware für autonomes Fahren auf der Straße. Fährt jedes einzelne davon auch nur einen Kilometer und sammelt dabei Daten, hat man damit schon BMWs Bilanz aus dem letzten Jahr übertroffen.

Wenn so der Vergleich zwischen BMW und Tesla ausfällt, dürfte er für Daimler und VW nicht unbedingt schmeichelhafter ausfallen. VW äußerte kürzlich, dass es noch zehn Jahre dauern könnte, „bis wir in die allerletzte Spielstraße kommen“.

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Marlon Bonazzi besitzt Aktien von Tesla. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien) und Tesla. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler. 

Motley Fool Deutschland 2018