BMW-Bilanz 2017: Höhen, Tiefen und Glanzleistung beim Finale

Motorsport-Direktor Jens Marquardt fasst die Saison aus BMW-Sicht zusammen


Rang fünf für Marco Wittmann in der Fahrerwertung, sieben für Timo Glock und acht für Maxime Martin in der Fahrerwertung, die Plätze drei und vier in der Hersteller- respektive Teamwertung: Für BMW verlief die Saison 2017 im Deutschen Tourenwagen Masters eher durchwachsen. Zum ersten Mal seit dem Wiedereinstieg im Jahr 2012 gingen die München leer aus und konnten keinen der begehrten Titel mit nach Hause nehmen.

"Wir haben das ganze Jahr gekämpft. Wir hatten Tiefpunkte, wie am Lausitzring, und auch Highlights, wie am Norisring, wo wir seit 25 Jahren nicht mehr gewonnen haben und Bruno Spengler dort sehr stark war. Wir hatten einige Fahrer, die immer um den Sieg mitgekämpft haben", bilanziert BMW-Motorsport-Direktor Jens Marquardt.

Der 50-Jährige weiß, dass durch selbstverschuldete Fehler in den Reihen der eigenen Teams bessere Resultate verhindert wurden. "Wir haben ein paar Fehler gemacht. Man sollte sein Auto immer mit ausreichend viel Sprit betanken, das haben wir gelernt", spielt er auf die Disqualifikation von Marco Wittmann nach dem vermeintlichen Sieg in Zandvoort an. "Einige Dinge müssen wir noch verbessern", gibt er zu.

BMW gibt auch im Winter Vollgas

Im ersten Jahr mit dem neu eingeführten Verbot der Heizdecken für die Reifen mussten die Münchner lernen, mit den neuen Voraussetzungen und kalten Pneus umzugehen. "Im Qualifying die Reifen ins optimale Fenster zu bekommen, da haben wir eine Weile daran gearbeitet", erklärt Marquardt. "Ich glaube, das haben wir zum Schluss sehr gut hinbekommen." Bei BMW habe man im Verlauf der Saison Fortschritte gemacht und das gute Abschneiden der Marke beim Saisonfinale in Hockenheim gebe den Mitarbeitern einen extra Schub für die Winterpause.

"Das Jahr mit zwei Pole-Positions und einem Sieg abzuschließen gibt dir ein gutes Gefühl und Motivation für den Winter und das neue Jahr", so der BMW-Motorsportchef. Verbesserungspotenzial sieht er im Zeittraining. "Ein schnelles Auto im Qualifying ist eine gute Voraussetzung für das Rennen. Die Truppe ist richtig motiviert, weil wir gesehen haben, wir sind nicht weit weg. Wir werden über den Winter nochmal Vollgas geben", erklärt er.

Dass BMW in der Herstellerwertung nur acht Punkte hinter der Konkurrenz aus Stuttgart liegen, stimmt Marquardt zuversichtlich. "Auch, wenn wir seit unserem Einstieg 2012 keinen Meistertitel geholt haben, glaube ich trotzdem, dass wir tollen Sport gezeigt und dass wir einfach richtig gut gekämpft haben", sagt er. Tatsächlich hat BMW seit 2012 jedes Jahr mindestens einen Titel geholt. 2012 den Fahrertitel mit Bruno Spengler und auch bei den Herstellern auf Platz eins, 2013 und 2015 Sieg in der Herstellerwertung, 2014 und 2016 Meisterschaft bei den Fahrern mit Marco Wittmann.

BMW auf Augenhöhe mit Mercedes

Marquardt ergänzt: "Wenn ich mir das Thema ohne Gewichte anschaue, dann sehe ich uns mit Mercedes sehr gut auf Augenhöhe, das kann man sagen. Das ist sehr eng beisammen. Audi hat einen Vorsprung und das muss man so akzeptieren."

Über die Abschaffung der Performance-Gewichte während der Saison war vor allem BMW-Speerspitze Marco Wittmann nicht glücklich. Die Autos der Münchner waren durch die umstrittene Gewichtsregel häufig im Gewichtsvorteil und konnten so mit der Konkurrenz mithalten. Nach der Eliminierung der Gewichte vor dem Rennwochenende am Red-Bull-Ring befürchtete der zweimalige DTM-Champion einen zu großen Vorteil von Audi und die vorzeitige Entscheidung im Meisterschaftskampf zugunsten der Ingolstädter. Der BMW-Pilot hätte es bevorzugt, wenn die Performance-Gewichte erst nach der Saison abgeschafft worden wären.

Ausrufezeichen beim Saisonfinale

Zwar sei der Saisonstart aus Sicht der Münchner nicht optimal verlaufen, doch die Anzahl der eingefahrenen Pokale sei ein Indiz für eine ordentliche Saison, so Marquardt. In 18 Rennen stand in diesem Jahr 16 Mal ein BMW-Fahrer auf dem Siegerpodest. Bruno Spengler (Norisring), Maxime Martin (Norisring), Timo Glock (Zandvoort) und Marco Wittmann (Hockenheim-Finale) holten insgesamt vier Siege für die Marke mit dem Propeller. Vier zweite und acht dritte Plätze runden das gute Mannschaftsergebnis ab.

Das Highlight der Saison war für Marquardt zweifelsohne der Sieg von Bruno Spengler beim Heimspiel am Norisring. Was dem BMW-Verantwortlichen 2017 nicht gefallen hat, waren die Diskussionen um politische Themen, allen voran um die Performance-Gewichte.

"Auf den Nerv gegangen ist mir definitiv, dass wir wahnsinnig viel diskutiert haben, was nicht primär mit dem Sport zu tun hat. Sondern eher Themen, die nicht direkt mit Sport und Geschehnissen auf der Rennstrecke zu tun haben", so Marquardt, der den Fokus lieber auf die "vielen tolle und spannende Rennen, die auch eng waren", gelegt hätte. 2018 will er mit seiner Truppe wieder angreifen und die Lücke auf die Konkurrenz schließen.

© Motorsport-Total.com