Wie eine blutige Nase ganz Spanien anheizt

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Wie eine blutige Nase ganz Spanien anheizt
Wie eine blutige Nase ganz Spanien anheizt

"Vendetta" - die spanischen Medien schickten vor dem Halbfinal-Kracher schon mal rachsüchtige Grüße gen Italien. Im Mittelpunkt: Luis Enrique.

Der heutige Nationaltrainer Spaniens war beim Viertelfinal-Duell der WM 1994 Opfer eines der berühmtesten Fouls der Fußballgeschichte, das "eine ganze Generation von Spaniern" geprägt habe, wie die Zeitung El Espanol schrieb.

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Enrique bekommt Ellenbogen ins Gesicht gerammt

Rückblick: 9. Juli 1994, Foxborough/USA, Nachspielzeit beim Stand von 2:1 für Italien. Flanke Spanien, Enrique sackt im Strafraum zusammen und krümmt sich vor Schmerzen.

Dann rast er blutüberströmt auf Mauro Tassotti zu. Die TV-Bilder beweisen: Der Italiener hatte dem Spanier im Luftzweikampf den Ellenbogen ins Gesicht gerammt. Doch er kommt ungeschoren davon, Spanien scheidet ohne den fälligen Elfmeter aus. Enriques emotionale Wunde schmerzt mehr als der Nasenbeinbruch.

"Er wollte den Schiedsrichter und Tassotti töten, und dann auch mich, als ich ihn packte", sagte der damalige Physiotherapeut Senen Cortegoso einmal über die Szene. Was da aus Enriques Nase tropfte, "war das Blut eines ganzen Landes", wie die Online-Sportseite Culemania schrieb.

Das Halbfinale am Dienstag (Italien - Spanien ab 21.00 Uhr im LIVETICKER) im Londoner Wembley-Stadion biete die Chance für "eine Revanche, die Enrique ein für alle Mal einlösen" könne.

Bei der Selección ist noch viel Luft nach oben

Doch 27 Jahre sind eine lange Zeit, und die Gegenwart schreibt ihre eigene Geschichte. Die Italiener gehen spätestens nach dem beeindruckenden 2:1 in der "magischen Nacht" von München gegen starke Belgier leicht favorisiert ins Spiel. Doch auch die Spanier, die sich im Elfmeterschießen gegen die Schweiz (3:1) eine Runde weiter gezittert haben, reisen mit viel Selbstvertrauen nach London.

"Jeder kann jeden schlagen, es wird ein großartiges Spiel", sagte Youngster Pedri, der mit seinen 18 Jahren wie kein anderer für das "neue" Spanien steht. Sein Wetteinsatz im Falle des EM-Titels könnte daher jugendlichem Leichtsinn geschuldet sein: "Dann rasiere ich mir den Kopf."

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Spielerisch ist bei der Seleccion aber noch viel Luft nach oben. Das Ballgeschiebe diente gegen die Schweiz lange nur dem Selbstzweck, es fehlte an Ideen und Tempo.

Im Tor wächst aber ein "neuer Heiliger" heran, Unai Simon wandelt auf den Spuren von Iker Casillas. Der spanische Rekordtorhüter hatte die Furia Roja 2008 mit zwei gehaltenen Elfmetern ins EM-Halbfinale geführt, 13 Jahre später gelang seinem Nachfolger die gleiche Heldentat.

Die schwerste Prüfung hat der Schlussmann von Athletic Bilbao längst bestanden.

Für Enrique eine Reise in die Vergangenheit

An seinem Aussetzer im Achtelfinale gegen Kroatien (5:3), als er mit einem unerklärlichen Stockfehler ein Eigentor von Pedri verschuldet hatte, ist Simon nicht zerbrochen. Er ist daran gewachsen und soll auch gegen Italien der große Rückhalt sein.

Zum vierten Mal in Folge treffen beide Nationen bei einer EM in einem K.o.-Spiel aufeinander, zweimal (2012 im Finale, 2008 um Viertelfinale) behielt Spanien die Oberhand, zuletzt Italien (2016 im Achtelfinale). Für Enrique ist es aber das erste Aufeinandertreffen und eine sehr spezielle Reise in die Vergangenheit.

In Italien ist die Geschichte dagegen kaum ein Thema. Die Squadra Azzurra hat nur noch den Titel im Sinn. "Mit dieser tollen Gruppe", schrieb der gegen Belgien schwer verletzte Linksverteidiger Leonardo Spinazzola bei Twitter, "ist nichts unmöglich."

Möglich war bis Sonntag sogar ein direktes Aufeinandertreffen von Enrique und Tassotti, der damals nachträglich für acht Spiele gesperrt und niemals mehr für Italien nominiert wurde. Der heutige Co-Trainer von Andriy Shevchenko schied jedoch mit der Ukraine im Viertelfinale gegen England aus.

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