Bloomberg-Interview mit Kanzler Scholz: Fünf Kernerkenntnisse

(Bloomberg) -- Bundeskanzler Olaf Scholz sprach am Dienstag in Berlin mit Bloomberg-Chefredakteur John Micklethwait. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Interview:

Die Wirtschaft ist auf dem richtigen Weg

Scholz gab eine klare und nachdrückliche Antwort auf die Frage, ob Deutschland eine Rezession bevorsteht: “Ich bin fest davon überzeugt, dass das nicht der Fall sein wird.”

Deutschland habe bewiesen, dass es schnell auf eine schwierige Situation reagieren könne und seine Abhängigkeit von russischer Energie rasch verringert, indem es die Kapazität für den Import von Flüssiggas aus seinen Häfen erhöht habe.

Mehr zum Thema: Olaf Scholz ‘fest überzeugt’, dass eine Rezession vermieden wird

Unverbindliche Leopard-Zusage

Scholz zählte auf, was Deutschland für die Ukraine getan habe, insbesondere was Waffen und andere militärische Güter angeht. Er führe auch Gespräche mit Verbündeten über die mögliche Lieferung schwerer Panzer (im Falle Deutschlands sind das Leopard-Kampfpanzer). Scholz machte jedoch deutlich, dass jede Entscheidung im Einvernehmen mit den Verbündeten getroffen werden würde: “Wir handeln immer gemeinsam mit unseren Verbündeten und Freunden - wir gehen niemals allein”.

Mehr zum Thema: Scholz spricht mit Partnern über Panzerlieferung an Ukraine (1)

Globalisierung ist gut (im Großen und Ganzen)

Befragt nach China betonte Scholz, dass Deutschland in “einer multipolaren Welt mit vielen starken Nationen” seine Lieferketten diversifizieren müsse und “nicht nur an eine Region oder ein Land gebunden” sein könne. Aber er sprach auch von den Vorteilen der Globalisierung, die “ganz offensichtlich” seien.

Es wird keinen Handelskrieg zwischen Europa und den USA geben

Scholz erklärte, er sei sicher, dass es nicht zu einem Handelskrieg zwischen der Europäischen Union und den USA kommen werde, obwohl es wegen des massiven Unterstützungspakets von Präsident Joe Biden für die US-Industrie zu Spannungen gekommen sei. “Wir arbeiten sehr hart daran, eine solche Situation zu vermeiden”, sagte er zur Frage des Handelskriegs.

Mehr zum Thema: Scholz zuversichtlich, Handelskrieg mit USA vermeiden zu können

Erstmal genug Geld im Topf

Auf die Frage, ob er bereit sei, die Idee seiner SPD zu unterstützen, zusätzliche EU-Instrumente für die gemeinsame Finanzierung zu schaffen, um grüne Investitionen in der Union zu verstärken, merkte Scholz an, dass die Mittel, die zur gemeinsamen Bekämpfung der Covid-19-Pandemie zusammengetragen wurden, noch gar nicht aufgebraucht sind.

Als das Covid-Hilfspaket beschlossen wurde, hatte er das als einen “Hamiltonschen Moment” bezeichnet. Am Dienstag sagte er, er fühle sich zwar immer noch als “Hamiltonianer”, wies aber darauf hin, dass eine weitere gemeinsame Kreditaufnahme derzeit nicht in Sicht sei.

Überschrift des Artikels im Original:Five Key Takeaways From Chancellor Scholz’s Bloomberg Interview

(Wiederholung vom Vortag)

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