Oscar 2013: Jetzt schon rekordverdächtig

Die diesjährigen Oscars haben noch nicht einmal stattgefunden, da gehen sie bereits in die Geschichte der Academy Awards ein – und die ist an Höhepunkten wahrlich nicht arm. Was könnte noch unterhaltsamer sein als der Heulkrampf von Gwyneth Paltrow (1999) oder 55 vermisste und per FBI gesuchte Goldtrophäen? Die Nominierung der jüngsten und der ältesten Schauspielerin aller Zeiten zum Beispiel! Doch das ist nicht der einzige Rekord, den die Oscars 2013 brechen.

Emmanuelle Riva (l.) und Quvenzhane Wallis sind älteste und jüngste Nominierte (Bilder: ddp Images)Emmanuelle Riva (l.) und Quvenzhane Wallis sind älteste und jüngste Nominierte (Bilder: ddp Images)


Am 24. Februar ist es soweit. Dann werden in Hollywood zum 85. Mal die Oscars vergeben. Bis dahin bleibt nur Popcorn knabbern und Daumen drücken. Etwa der ältesten Frau, die jemals als beste Schauspielerin nominiert war: Emmanuelle Riva, die in Michael Hanekes „Liebe“ brilliert, ist 85 – und damit fünf Jahre älter als Jessica Tandy, die diesen Rekord bisher hielt. Tandy war für ihre Rolle in „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ im Alter von 80 nominiert und gewann die begehrte Trophäe im Jahr 1989. Die einzige Oscar-Anwärterin, die noch älter war, ist Gloria Stuart: Die 87-Jährige hatte dank ihrem Auftritt in „Titanic“ (1997) eine Chance auf die Ehrung als beste Nebendarstellerin.

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Durchsetzen muss sich Riva ausgerechnet gegen Quvenzhane Wallis, die Hauptdarstellerin aus „Beasts of the Southern Wild“. Wallis ist erst neun Jahre alt und tritt möglicherweise in die Fussstapfen von Shirley Temple, die 1934 im Alter von sechs Jahren einen Oscar – allerdings außerhalb der Kategorien gewann – und damit als jüngste Preisträgerin aller Zeiten in die Kinogeschichte einging.

Während es für Wallis der erste Oscar wäre, gelten diese fünf Herren quasi schon als Dankesreden-erprobt: Robert DeNiro („Silver Linings“), Philip Seymour Hoffman („The Master“), Tommy Lee Jones („Lincoln“) und Christoph Waltz („Django Unchained“) sind die fünf Nominierten in der Kategorie bester Nebendarsteller – und allesamt bereits Oscar-Preisträger. Über dieses gute Omen darf sich auch Daniel Day-Lewis freuen: Der „Lincoln“-Hauptdarsteller hat schon zwei der goldenen Awards in der heimischen Vitrine und ist nun erneut als bester Schauspieler im Rennen. Drei Oscars in dieser prestigeträchtigen Kategorie – das hat bisher noch keiner geschafft!

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Rekordverdächtig ist auch der Blockbuster „Life of Pi“. Er ist in allen sieben Technik-Kategorien nominiert: beste Kamera, bester Schnitt, beste Filmmusik, bester Ton, bester Tonschnitt und beste visuelle Effekte. Das gelang vor dem 3D-Kunstwerk von Regisseur Ang Lee erst drei anderen Filmen, nämlich „Titanic“ (1997), „Master and Commander“ (2002) und „Hugo“ (2011). Auch beim Oscar sind offenbar aller guten Dinge vier: „Liebe“ ist erst der vierte Film überhaupt, der sowohl in der Kategorie bester Film als auch in der Kategorie bester fremdsprachiger Film nominiert ist. Michael Haneke, der Regisseur des kammerspielartigen Dramas, ist selbst für die beste Regie und das beste Drehbuch nominiert. Macht mit der Nominierung für seine Hauptdarstellerin Riva – die übrigens genau am 24. Februar 86 wird – sage und schreibe fünf Nominierungen für „Liebe“ – und damit auch für Österreich.

Insgesamt haben unsere deutschsprachigen Nachbarn jedoch ein halbes Dutzend Chancen auf den Oscar: Schließlich ist auch Christoph Waltz (s.o.) nominiert. So viele Nominierungen gab es für Österreich nie zuvor! Für Deutschland sieht es hingegen eher mau aus. Nur zwei Beiträge unter deutscher Beteiligung können sich Chancen auf einen Preis ausmalen: die Kino-Koproduktionen „Die Königin und der Leibarzt“ (als bester ausländischer Film aus Dänemark) und der Dokumentarfilm „Töte zuerst – Der israelische Geheimdienst" ("The Gatekeepers") von Regisseur Dror Moreh, der vom NDR koproduziert wurde.

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