“Taste the Waste” – Erschütternde Wahrheiten

Worum es geht
Der Dokumentarfilm von Valentin Thurn führt uns buchstäblich das Ausmaß der Verschwendung von Lebensmitteln in der modernen Gesellschaft vor Augen: „Mit dem Essen, das wir in Europa und Nordamerika wegwerfen, könnten alle Hungernden der Welt DREIMAL satt werden", heißt es in einer der verdeutlichenden Zwischentitel von „Taste the Waste". Der Filmtitel bedeutet übersetzt so viel wie „Probiere oder schmecke den Müll". Mit zwei bekennenden „Müllessern" steigt der Dokumentarfilm ein, um zu verdeutlichen, was moderner Müll eigentlich ist. Wir sprechen hier nicht von verrotteten, ungenießbaren Essensresten, sondern viel mehr von vollwertiger, intakter Nahrung, die einfach nur zu viel eingekauft wurde und aus Platzmangel in den Müll wandert. Wie bereits in der amerikanischen Doku „Dive" dargestellt, haben sich mittlerweile mehrere Gemeinschaften gegründet, die aus den Abfällen von Supermärkten und Fabriken in den USA leben. Und nach „Taste the Waste" wird vielleicht auch der ein oder andere von uns mal abtauchen.

Krumme Gurken passen nicht so gut in die Verkaufsboxen
Eines ist sicher: Jeder von uns wird nach „Taste the Waste" über den eigenen Umgang mit Lebensmitteln nachdenken. Aber haben Sie mal länger darüber gegrübelt, warum die schönen grünen Gurken im Supermarkt nicht mehr krumm sind? Oder alle Tomaten die gleiche rote Farbe haben? Dieser aufklärende Dokumentarfilm gibt Antwort auf solche Fragen: Längliche, gerade Gurken passen eben besser in Verkaufsboxen, Obst und Gemüse läuft kurz nach der Ernte durch bestimmte Farbscanner und da heißt es dann für alle Lebensmittel, die nicht die ‚richtige' Farbe haben „Auf Wiedersehen und hallo Müll". Von Druckstellen mal gar nicht zu reden!
Aber kein Wunder, denn der Verbraucher kauft eben lieber Obst und Gemüse, das frisch gephotoshoped aussieht, statt wie aus dem heimischen Garten. Untermalt werden diese traurigen Tatsachen durch Bilder von riesigen Tonnen „Müll" und aufrüttelnden Vergleichen: „Jedes Jahr werden in der EU 90 Miliionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Geladen in Lastwagen wäre das eine Kolone einmal rund um den Äquator."

„Kühlschränke sind Vorzimmer der Abfalleimer geworden"
„Taste the Waste" macht deutlich, wie die moderne Welt die Wertschätzung von Nahrung verloren hat. Lebensmittel werden über tausende Kilometer transportiert, um dann am anderen Ende der Welt im Müll zu landen. Meistens kommt sogar das Obst und Gemüse aus den Regionen, wo täglich Menschen verhungern. Viele verteidigen die Wegwerfgesellschaft damit, dass es den Hungernden in Afrika nicht helfen würde, wenn wir das alte Brot schicken würden - Also muss man ja kein schlechtes Gewissen haben, ein hartes Brötchen in den Müll zu schmeißen. Die Doku bietet auch darauf eine klare Antwort, indem erklärt wird, wie durch das Vernichten tonnenweiser Nahrung die Preise für die Ärmsten der Armen steigen.
Valentin Thurn hat mit „Taste the Waste" keine neue Idee oder Absicht gezeigt, dennoch ist sein Film von den anderen Dokumentationen über diese Thematik abzugrenzen. Er zeigt nicht nur Missstände auf und prangert Schuldige an, sondern er liefert im gleichen Atemzug auch Lösungsansätze. Keine radikalen, sondern vernünftige und umsetzbare Methoden für Lieferanten und Verbraucher: Von Energiegewinnung durch Abfälle über "Müll" als Viehfutter bis zu Dachgärten in der Großstadt. Vieles ist möglich.


Sehenswert oder nicht?
Die Antwort auf diese Frage fällt knapp, aber eindeutig aus: „Taste the Waste" ist ein Film, den jeder Hersteller und Konsument gesehen haben sollte.

Bilder: W-Film

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