Lindsay Lohan: Oberzicke am „The Canyons“-Set

Regisseur Paul Schrader wusste um das Risiko, als er Lindsay Lohan für seinen neuen Erotik-Thriller „The Canyons“ engagierte. Der Drehbuchautor des Kultfilms „Taxi Driver“ wollte die skandalumwitterte Schauspielerin trotzdem für die Hauptrolle – und dürfte seine Entscheidung mittlerweile bitter bereuen. Mit ihren Allüren sorgte die 26-Jährige für Chaos bei den Dreharbeiten. Zumindest in Sachen Gage zeigte sich Lilo unprätentiös.

Lindsay Lohan machte ihrem Ruf bei den Arbeiten zu "The Canyons" alle Ehre. (Bilder: ddp images, Twitter)Lindsay Lohan machte ihrem Ruf bei den Arbeiten zu "The Canyons" alle Ehre. (Bilder: ddp images, Twitter)

Selbst Bret Easton Ellis schien seine Zweifel über Bord geworfen zu haben. Der Schriftsteller des umstrittenen Romans „American Psycho“ war an „The Canyons“ als Drehbuchautor beteilgt. Für den männlichen Part hatte der Autor sich Pornostar James Deen ausgeguckt. Lilo daneben in der weiblichen Hauptrolle hielt er zunächst für keine gute Wahl, heißt es in „The New York Times“. Doch Ellis gab nach. Zu viel hatte er bereits in den Erotikthriller investiert, in dem es um das ausschweifende Leben und Streben nach Glück von fünf Menschen in ihren Zwanzigern in Hollywood geht. „Drehen 'The Canyons' vom 9. – 31. Juli in LA. Könnte mir keine bessere Besetzung erträumen. Lindsay hat’s gerockt“, twitterte Ellis dann begeistert vor sieben Monaten.

Jetzt brachte „The New York Times“ einen ausführlichen Artikel über die Dreharbeiten zu dem Film heraus. Für Paul Schrader, der einem Reporter der renommierten US-Zeitung gestattet hatte, die Filmproduktion zu begleiten, ein Dokument des Grauens. Zu Beginn ist Schrader noch überzeugt davon, „dass er Lohan managen kann“, schreibt Journalist Stephen Rodrick. Er wurde eines besseren belehrt. Beim Start der Dreharbeiten wollte Schrader eine festgelegte Sexszene zwischen Lohan und Deen ausarbeiten.

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Aber Lohan erschien nicht am Set. Auch am nächsten Tag war von der Diva nichts zu sehen. Kontaktversuche scheiterten, schließlich drang Produzent Braxton Pope irgendwann zu ihr durch, um ihr mitzuteilen, dass sie gefeuert sei. Die 26-Jährige drückte auf die Tränendrüse und legte im Hotel von Schrader einen so lautstarken Auftritt hin, dass das Hotelpersonal fast die Polizei gerufen hätte. Letzten Endes bekam sie eine zweite Chance. Doch das Chaos ging weiter. Immer wieder nörgelte die Schauspielerin am Regisseur und der Crew herum. Von vereinbarten Szenen, wie etwa der bereits erwähnten Sex-Szene, wollte sie plötzlich nichts mehr wissen. Zu dieser konnte Schrader sie nur überreden, indem der 66-jährige Regisseur selbst blank zog.

Eine Weile erschien Lohan sogar regelmäßig, um ihrer Arbeit nachzugehen. Dann tauchte Lady Gaga in der Stadt auf, und alte Gewohnheiten rissen wieder ein. Lohan schwänzte nach einer Partynacht mit der Sängerin erneut oder verschwand anstatt zu arbeiten lieber zum Lunch mit Freunden. Danach präsentierte sie der Crew eine Rechnung in Höhe von 600 Dollar. Angesichts der Gage der Schauspielerin eine Frechheit. Der Film hatte lediglich ein Budget von 250.000 Dollar, und Lohan erhielt eine Gage von 100 Dollar pro Tag.

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Immer wieder mussten die Mitarbeiter wegen der Allüren des einstigen Kinderstars umdisponieren, Drehbuch und Produktionsarbeiten geändert werden. Das trieb nicht nur den Regisseur, sondern auch die ganze Crew zur Verzweiflung. Selbst nach Ende der Dreharbeiten scheint der Horror für Schrader noch nicht vorüber. Um die ohnehin misslichen Finanzen des Films aufzustocken, wollte er sein Werk auf dem US-„Sundance Film Festival“ präsentieren. Doch er bekam eine Absage.

Von den Schauspielkünsten seiner Hauptdarstellerin ist Schrader nach wie vor überzeugt. Er bereut die Besetzung nicht, sagte er Reporter Rodrick. „Sie ist toll in dem Film.“ Eine erneute Zusammenarbeit darf man trotzdem bezweifeln. Und dass nach solchen desaströsen Insiderinformationen die Karriere von Lohan nochmal ordentlich in Schwung kommt, auch.

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