Die Filmstarts am 10. November 2011

Hannah Meister
DE Movies

Eine dunkle Begierde
Der kanadische Kult-Regisseur David Cronenberg stochert leidenschaftlich gern im Dunkeln der menschlichen Seele. Dass er sich dabei insbesondere für die Externalisierung psychischer Prozesse, deren körperliche Manifestationen, interessiert, hat er mit Filmen wie "Videodrome", "Crash", "eXistenZ " oder "Spider" bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit seinem neuesten Streich hüllt er sein Interesse für die Psyche gewissermaßen in ein historisches Gewand, indem er sich den Anfängen der Psychoanalyse und deren bedeutendsten Figuren Sigmund Freud und C.G. Jung zuwendet.

Zürich, zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der Psychotherapeut Carl Gustav Jung (Michael Fassbender) wird mit der Behandlung der unter Hysterie leidenden, jungen Russin Sabina Spielren (Keira Knightley) betraut. Von ihrer Intelligenz fasziniert, kommen sich Therapeut und Patientin in ihren zahlreichen Gesprächssitzungen näher. Weil diese "dunkle Begierde ", die Jung bei sich entdeckt, sowohl seine Karriere als auch seine Ehe zu gefährden droht, wendet er sich von Sabina ab. Die plant mittlerweile selbst, Psychoanalytikerin zu werden — und möchte dafür bei keinem Geringeren als dem "Vater der Psychoanalyse " Sigmund Freud (Viggo Mortensen) in die Lehre gehen. Doch auch der erliegt bald seiner schönen Schülerin. Eine von Spannungen durchzogene Dreiecksgeschichte entspinnt sich….

Obwohl David Cronenberg gern als Erfinder des sogenannten "Body Horror"-Genres bezeichnet wird, konzentriert er sich in "Eine dunkle Begierde" ausschließlich auf die Psyche, die er vorwiegend im Dialog der Protagonisten seziert. Dass der Film also in erster Linie vom gesprochenen Wort lebt, dürfte Anhänger von Cronenbergs frühem Oeuvre vielleicht etwas verstören. Dennoch — und nicht zuletzt auch wegen der hochkarätigen Besetzung — ist "Eine dunkle Begierde" eine unbedingte Filmempfehlung für alle, die an der menschlichen Seele und ihren zuweilen dunklen Abgründen interessiert sind.

"Eine dunkle Begierde" (Bild: Universal Pictures)

Keira Knightley: Po-Guard für ihren Allerwertesten

Anonymus
Regisseur Roland Emmerich ("The Day After Tomorrow", "2012") ist bekannt dafür, lieber zu klotzen statt zu kleckern. Konsequenterweise macht er in seinem neuen Film "Anonymus" keine Ausnahme und (über-) fordert den Zuschauer mit einem Historienstreifen, der Zweifel an William Shakespeares Autorenschaft anmeldet.

England, 16. Jahrhundert: Königin Elisabeth I. (Vanessa Redgrave) hat zwar den Thron inne, doch es ist ein ehemaliger Schauspieler, ein gewisser William Shakespeare (Rafe Spall), dem das Volk zu Füßen liegt. Mit Bühnenstücken wie "Ein Sommernachtstraum" und "Romeo und Julia" begeistert er die Massen. Was jedoch niemand weiß, ist, dass Shakespeare selbst gar nicht der Verfasser der Werke ist, sondern der Earl of Oxford (Rhys Ifans) —  seines Zeichens wiederum Widersacher von Elisabeths engstem und intriganten Berater William Cecil (David Thewlis). Aufgrund seiner adeligen Herkunft darf sich Oxford selbst jedoch nicht zu seiner Urheberschaft bekennen. Ein Netz aus undurchsichtigen Intrigen zieht sich zu...

Auch der Film selbst dürfte für manche etwas undurchsichtig bleiben, denn es wimmelt in "Anonymus" nur so von Irrungen und Verwirrungen, Intrigen und Machenschaften, dass man Mühe hat, der Handlung zu folgen. Dabei hätte das Kernthema jedoch — nämlich dass Shakespeare selbst gar nicht der Urheber all der großartigen Werke gewesen sein soll, die ihm zugeschrieben wurden — durchaus das Potential gehabt, auch ohne das gante intrigante Drumherum am königlichen Hofe filmfüllend zu sein. Schließlich haben sich mit dieser ganz und gar nicht so einfältigen Theorie schon Größen wie Henry James, Charles Dickens und Sigmund Freud beschäftigt. Wer sich jedoch einer langen Aufmerksamkeitsspanne rühmen darf und zudem am Thema interessiert ist, dürfte an "Anonymus" durchaus seine Freude haben.

Meek's Cutoff
Mit "Meek's Cutoff" legt Regisseurin Kelly Reichardt einen Western der etwas anderen Art vor. Dabei verzichtet sie allerdings auf die klassischen Genre-Ingredienzien wie Cowboys, Saloons und wilde Schießereien, sondern porträtiert einfühlsam das sich wandelnde Beziehungsgefüge der Protagonisten.

Drei Siedlerfamilien ziehen mit ihren Wagen durch den amerikanischen Westen. Als die Gruppe vom eigentlichen Weg abkommt, gerät auch die Expedition selbst aus den Fugen: Es fehlt an Wasser und ein gesichteter Indianer schürt zusätzlich noch Angst. Als Reiseführer Stephen Meek (Bruce Greenwood) und der inoffizielle Wortführer der Gruppe Solomon (Will Patton) selbigen einfangen, entbrennt eine Diskussion, was mit dem Indianer nun anzufangen sei und welche Absichten er wohl verfolge. Die Spannung und das Misstrauen innerhalb der Gruppe wachsen...

"Meek's Cutoff" bringt den Siedler-Alltag in all seiner Gleichförmigkeit auch auf die Leinwand. Doch auch wenn die Routine der zu verrichtenden Arbeiten aller Beteiligten durchaus einige filmische Längen mit sich bringt, legt Reichardt den Fokus ganz klar auf das, was sich zwischen den Figuren abspielt, während sich mehr und mehr ein Klima des Misstrauens ausbreitet. Ein Filmdrama, das definitiv keine leichte Kost ist, aber mit seiner Sensibilität und einer gewohnt grandiosen Michelle Williams ("Blue Valentine") in einer der Hauptrollen überzeugt.

"Meek’s Cutoff" (Bild: Peripher Filmverleih)

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