Blindenfußball-EM: Ein Spiel mit ganz viel Gefühl

Jonathan Tönsing (l.) will gegen den Italiener Jacopo Lilli an den Ball

Berlin.  Wer Mulgheta Russom beim Fußball beobachtet, sieht einen dynamischen Sportler mit einem energischen Antritt. Wenn der Ball auf ihn zurollt, bewegt er sich kontrolliert darauf zu und dirigiert gleichzeitig seine Mitspieler. Im ersten Moment würde man kaum glauben, dass Russom dabei quasi im Dunkeln tappt. Der 39-Jährige ist blind.

Als 20-Jähriger konnte Russom noch sehen, er kickte in der Landesliga der TSG Tübingen, als er in Folge eines Autounfalls sein Augenlicht verlor. Seit der ersten Stunde ist er Teil der Blindenfußball-Nationalmannschaft, dabei dachte er zunächst, Bundestrainer Ulrich Pfisterer wolle ihn veralbern, als er 2007 das Team ins Leben rief. "Fußball für Blinde, wie soll das denn funktionieren?", fragte sich Russom damals.

Inzwischen spielt der aus Eritrea stammende Athlet seit zehn Jahren für die deutsche Auswahl. Einen fünften und einen vierten Platz konnte er schon bei Europameisterschaften feiern. Für die Heim-EM in Berlin, die dieser Tage auf dem Lilli-Henoch-Sportplatz am Anhalter Bahnhofes ausgetragen wird, wünscht er sich mehr: "Wir können alle schlagen", sagt Russom selbstbewusst.

Der erste Titel könnte viel verändern

Das Auftaktspiel gegen Italien gewann die Deutsche Mannschaft am Sonnabend 2:0. Eigentlich hätte die Partie vor 2200 Zuschauern im ausverkauften Stadion am Freitag bereits beendet sein sollen, aber fünf Minuten vor dem Ende der ersten Hälfte war es aufgrund eines heftigen Gewitters zum Spielabbruch gekommen. Als nächste Gegner warten am Son...

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