Den Blick stur nach vorn gerichtet

Mehr als zwei Stunden dauerte das erste Treffen zwischen Trump und Putin. Die beiden Präsidenten vereinbarten eine engere Zusammenarbeit in Syrien und eine partielle Waffenruhe, die am Sonntag beginnen soll.


Ob es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft war, muss man bezweifeln. Auf jeden Fall aber haben US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin am Rande des G20-Gipfels in Hamburg einen Draht zueinander gefunden. „Es war ein sehr konstruktives Treffen“, berichtete US-Außenminister Rex Tillerson, „es gab eine positive Chemie zwischen den beiden.“

Damit konnte man angesichts der zahlreichen Konflikte zwischen den USA und Russland nicht unbedingt rechnen. Insbesondere die Einmischung russischer Hacker in den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf im vergangenen Jahr lag wie ein dunkler Schatten über dem Gespräch. „Präsident Trump hat das Thema klar angesprochen“, sagte Tillerson, „und den Unmut der Amerikaner deutlich gemacht.“ Putin habe die Vorwürfe zurückgewiesen und Belege gefordert. Man sei sich jedoch schnell einig gewesen, dass die russisch-amerikanischen Beziehungen zu wichtig seien, als sie dauerhaft mit dieser Streitfrage zu belasten. Die USA und Russland wollen nach einer Rahmenvereinbarung suchen, die eine Einmischung durch Cyberattacken in die inneren Angelegenheiten anderer Länder verhindern soll.

Konkrete Ergebnisse gab es vor allem für Syrien, wo die Spannungen zwischen beiden Ländern zuletzt zugenommen hatten. „Wir haben zusammen mit Russland und Jordanien einen Waffenstillstand für den südwestlichen Teil des Landes vereinbart“, berichtete der US-Außenminister. Man habe auch schon eine konkrete Vorstellung, wer in dem Landesteil für die Sicherheit sorgen werde. Anders als früher sei die Entschlossenheit auf russischer Seite diesmal größer, zu einer politischen Lösung zu kommen. „Wir bewegen uns auf einen politischen Prozess zu und wollen auch in anderen Gebieten zusammenarbeiten“, betonte Tillerson. Der Amerikaner machte aber deutlich, dass die USA weiterhin daran festhalten, dass der syrische Diktator Baschar al-Assad und seine Familie langfristig in Syrien keine politische Zukunft haben dürfen.


Auch über die Krise in Nordkorea haben Putin und Trump gesprochen. „Es gibt zwar Differenzen in der Taktik und im Tempo, grundsätzlich unterscheidet sich die Politik Russlands jedoch nicht von der Position der USA“, sagte der US-Außenminister. Die USA drängen auf eine nukleare Abrüstung Nordkoreas, nachdem der dortige Diktator Kim Jong-Un kürzlich erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet hatte, die auch das US-Festland erreichen könnte. Tillerson machte deutlich, dass die Zeit der strategischen Geduld mit Kim zwar vorüber sei, man jedoch etwas Zeit brauche, um den Druck auf Pjöngjang zu erhöhen. „Wenn wir das nicht schaffen, haben wir kaum noch gute Optionen“, warnte der Amerikaner.

Erst nach zwei Stunden und 16 Minuten gingen die beiden Präsidenten auseinander. Geplant waren für das Gespräch nur 30 Minuten. „Zwischendurch versuchte die First Lady Melania erfolglos, die beiden Präsidenten zu einem Ende zu bewegen“, berichtete Tillerson. Ein neues Treffen zwischen Trump und Putin wurde jedoch nicht vereinbart.