Ein Blick auf die Corona-Zahlen: Der Anteil der Todesfälle in den jüngeren Altersgruppen wächst

Cornelia Meyer
·Lesedauer: 3 Min.
Trotz des Fortschritts in der Impfkampagne ist die Lage auf vielen Intensivstation angespannt.
Trotz des Fortschritts in der Impfkampagne ist die Lage auf vielen Intensivstation angespannt.

Covid-19 ist eine Krankheit, die vor allem für ältere und vorerkrankte Menschen tödlich enden kann. Dieser Umstand ist seit Längerem bekannt. Doch dank Lockdown und vor allem den Impfungen gehen die Todeszahlen bei den Hochbetagten inzwischen deutlich zurück. Dafür trifft es nun – wenn auch seltener – vermehrt die Jüngeren.

Der bisherige traurige Höhepunkt der Corona-Pandemie in Deutschland war der Jahreswechsel. Zu diesem Zeitpunkt starben mitten in der zweiten Welle fast 6.000 Menschen pro Woche an oder mit Covid-19. Doch kurz nach Weihnachten starteten die Impfungen gegen das Coronavirus – zunächst in den Seniorenheimen und beim medizinischen Personal.

Seitdem sind die auf Covid-19 zurückzuführenden Todesfälle glücklicherweise zurückgegangen. Allerdings verharren sie auch seit März auf dem Niveau von etwa 1.500 Todesfällen pro Woche. Zuletzt schienen sie – zeitversetzt mit dem durch die britische Mutation bedingten höheren Infektionszahlen – sogar wieder anzusteigen.

Auch in den Krankenhäusern zeigt sich seit Anfang März eine Trendwende: Während immer weniger Menschen über 80 wegen Corona in den Krankenhäusern behandelt werden müssen, steigt die Zahl der Klinikeinweisungen von 35- bis 59-Jährigen erneut an. Sie machen nach den 60- bis 79-Jährigen laut Robert-Koch-Institut inzwischen die zweitgrößte Altersgruppe aus, die mit Covid-19 medizinisch versorgt werden müssen.

Jedes vierte Todesopfer war in der vergangenen Woche unter 70 Jahre alt

Nach wie vor gilt aber, dass die Mehrheit der Menschen, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus sterben, älter als 70 Jahre ist. In diese Altersgruppe fielen 1.188 der insgesamt 1.553 Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19, die in der Woche zwischen dem 13. und dem 20. April gemeldet wurden.

Trotzdem starben in derselben Woche vier Menschen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren, acht Menschen zwischen 30 und 39 Jahren, 30 Menschen zwischen 40 und 49 Jahren, 80 Menschen zwischen 50 und 59 Jahren und 243 Menschen zwischen 60 und 69 Jahren.

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Zum Vergleich: Seit Beginn der Corona-Pandemie waren 88 Prozent der rund 80.000 Todesopfer 70 Jahre und älter. In der genannten Woche betrug dieser Wert nur noch 76 Prozent. Das bedeutet: Fast jedes vierte Todesopfer in diesem Zeitraum war unter 70 Jahre alt.

Ähnlich war es in der Woche zuvor: Zwischen dem 6. bis 13. April starben vier Menschen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren, zwölf Menschen zwischen 30 und 39 Jahren, 29 Menschen zwischen 40 und 49 Jahren, 95 Menschen zwischen 50 und 59 Jahren und 229 Menschen zwischen 60 und 69 Jahren. Sie machten damit rund 22 Prozent der in dieser Woche gemeldeten Todesopfer aus.

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Zu beachten ist dabei allerdings, dass dies die jeweils zum Stichtag gemeldeten Zahlen betrifft. In den vergangenen beiden Wochen sind noch Nachübermittlungen möglich, die tatsächlichen Zahlen können also jeweils höher liegen.

Betrachtet man die Todeszahlen im Zeitverlauf, wird deutlich, dass vor allem bei den 50- bis 59-Jährigen ein ungebremster Anstieg sowie bei den 40- bis 49-Jährigen ein moderater, aber kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen ist.

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Bei den 80- bis 89-Jährigen sowie bei den Über-90-Jährigen flacht die Kurve hingegen mit dem Fortschritt der Impfkampagne in den ersten Monaten des Jahres ab. Ende des vergangenen Jahres waren hier die Zahlen steil angestiegen.

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Zudem sollte miteinbezogen werden, dass gerade jüngere Covid-19-Patienten oft wochenlang auf den Intensivstationen liegen, wie Intensivmediziner betonen. Bei den aktuell sehr hohen Infektionszahlen ist damit nicht nur eine Überlastung des Gesundheitssystems weiterhin eine Gefahr. Sondern auch, dass die Todeszahlen bei den jüngeren Bevölkerungsgruppen in den kommenden Wochen weiter steigen, während die geimpften Teile der Bevölkerung davon verschont bleiben. Zudem drohen auch weiterhin Langzeitfolgen wie Long Covid, die die Lebensqualität erheblich einschränken können.

Diese Zahlen sollten eine Warnung sein, Hygiene- und Abstandsregeln weiter einzuhalten – solange bis jeder, der dies möchte, vollständigen Impfschutz erhalten hat, und die Herdenimmunität hoffentlich greift.