Bleibt Heynckes? Jansen macht Bayern Hoffnung

Reinhard Franke

Die wohl brennendste Frage unter den Fans des FC Bayern ist im Moment: Wer wird ab Sommer Cheftrainer bei den Münchnern?

Bleibt es am Ende doch Jupp Heynckes oder übernimmt ein neuer Coach den Rekordmeister?

Marcell Jansen macht sich so seine Gedanken. Der 32-Jährige spielte in der Saison 2007/2008 beim FC Bayern und kennt auch Jupp Heynckes aus der gemeinsamen Zeit bei Borussia Mönchengladbach in der Spielzeit 2006/2007. 

"Der Respekt vor Jupp Heynckes ist von Seiten der Bosse riesig, das haben sie auch immer wieder betont. Er ist natürlich die Wunschlösung", sagt Jansen im Gespräch mit SPORT1.

"Der Dank, dass er dem Verein nach dem Aus von Carlo Ancelotti geholfen hat, ist auf jeden Fall immens. Die ganze Situation um seine Zukunft kann Heynckes nur selbst beenden." 


Bayern-Präsident Uli Hoeneß hält an seinem Plan fest: Er will Heynckes davon überzeugen, über den Sommer hinaus zu bleiben.

Der 66-Jährige ordnete in dieser Woche erstmals öffentlich ein, für wie wahrscheinlich er es hält, dass sein Vorhaben gelingt. Die Chancen, dass Heynckes bleibt, beziffert Hoeneß auf zehn Prozent, es gebe keinen Plan B.

Gehörige Zweifel

Eins wird deutlich: Hoeneß scheint inzwischen gehörige Zweifel zu haben, dass er gemeinsam mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Heynckes noch umstimmen kann.

Viele Bayern-Kritiker werfen Hoeneß respektloses Verhalten gegenüber Heynckes vor. Jansen sieht das nicht so. "Ich finde die weiteren Versuche von Hoeneß nicht respektlos", betont der Ex-Profi.


Heynckes hatte bislang ausgeschlossen, über die Saison hinaus auf der Bank der Münchner zu sitzen. Zuletzt äußerte sich der 72-Jährige zu den Schmeicheleien von höchster Stelle. In aller Deutlichkeit.   

"Mir ist das alles zu viel. Ich mag das nicht. Mir schmeichelt das auch nicht", sagte er und kündigte ein Sechs-Augen-Gespräch zwischen ihm, Rummenigge und Hoeneß an. 

Dieses Gespräch hat nun stattgefunden. "Wir haben uns zusammengesetzt", sagte Heynckes am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel bei Mainz 05 (Sa., 15.30 Uhr im LIVETICKER) und ergänzte zur Charme-Offensive von Hoeneß: "Dazu gibt es nichts mehr zu sagen. Man sollte das Thema ad acta legen. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit." Klingt nach weniger als zehn Prozent. 

"Dann ist das erst mal zu respektieren"

"Heynckes hat schon öfter gesagt, dass er über den Sommer hinaus nicht weitermachen will, dann ist das erst mal zu respektieren", findet Jansen: "Vielleicht nutzen die Bosse aber auch die Situation, um früh genug nach einer Nachfolge-Lösung zu schauen. Es ist sportlich alles im Lot von daher kann man gemeinsam überlegen, wer sein Nachfolger wird."

Es gebe "viele spannende Trainer auf dem Markt und es hängt auch mit der Philosophie zusammen, wie sich das die Verantwortlichen in den nächsten Jahren vorstellen", sagt Jansen.

"Natürlich würde ein weiteres Jahr mit Heynckes auch Zeit bringen, um an der Lösung für die Zeit nach ihm zu feilen, denn es muss auch eine Zeit nach Jupp Heynckes geben. Egal, ob jetzt im Sommer oder 2019."


Jansen macht Hoeneß und den Bayern-Fans etwas Hoffnung: "Ich würde nicht ausschließen, dass Heynckes über den Sommer doch Bayern-Trainer bleibt. Er will einfach die Saison abwarten und die weitere Entwicklung beobachten. An seiner Stelle würde ich es genauso machen. Stand jetzt hört er auf, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass er doch überlegt und das alles gerade nicht zum Thema machen möchte."

Tuchel der neue Bayern-Coach?

Als Nachfolger könnte es einen Top-Kandidaten geben: Thomas Tuchel. "Er ist ein sehr guter Trainer, der genug Handwerkszeug für einen Job bei Bayern mitbringt", meint Jansen.

Tuchel hatte sportlich "eine erfolgreiche Zeit bei Borussia Dortmund und Mainz 05." Er sei in den vergangenen Jahren "auch menschlich gereift", ergänzt Jansen, sei "aber immer noch ein junger Trainer. Aufgrund seiner Persönlichkeit würde ich nicht ausschließen, dass er zu Bayern kommt. Vieles würde Sinn machen und es ist für mich absolut nachvollziehbar, dass sein Name bei Bayern fällt."

Und weiter: "Er ist auch von seiner Interpretation des Fußballs angelehnt an Pep Guardiola. Man sagt ihm zwar nach, ein schwieriger Charakter zu sein, aber er ist noch jung genug, um in der Sozial-Kompetenz noch reifen zu können."