Prokop gibt erstmals Fehler zu - und bangt um Job

Die Entscheidung um Christian Prokop fällt wohl noch im Februar

Handball-Bundestrainer Christian Prokop hat erstmals eigene Fehler für das enttäuschende Abschneiden des DHB-Teams bei der Europameisterschaft in Kroatien eingestanden.

Vor dem All Star Game am Freitag in Leipzig zeigte sich Prokop selbstkritisch, Abwehrchef Finn Lemke nicht von Turnierbeginn an nominiert zu haben. 

"Mit Sicherheit habe ich gerade die Charaktereigenschaften und die Stellung eines Finn Lemke in der Nationalmannschaft unterschätzt und im Vorfeld nicht bedacht, weil das gerade in den Quali-Spielen nicht so zum Vorschein kam. Aber er ist ein Typ, der die Mannschaft führen kann", gab der 39-Jährige bei Sky

Prokop: "Habe es nicht mehr in der Hand"

Dem Vernehmen nach war Lemkes anfängliche Nicht-Nominierung einer der Gründe, die zu Verstimmungen zwischen Trainer und Mannschaft geführt haben sollen. Prokop bestritt jedoch, dass ein Graben zwischen ihm und seinen Spielern bestehe.

Nach dem deutschen Aus als Titelverteidiger bereits in der Hauptrunde mit Platz neun steht Prokop am Pranger. Verschiedenen Stimmen fordern seine Ablösung. 

Prokop selbst gestand ein, keinen Einfluss mehr auf seine Weiterbeschäftigung zu haben. "Ich möchte diese Aufgabe weitermachen, traue es mir auch zu, aber man muss auch ehrlich sein: Nach den letzten zehn Tagen und dem EM-Auftritt liegt es nicht mehr in meiner Hand", sagte er.

Und fügte an: "Ich hoffe nicht, dass aufgrund des medialen Drucks eine vorgefertigte Meinung in den Köpfen herrscht." Man müsse jetzt abwarten, "und dann muss eine kluge Entscheidung getroffen werden. Ich hoffe, dass eine Entscheidung nicht mit Engstirnigkeit getroffen wird."

Prokop: "Das war nicht immer menschlich"

Zugleich beschwerte sich Prokop über den öffentlichen Umgang mit seiner Person: "Das Abschneiden lässt die Kritik zu. Aber was die letzten zehn Tage passiert ist, war nicht immer menschlich."

Am Mittag waren die Entscheidungsträger des DHB waren zu einem Treffen in Leipzig zusammen gekommen. Bei dem schon lange geplanten Meeting ging es aber nicht nur das Thema Bundestrainer, sondern auch das schwache EM-Abschneiden der Bad Boys sowie das frühe WM-Aus des Frauen-Teams waren zur Sprache gekommen. 

"Es ist definitiv keine Entscheidung gefallen. Wir sind heute in die Analyse eingestiegen", erklärte der Sportvorstand des Deutschen Handball-Bundes, Axel Kromer, der dpa

"Prokop als Bundestrainer überfordert"

Kromer betonte, dass man sich bei einer Entscheidung in der Personalie Prokop nicht unter Druck setzen lassen wolle. Die Analyse solle in den nächsten vier bis sechs Wochen abgeschlossen werden. 


"Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir das in Ruhe machen wollen", erklärte der 41-Jährige. Frank Bohmann, Geschäftsführer der Deutschen Handball-Liga, wollte die Trainerfrage zuvor möglichst schnell geregelt sehen. Neben Kromer und Bohman war auch Liga-Boss Uwe Schwenker Teil des Meetings. 

Seit der schwachen EM steht Prokop in der Kritik. So hatte Axel Geerken, der als Geschäftsführer dem Bundesligisten MT Melsungen vorsteht, dem Bundestrainer die Eignung für seinen Job abgesprochen: "Ich will ihm wirklich nichts Böses, aber als Bundestrainer scheint er überfordert."  

"Sportlich war es scheiße"

Die deutsche Torhüter-Legende Andreas Thiel wollte sich dieser Einschätzung nicht anschließen. "Ich möchte mich an der Hexenjagd nicht beteiligen", sagte der Ex-Profi bei Sky. Er sehe viel mehr die Spieler in der Verantwortung. 

"Als Profi verdiene ich viel Geld, da haben mich atmosphärische Störungen nicht zu interessieren. Natürlich, was da sportlich gelaufen ist, war scheiße. Aber ich spiele für Deutschland, die Leistung haben die Jungs ja nun auch nicht gebracht." Eine überlegte Entscheidung nach eingehender Analyse halte er für den richtigen Ansatz. 

Auch Karsten Günther, Geschäftsführer von Bundesliga-Klub von SC DHfK Leipzig, erklärte: "Wenn man einen Trainer hat, der das richtige Konmzept hat, dann erwarte ich vom Verband auch, dass er daran festhält."