Wo bleiben die weiblichen CEOs? Wirtschaft sollte bei gleichberechtigter Teilhabe Politik als Vorbild nehmen

DGAP-News: FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte e. V. / Schlagwort(e): Marktbericht/Studienergebnisse

06.03.2018 / 11:45
Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent verantwortlich.


Pressemitteilung

Wo bleiben die weiblichen CEOs? Wirtschaft sollte bei gleichberechtigter Teilhabe Politik als Vorbild nehmen

Berlin, 06.03.2018: Vor drei Jahren verabschiedete der Deutsche Bundestag das "Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen". Seit über zwei Jahren gilt die Quote von 30 Prozent Frauen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat börsennotierter, voll mitbestimmter Unternehmen. Doch statt Aufbruchstimmung herrscht Stagnation bei der Chancengleichheit in Führungspositionen der deutschen Wirtschaft. Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2018 fordert FidAR die Unternehmen vor diesem Hintergrund zu mehr couragiertem Handeln auf.

"Das Kanzleramt hat einen weiblichen CEO und wir werden mehr Ministerinnen in der Regierung haben als je zuvor. Aber die 30 DAX-Konzerne werden weiterhin vorrangig von Männern regiert. Frauen gelangen fast nur dort in Spitzenpositionen, wo es das Gesetz vorschreibt. Daher plädieren wir dafür, den Druck zu verschärfen", erklärt FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. "Die Aufsichtsräte und Vorstände könnten endlich mehr Mut zeigen. Wenn die Politik Spitzengremien mit 50 Prozent Frauen besetzt, kann die Wirtschaft das auch."

FidAR begrüßt die Bildung einer neuen Großen Koalition durch CDU, CSU und SPD. "Wir haben in der Aktion der Berliner Erklärung vor der Bundestagswahl von Akteuren der neuen Regierung eindeutige Zusagen dafür erhalten, die gleichberechtigte Teilhabe weiter zu stärken", betont Schulz-Strelow. So hatte etwa die stellvertretende CDU-Vorsitzende und vor wenigen Tagen zur Generalsekretärin gewählte ehemalige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer die Forderung nach funktionierender und systematischer Erfassung der Gleichstellungspolitik unterstützt und unterstrichen, dass Monitoring keinesfalls bloß eine Pflichtübung sei.

"Wir nehmen die Politik beim Wort. Nachdem der Koalitionsvertrag keine Ausweitung der Quote für die Unternehmen vorsieht, da die Wirtschaft - wie es heißt - nicht weiter belastet werden soll, nehmen wir die Unternehmen besonders unter die Lupe, die zwar der Quote nicht unterliegen, aber Zielgrößen für den Frauenanteil in Führungspositionen festlegen mussten. Denn bei ihnen besteht der größte Nachholbedarf. Wir erwarten mehr als nur vage Formulierungen", so Schulz-Strelow.

Nach dem Women-on-Board-Index von FidAR mit Stand 31.10.2017 liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 185 im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX sowie der im Regulierten Markt notierten, voll mitbestimmten Unternehmen der Privatwirtschaft bei 27,6 Prozent, dies entspricht einer Steigerung von nur 1,7 Prozentpunkten seit Anfang 2017 (25,9 Prozent). Auf der Vorstandsebene kletterte der Frauenanteil um minimale 0,4 Prozentpunkte auf den weiterhin niedrigen Stand von 7,2 Prozent. Der WoB-Index misst seit 2010 den Fortschritt beim Frauenanteil in den Spitzenpositionen der Wirtschaft.

Auch bei den Öffentlichen Unternehmen bleiben die Zuwächse beim Frauenanteil weiterhin hinter den Erwartungen zurück. Hier gelten seit dem 1. Januar 2018 für die Bundesunternehmen höhere Vorgaben, danach müssen die Hälfte der vom Bund zu bestimmenden Aufsichtsgremiumsmitglieder Frauen sein. Mit Stand 1.01.2017 lag der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der 415 größten öffentlichen Unternehmen laut Public Women-on-Board-Index von FidAR bei 29,7 Prozent, in den Top-Managementorganen bei 17,3 Prozent. Bei den 98 Bundesbeteiligungen liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien bei 29,8 Prozent, in den Top-Managementorganen bei 15,3 Prozent.

Die Initiative FidAR steht mit ihren Forderungen nicht allein. Gemeinsam mit 16 weiteren Frauenverbänden, die sich zur Berliner Erklärung 2017 zusammengeschlossen haben, setzt sich der Verein für eine messbare Erhöhung des Frauenanteils auf allen Führungsebenen und für eine faire Bezahlung von Frauen auf allen Unternehmensebenen sowie für transparentes Monitoring der entsprechenden Gesetze ein. FidAR wird weiterhin mit der Berliner Erklärung daran arbeiten, das öffentliche Bewusstsein für notwendige Veränderungen zu schärfen.

Die ausführlichen Studien zum WoB-Index 185 und zum Public WoB-Index vom Juni 2017 können unter www.wob-index.de eingesehen werden.

Ihre Ansprechpartnerin

Monika Schulz-Strelow, Präsidentin FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte e. V.
Tel.: +49 (30) 887 14 47 13, E-Mail: monika.schulz-strelow@fidar.de

Pressekontakt:

Matthias Struwe | Eye Communications | Agentur für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 (7 61) 137 62-21, E-Mail: m.struwe@eyecommunications.de

Über FidAR:

FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte e.V. ist eine überparteiliche und überregionale Initiative, die 2006 von Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ins Leben gerufen wurde. FidAR strebt eine nachhaltige Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen und die Verbesserung der Unternehmenskontrolle an. Ziel der Initiative ist die paritätische Besetzung aller Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft. FidAR verfolgt diese Ziele im engen Austausch mit Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und in Kooperation mit den relevanten Wirtschafts- und Frauenverbänden. FidAR ist aktives Mitglied im europäischen Netzwerk EWoB- European Women on Board (www.ewob-network.eu). Mehr Informationen zu FidAR im Internet unter www.fidar.de.



06.03.2018 Veröffentlichung einer Corporate News/Finanznachricht, übermittelt durch DGAP - ein Service der EQS Group AG.
Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich.

Die DGAP Distributionsservices umfassen gesetzliche Meldepflichten, Corporate News/Finanznachrichten und Pressemitteilungen.
Medienarchiv unter http://www.dgap.de



show this