Blackrock mit neuem Deutschland-Chef

Nach seinem Abgang bei der Deutschen Bank im Frühjahr vergangenen Jahres wollte sich Dirk Schmitz erst einmal seiner Familie widmen. Damit ist es nun vorbei. Der ehemalige Deutschlandchef im Investmentbanking des größten heimischen Instituts startet beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock, wo er für Deutschland, Österreich und das Osteuropa-Geschäft verantwortlich ist. Das geht aus einer internen Mitteilung hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Der smarte 47-Jährige ist ein Kapitalmarktprofi, dessen Stärken vor allem Bereich der Anleihen liegen, auch wenn er zuletzt bei der Deutschen Bank das gesamte Investmentbanking verantwortete und in dieser Funktion auch seine Kontakte mit Firmen und institutionellen Kunden ausbaute: Mit diesem Pfund muss er bei Blackrock wuchern. Denn für den Giganten mit Sitz der Muttergesellschaft in New York zählt Deutschland zu den wichtigsten Märkten weltweit.

An der Spitze des Aufsichtsrats steht mit dem umtriebigen liberalen CDU-Politiker Friedrich Merz eine Führungskraft, um die es politisch zwar ruhig geworden ist, der aber als Berater des Vermögensverwalters großen Ehrgeiz an den Tag legt. Mit seinen 150 Leuten in Frankfurt, München und Wien muss Schmitz künftig nicht nur das Wachstum vorantreiben, sondern die Tochter überdurchschnittlich schnell ausbauen. Das wird von dem ehemaligen Investmentbanker erwartet.


Nach Informationen aus Finanzkreisen liegt das Wachstum in Europa bei durchschnittlich vier bis sechs Prozent. Diese Vorgabe gilt es für Schmitz zu schlagen. Stärken besitzt Blackrock in Deutschland nicht nur im Bereich der Indexfonds, wo das Finanzinstitut unangefochten Nummer eins ist und weltweit 1,7 Billionen Dollar verwaltet. Als Fondsmanager für Großkunden wie die Versicherung Alte Leipziger und andere Top-Adressen ist der Vermögensverwalter ebenfalls gut unterwegs, wenngleich der Abstand zu den vier großen deutschen Adressen Deutsche Asset Management, Allianz Global Investors, Union Investment und Deka erheblich ist.

Ehemalige Weggefährten bezeichnen den Neustart von Schmitz als einen „tollen Schritt“. Konkurrenten aus früheren Zeiten vermissen allerdings „Ecken und Kanten“ bei dem Ex-Investmentbanker, auch wenn man bei Deals gut mit ihm zusammenarbeiten könne. Schmitz bringt 20 Jahre Berufserfahrung in unterschiedlichen Führungsfunktionen in der Bankindustrie für seinen neuen Job mit, zuletzt sechseinhalb Jahre bei der Deutschen Bank. Als Partner von Armin von Falkenhayn hatte er als Co-Chef mehrere Jahre zusammen das Investmentbanking im Heimatmarkt des Instituts geführt. Mit dem Abgang von von Falkenhayn, dem heutigen Deutschland-Chef von Bank of America Merrill Lynch, stand er alleine an der Spitze.

Schmitz galt bei der Deutschen Bank „als Mann von Anshu Jain“, der das Institut zusammen mit dem Deutschen Jürgen Fitschen mehrere Jahre als Co-Vorstandschef geführt hatte und am Ende gescheitert war. Vor der Deutschen Bank hatte der Banker im Verkauf und Handel bei Morgan Stanley und JP Morgan in New York, London und Frankfurt gearbeitet. Seinen neuen Job übernimmt er von Christian Staub, der aufgestiegen ist. Seit August vergangenen Jahres leitet Staub das Geschäft mit institutionellen Kunden in Kontinental-Europa.

Die Latte liegt hoch für Schmitz, über den Merz zur Begrüßung in der internen Mail überschwänglich schreibt: „Dirk Schmitz ist einer der renommiertesten Kapitalmarkexperten in Deutschland. Unser Führungsteam wird enorm von seiner Erfahrung im Kapitalmarkt und in Unternehmensführung, sowie von seinem etablierten Netzwerk unter Finanzinstitutionen und Firmenkunden profitieren.“