Black Panther: Endlich steht ein schwarzer Superheld im Mittelpunkt

Chadwick Boseman in “Black Panther” (Bild: The Walt Disney Company (Germany))

Millionen Fans lieben die Comicfilme von Disney und Marvel. Doch die Studios mussten sich in Zeiten hitziger Debatten um soziale Gerechtigkeit die Frage gefallen lassen: Wann endlich darf ein schwarzer Superheld die Welt retten? Die Antwort von Disney/Marvel ist “Black Panther”.

So erfolgreich Marvels Cinematic Universe in den vergangenen Jahren auch war, hafteten der Filmreihe doch zwei Makel an. Die Superhelden, die Welt und Menschheit retten durften, sind männlich und weiß. Weibliche und dunkelhäutige Helden, ob sie nun “super” waren oder normal-menschlich, hat es zwar auch hin und wieder gegeben, nur standen sie nie im Mittelpunkt der Filmerzählung. Auf dem Höhepunkt der Debatten um Rassismus und Sexismus in Hollywood wirkte der dunkle Fleck in der Erfolgsgeschichte von Marvel und Disney umso dunkler. Dann mussten die Studios auch noch diesen Schlag einstecken: Ausgerechnet die Konkurrenten Warner Bros. und DC Entertainment dürfen sich seit 2017 damit rühmen, mit “Wonder Woman” den ersten Kinofilm der jüngsten Superhelden-Welle gedreht zu haben, in dem eine Superheldin Dreh- und Angelpunkt der Erzählung ist.

Immerhin beim zweiten Streitthema können Marvel und Disney nicht nur kontern, sondern auch Wiedergutmachung leisten. Mit “Black Panther” legen die Studios nämlich den ersten Superheldenfilm vor, der einen schwarzen Superhelden im Mittelpunkt der Handlung hat. Die Comicverfilmung erzählt die Geschichte von T’Challa alias Black Panther, der nach dem dramatischen Konflikt zwischen den Avengers-Mitgliedern in seine Heimat Wakanda zurückkehrt. Nach dem Tod seines Vaters ist er der neue König des fiktiven afrikanischen Staates. Kaum auf dem Thron, wird T’Challa von einem alten Feind Wakandas aber auch den Intrigen von Erik Killmonger und Ulysses Klaue bedroht.

Michael B. Jordan und Chadwick Boseman in “Black Panther” (Bild: The Walt Disney Company (Germany))

Wie der Comic so der Film
Wie schon die berühmte Vorlage von Stan Lee und Jack Kirby nimmt auch deren Verfilmung eine besondere Stellung innerhalb ihres Genres und ihrer Zeit ein. Marvel Comics brachte den ersten Comic um den Superhelden aus Wakanda 1966 heraus, mitten in einer Zeit, als die unterdrückte afroamerikanische Minderheit mal bestimmt jedoch friedlich (Martin Luther King), oder aber energisch und auf militante Weise (Malcolm X, Black Panther Party) für soziale Gleichberechtigung eintraten. Mit ihren Black-Panther-Comics trugen Marvel/Lee/Kirby den Kampf für eine gerechtere Gesellschaft mit ihren eigenen Mitteln und auf einer anderen Bühne aus.

Heute ist die Welt weder eine bessere, noch hat sie längst die Rassismus-Problematik überwunden. Auch in den USA ist die Lage alles andere als rosig. Ob Polizisten, die gewaltsam gegen schwarze Mitbürger vorgehen, oder rassistisch- und ethnisch-bedingte Benachteiligungen im sozialen Leben und in der Wirtschaft, noch immer gibt es in Amerika für bestimmte Gesellschaftsgruppen nur begrenzte Möglichkeiten. Mit einem rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen US-Präsidenten an der Macht ist die Situation nicht gerade besser geworden.

Sozial engagiertes Hollywood
Dass Rassismus und Sexismus auch in Hollywood noch nicht der Vergangenheit angehören, konnte man in den vergangenen Monaten auch den kontrovers geführten öffentlichen Debatten beobachten. Zugleich stellt sich die Traumfabrik immer mehr als Ort heraus, an dem der Protest der Empörten durchaus Früchte trägt. Allein die zunehmende Zahl von Filmen, die in den letzten Monaten und Jahren entstanden sind, verdeutlicht diesen Umstand. “Wonder Woman” und “Lady Bird”, beide gedreht von Regisseurinnen, aber auch die Arbeiten der Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow sind klare Ansagen gegen die Benachteiligung von Frauen nicht nur in der Filmindustrie. Filme wie “Nächster Halt: Fruitvale Station”, “Moonlight” und “Mudbound” zeigen einerseits die Lebensbedingungen von Afroamerikanern in Amerika. Andererseits stehen sie für den erfolgreichen Versuch dunkelhäutiger Filmemacher und Schauspieler, ihren Platz in der von Vorurteilen geprägten Filmindustrie zu behaupten.

Ryan Coogler gibt Hauptdarsteller Chadwick Boseman Regie-Anweisungen (Bild: The Walt Disney Company (Germany))

An dieser Entwicklung, die ins US-Kino übrigens nicht nur ein neues soziales Bewusstsein hineingetragen hat, sondern auch in formalästhetischer Hinsicht für frischen Wind sorgt, nimmt auch “Black Panther” teil. 17 Filme brauchten Disney und Marvel, bis sie ihrem Marvel Cinematic Universe endlich ein Werk hinzufügten, das nicht nur einen schwarzen Superhelden in der Mitte der Erzählung hat, sondern auch überwiegend aus dunkelhäutigen Darstellern besteht und von einem dunkelhäutigen Regisseur inszeniert wurde. Der Film kommt spät, aber nicht zu spät in die Kinos. Und so darf man hoffen, dass er Weichen stellen wird für weitere Comicverfilmungen dieser Art. Schließlich gibt es nicht nur genügend schwarze Superhelden in der Comicwelt, sondern auch reichlich talentierte schwarze Filmemacher in Hollywood.

“Black Panther ” kommt am 15. Februar in die deutschen Kinos

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